Für Pendler zwischen Köln, Leverkusen und Düsseldorf wird die Fahrt ab Freitag zur Geduldsprobe. Zwischen Köln-Mülheim und Düsseldorf läuft nichts mehr. Die S6 fährt sogar bis Dezember nicht mehr.
Bahnstrecke Köln-DüsseldorfAb Freitag ist Leverkusen wieder abgehängt

Ab Freitag wird die Fahrt zwischen Köln und Düsseldorf für viele Pendler zur Geduldsprobe.
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Tina Riepel muss in den kommenden zwei Wochen nicht täglich zwischen Köln und Düsseldorf hin- und herfahren. Sie hat Urlaub. „Glück im Unglück“, sagt die 44‑Jährige. Für viele ihrer Kolleginnen und Kollegen sieht es anders aus: Sie arbeiten in Düsseldorf und sind auf die Verbindung zwischen den beiden Städten angewiesen. Ab Freitag wird der Arbeitsweg für sie deutlich komplizierter. Von 21. August, 21 Uhr, bis 4. September, 21 Uhr, ist die Strecke zwischen Düsseldorf Hauptbahnhof und Köln-Mülheim vollständig gesperrt. Danach bleibt die S6 auf dem Abschnitt noch bis Dezember unterbrochen. Ersatzbusse sollen die ausfallenden Verbindungen ersetzen.
Tina Riepel arbeitet im Bildungssektor. In ihrem Arbeitsumfeld mit rund 30 bis 35 Mitarbeiterinnen sind viele von der Sperrung betroffen. Mobiles Arbeiten ist zwar möglich, aber nicht an jedem Tag. Für sie ist diese Option deshalb eine wichtige Alternative. Ein Auto gibt es zwar in ihrem Haushalt. Für den täglichen Weg nach Düsseldorf kommt es trotzdem eigentlich nicht infrage. Sie habe auch viele Kolleginnen und Kollegen ohne Auto, die durch die Zugausfälle noch mehr eingeschränkt seien.

Für viele Pendlerinnen und Pendler beginnt am Kölner Hauptbahnhof ab Freitag ein komplizierterer Arbeitsweg.
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Die nächste Baustelle wartet schon
Christine Mindt ist von der aktuellen Vollsperrung nicht in gleichem Maß betroffen. Sie fährt berufsbedingt zwischen Köln und Solingen. Diese Strecke war bis Mitte Juli gesperrt. Die 53-Jährige kann nachvollziehen, dass die Infrastruktur erneuert werden muss. Gleichzeitig ärgert sie die Informationspolitik der Bahn. „Jahrelang wurde nichts gemacht“, sagt sie. Dass nun gebaut werde, sei notwendig. Mit dem Schienenersatzverkehr werde ihre Fahrt allerdings schnell zu einer Angelegenheit von zwei Stunden. Auch die politische Debatte darüber sieht sie kritisch. Viele Menschen würden jetzt auf die Politik schimpfen. Dabei müssten heute viele Versäumnisse aus der Vergangenheit aufgearbeitet werden.
Die Bahn selbst begründet die jetzige Vollsperrung damit, dass möglichst viele Arbeiten gleichzeitig erledigt werden sollen. Zwischen Leverkusen und Köln-Mülheim werden unter anderem mehrere Kilometer Gleis erneuert. Auch im Bereich Langenfeld stehen Arbeiten an Weichen und Gleisen an. Hinzu kommen Brückenarbeiten und Maßnahmen für den weiteren Ausbau des Rhein-Ruhr-Expresses.

Am Bahnhof Köln-Mülheim endet die S6 ab Freitag vorerst: Die Strecke nach Düsseldorf über Leverkusen Mitte ist für zwei Wochen gesperrt.
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Zweieinhalb Stunden statt 45 Minuten
Das betrifft auch Nadine G., 39 Jahre alt. Sie wohnt in Köln-Buchforst und arbeitet in Düsseldorf. Zweimal pro Woche fährt sie ins Büro. Normalerweise ist die Verbindung für sie überschaubar. Während der Sperrung muss sie dagegen mit deutlich mehr Zeit und mehreren Umwegen rechnen.
Wie schnell sich die Reisezeit verändert, zeigt sich auch bei Bettina J. Die 54-Jährige fährt regelmäßig nach Düsseldorf, unter anderem, um ihre Mutter zu besuchen. Normalerweise braucht sie von Köln-Mülheim aus etwa 45 Minuten mit der S6. Während der Sperrung rechnet sie mit mindestens zweieinhalb Stunden für eine Fahrt. Seit ungefähr zehn Jahren besitzt sie kein eigenes Auto mehr und setzt stattdessen auf Bus und Bahn. Nun überlegt sie, ihr Deutschlandticket vorerst zu kündigen. „Das ist ja nicht die erste Baustelle“, sagt sie.
Kein Auto, keine Alternative
Für Sharon, 23, ist das Auto ebenfalls keine wirkliche Alternative. Ihr Freund wohnt in Köln, sie selbst ist regelmäßig zwischen Köln und Düsseldorf unterwegs. Die Bahn ist für sie deshalb ein wichtiger Teil ihres Alltags. „Ein Auto lohnt sich eigentlich gar nicht, wenn die Bahn fahren würde“, sagt sie. Von der Sperrung wusste sie bisher noch nichts.
Ein Auto lohnt sich eigentlich gar nicht, wenn die Bahn fahren würde.
Auch für Michael, 55, wird die Fahrt schwieriger. Er nutzt die Strecke zwischen Leverkusen-Mitte und Langenfeld aus privaten Gründen. Normalerweise sind es mit der S-Bahn nur drei Stationen. Während der Bauarbeiten wird daraus eine deutlich kompliziertere Verbindung. Der Schienenersatzverkehr kostet ihn Zeit und Flexibilität. Rund 45 Minuten kann die Fahrt dauern. Eine wirkliche Alternative sieht er nicht. „Ich bin auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen“, sagt er.

Während der Sperrungen entfallen in Leverkusen Mitte mehrere Zugverbindungen.
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Gerade für Fahrgäste aus Langenfeld und Monheim bekommt der Bahnhof Langenfeld während der Sperrung eine besondere Bedeutung. Dort treffen Ersatzverkehr und weiterhin fahrende Züge aufeinander. Die S6 und S68 fallen auf Teilen der Strecke aus. Ersatzbusse übernehmen den Verkehr. In den Hauptverkehrszeiten sind zusätzlich Schnellbusse vorgesehen.
Auch bei den Regionalzügen kommt es zu Einschränkungen. Der RE5 fällt zwischen Düsseldorf und Köln-Mülheim aus, der RE1 wird über Neuss umgeleitet. Wegen der beschädigten Wupperbrücke musste die Deutsche Bahn zudem die Fahrpläne anpassen. Die Züge können die Brücke weiterhin nutzen, müssen dort aber langsamer fahren.
Sperrungen bis Dezember
Am 4. September endet zwar die zweiwöchige Vollsperrung. Für S-Bahn-Pendler ist damit aber noch lange nicht alles vorbei. Die S6 bleibt zwischen Köln-Mülheim und Düsseldorf bis zum 4. Dezember unterbrochen. Und auch danach ist auf der Strecke weiter mit Einschränkungen zu rechnen.
21. August bis 4. September, jeweils 21 Uhr: Die Strecke zwischen Düsseldorf Hauptbahnhof und Köln-Mülheim ist vollständig gesperrt.
S6: Ausfall zwischen Düsseldorf Hbf und Köln-Mülheim; Ersatzbusse über Langenfeld
S68: Ausfall zwischen Düsseldorf Hbf und Langenfeld
RE5: Ausfall zwischen Düsseldorf Hbf und Köln-Mülheim RE1: Umleitung über Neuss; Halte unter anderem in Düsseldorf-Benrath, Leverkusen Mitte, Köln-Mülheim, Köln Messe/Deutz und Köln Hbf entfallen
S11: Ausfall zwischen Köln-Worringen und Neuss; Ersatzverkehr mit Bussen Fernverkehr: zahlreiche Umleitungen und einzelne Haltausfälle
26. bis 30. August: Wegen der Gamescom ist mit besonders vielen Reisenden zu rechnen.
4. September bis 4. Dezember: Die S6 bleibt zwischen Köln-Mülheim und Düsseldorf Hbf unterbrochen. Es gibt weiterhin Ersatzbusse über Langenfeld, in den Hauptverkehrszeiten zusätzlich Schnellbusse.
Wichtig: Die Fahrpläne werden teilweise noch angepasst. Reisende sollten ihre Verbindung unmittelbar vor der Fahrt in der Fahrplanauskunft prüfen.
