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Motto und PrämierungDer Schlebuscher Wolf bestimmt auch die neue Karnevalssession

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Die KG Bullenwiese bekam mehrere Preise für ihre Moulin-Rouge-Interpretation des Themas „Alaaf you Schliebesch“.

Die KG Bullenwiese bekam mehrere Preise für ihre Moulin-Rouge-Interpretation des Themas „Alaaf you Schliebesch“.

Bei der Mottoverkündung und Prämierung der Zugteilnehmer wurden auch ernste Töne angeschlagen.

„Die tote Zone in der Fußgängerzone brauche ich im nächsten Jahr nicht mehr.“ Für diesen Kommentar gibt es viel Applaus im Schlebuscher Herkenrath Hof, in dem die KG Grün-Weiß Schlebusch sich zum Rückblick auf den vergangenen 36. Schlebuscher Schull- und Veedelszoch getroffen hat.

Richtig traurig sei es gewesen, viele leere Stellen in der Fußgängerzone zu sehen, wo sonst die Menschen in Zweier- oder Dreierreihen stehen, berichten die Zugteilnehmer. „Wir wussten gar nicht, wohin mit den Kamelle.“ Dass die Fußgängerzone so schlecht besucht war, lag daran, dass die Stadt der KG die Auflage gemacht hat, hier eine Kamelle-freie Zone auszurufen. „Das war nicht unsere Idee und mir gefällt das auch definitiv gar nicht“, sagt Zugleiter Andreas Beljan.

Zumal die Werbe- und Fördergemeinschaft, die die Geschäftsleute in der Fußgängerzone vertritt, einer der größten Förderer des Zuges ist. „Ordnungsamt und Feuerwehr haben die Lage ausführlich bewertet“, erklärt Oberbürgermeister Stefan Hebbel. Und sie sind zu dem Schluss gekommen, dass durch die verkürzte Zugstrecke zu viele Leute in die Fußgängerzone ausweichen könnten. Daher die Auflage.

Die Kita und GGS Morsbroicher Straße haben den großen Kamellepokal der KG Grün-Weiß Schlebusch gewonnen.

Die Kita und GGS Morsbroicher Straße haben den großen Kamellepokal der KG Grün-Weiß Schlebusch gewonnen.

Das Problem an der Fußgängerzone sei nicht nur die Enge, sondern vor allem die „Entfluchtungsmöglichkeit“, erklärt Beljan. „Wenn also zum Beispiel ein Wolf durch die Fußgängerzone läuft und eine Panik ausbricht, wie kommen die Leute da weg?“ Was vor dem Zug als Witz abgetan worden wäre, sorgte jetzt für Lacher auf die im Rückblick lustige Anekdote. Auch bei Hebbel, der sich daran erinnert, wie der Funkspruch seinen Wagen erreichte: „Wir müssen kurz stoppen, weil ein Wolf hier rumläuft.“ Da habe er gedacht: „Na klar, die wollen den neuen OB aufs Korn nehmen.“

Ob die traurige, kamellefreie Fußgängerzone auch im nächsten Jahr bleibt, darüber soll in den nächsten Wochen bei der großen Nachbesprechung mit der Stadt verhandelt werden. Ganz klar ist aber: Der verkürzte Zugweg wird bleiben. „Wir werden die Schleife nicht mehr laufen, das können wir nicht absperren“, sagt Beljan.

Alle Preisträger bei der Verleihung im Herkenrath Hof

Alle Preisträger bei der Verleihung im Herkenrath Hof

Denn die Absperrungen waren der größte Faktor, der dazu beigetragen hat, „dass der Zug fast nicht stattgefunden hätte“, betont Lilo Schmitz noch einmal. Nur weil die Stadt eingesprungen sei und alle nötigen Straßensperren aus ihrer Kraft besetzt habe, habe der Zug laufen können. „Ansonsten hätte der Vorstand mit seinem privaten Vermögen haften müssen.“ Das hätten sie verständlicherweise abgelehnt.

Horrende Kosten für Absperrungen

Die Vermutung, dass die Stadt Schlebusch mit höheren Auflagen belegt als die anderen Züge, weist Hebbel vehement zurück. Im Gegenteil habe die Stadt hier mit den Absperrungen viel mehr geholfen. In Opladen wurden diese von einem privaten Sicherheitsdienst durchgeführt und vom FLK entsprechend bezahlt. „Das hat rund 3500 Euro gekostet“, sagt Beljan. Und in Opladen sind acht Absperrungen zu besetzen. In Schlebusch seien es 24 bis 26, das kann die KG als Veranstalter niemals bezahlen. Hebbel kündigt an, dass die Stadt zertifizierte Absperranlagen kaufen will. Aber das müsse über eine europaweite Ausschreibung geschehen und könne entsprechend lange dauern.

Mann mit Schild

Udo Totzke präsentiert das neue Motto: Vom Wolf inspiriert.

Die Kosten bleiben die größte Sorge der Schlebuscher Karnevalisten. Rund 50.000 Euro brauche der Verein mittlerweile für den Zug, eigentlich nicht mehr zu stemmen. Ob man nicht die Teilnehmergebühr erhöhen könne, will ein Gast wissen. „Ich will nicht die noch weiter ausziehen, die ihr Geld ohnehin schon vom Wagen schmeißen“, entgegnet Udo Totzke energisch. Stattdessen will die KG gemeinsam mit den Zugteilnehmern entschlossen daran arbeiten, den Zugbesuchern klarzumachen, dass sie sich an der Finanzierung beteiligen müssen, damit die Kamelle weiter fliegen.

„40 bis 50.000 Menschen stehen am Zugrand, wenn jeder einen Euro gibt, haben wir keine Probleme mehr. Aber es kann nicht sein, dass wenige Vereinsmitglieder das ganze Geld organisieren müssen, damit alle einen tollen Nachmittag haben und mit vollen Tüten nach Hause gehen.“ Gemeinsam mit der Werbe- und Fördergemeinschaft arbeiten die Karnevalisten an einem Spendensystem mit „Gemeinschaftsgefühl“.

Ob der Zug im kommenden Jahr geht, sei noch keinesfalls gesichert. Klar ist aber seit Dienstagabend, unter welchem Motto die Schlebuscher Karnevalisten in die besondere Session 2026/27 gehen, in der sie auch den Prinzen stellen werden: „Schliebesch tierisch jeck“. Der Wolf hat dem Schlebuscher Karnevalszug 2026 nur einen kurzen Besuch abgestattet, aber nachhaltige Spuren hinterlassen. Im kommenden Jahr sind also größere Rudel am Wegesrand zu erwarten.


Zugprämierungen

Ausgezeichnet für ihre kreativen Wagen und Kostüme wurden: Jecke Schützen (OB-Pokal), KG Klinikum (Wagen und Fußgruppe), KG Bullenwiese (Fußgruppe und Zugleiterpokal), Niesen und Partyjecken (Wagen). Der große Kamellepokal geht an die GGS und Kita Morsbroicher Straße, die erstmals gemeinsam am Zug teilnahmen.

Den Schulpreis teilt die KG mittlerweile nach Teilnehmerzahl auf. Auch hier bekommt die GGS Morsbroicher Straße für ihre 123 Teilnehmenden das höchste Preisgeld (544,44 Euro), knapp gefolgt von der Waldschule mit 121 Teilnehmenden (533,33 Euro) und der Gezelinschule (102/444 Euro).

Weitere gestiftete Geldpreise gingen an die erstmals teilnehmende Stiftung „Die gute Hand“, die Gruppen Europäische Integration, Ökumene and Friends, Jecke Spitzbuben, Schlebusch und Salzburg alaaf, Bullenwiese und die Albertusfunken.