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Landgericht KölnProzess zeigt schlechte Gesellschaft der Leverkusener Großfamilie

3 min
Landgericht Köln

Das Landgericht in Köln

Der Prozess zeigt, wie kriminelle Großfamilien offenbar über Grenzen hinweg zusammenarbeiten.

Der Enkeltrick ist eines der Verbrechen, bei denen Täter ganz besonders absahnen können. Also ist es vielleicht kein Zufall, dass Mitglieder der stadtbekannten Leverkusener Großfamilie offenbar mit Mitgliedern einer polnischen Roma-Familie kooperieren, deren Oberhaupt Arkadiusz „Hoss“ Lakatosz als der Erfinder dieser niederträchtigen Betrugsmasche gilt. Der Enkeltrick in seiner heutigen Form soll erst um den Jahrtausendwechsel „entwickelt“ worden sein, im Archiv des „Kölner Stadt-Anzeiger“ tauchen Meldungen ab dem Jahr 2001 auf. Der „Erfinder“ hat es mit seiner zweifelhaften Urheberschaft sogar in die Online-Enzyklopädie Wikipedia geschafft.

Es dürfte besonders für Ermittler interessant sein, dass im derzeit laufenden Verfahren gegen die Brüder Giuliano und Christopher Goman eine Person mit dem Nachnamen, den auch der mutmaßliche Erfinder trägt, eine wichtige Rolle inne hat. Im Leverkusener Fall wird der Mann stets als „Logistiker“ benannt, eigentlich aber ist er ein Manager in der Betrugs-Organisation: Sobald die Anrufer, genannt „Keiler“, ihre Opfer am Telefon so weit gebracht hatten, dass sie bereit waren, Geld zu übergeben, erfuhr das der Logistiker aus der Zentrale, die vermutlich in Polen ihr kriminelles Callcenter betreibt. Der „Logistiker“ informierte die Goman-Brüder, die die Abholung von Bargeld oder Schmuck bei den meist älteren Opfern organisiert hatten, und versorgte sie mit der Adresse.

Leverkusen: Der Logistiker ist eine zentrale Person

Nach der Abholung trafen sich die Brüder und der Logistiker in Leverkusen, wo die Beute zuerst komplett an den Mittelsmann übergeben wurde. Der Logistiker übernahm auch die Aufteilung: In der Regel sollen Abholer 40 Prozent der Beute bekommen – also in diesem Fall für die Goman-Brüder und die von ihnen fürs Abholen angeheuerten Kleinkriminellen. Ob aber die Aufteilung diesmal auch tatsächlich nach der 60-40-Regel funktionierte, darüber wurde im Gericht gestritten. Denn danach berechnet sich offenbar später, welche Summe die Brüder an die Opfer zurückzahlen müssen.

Den „Logistiker“ wollen die Gomans auf einer Familienparty kennengelernt haben. Ausweislich des Archivs des „Kölner Stadt-Anzeiger“ war der Mann in jungen Jahren als Boxer aktiv – genauso wie Christopher Goman.

Der Logistiker hat eine zentrale Rolle gespielt. Ob er inhaftiert ist oder flüchtig, dazu lassen sich weder Richter Necmettin Gül noch der Staatsanwalt Informationen entlocken. Er ist auch nicht als Zeuge im bald zu Ende gehenden Verfahren aufgetreten, über seinen Verbleib wird nicht geredet. Die Goman-Brüder haben in ihren Teilgeständnissen jedenfalls mehr als genug Fakten geliefert, dass er in Haft kommen müsste, falls man ihn zu fassen bekommt.

Die Brüder und zwei Abholer, Kleinkriminelle, die die eigentliche Drecksarbeit geleistet haben, stehen vor Gericht und befinden sich in Untersuchungshaft.

Die Beweisführung gegen die Brüder fußt auch im Wesentlichen auf der Auswertung von Standortdaten der Handys und aus einem BMW X3, der Giuliano Goman gehörte – zumindest faktisch. Alle diese Daten werden ins Verfahren eingeführt und sie dienen dem Gericht als handfeste Beweise, die zeigen, wann und wo sich welche Personen in der Nähe der betrogenen Menschen aufgehalten hatten. Auch einige Bilder aus privaten Überwachungskameras an den Übergabeorten dienen als Beweismittel.

Am neunten Verhandlungstag sprach Richter Gül aber noch eine ganz andere Sache an: Die Ehefrau des als Amateurboxer in der Szene bekannten Christopher Goman hat ihren Nachnamen gewechselt. Sie heißt jetzt nicht mehr Goman, hat sich einen neuen Namen ausgedacht. Der Richter wollte wissen, weshalb, bekam aber vom Ehemann keine befriedigende Antwort.

Die Verhandlung wird fortgesetzt.