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Wegen BauproblemenLeverkusener Gymnasium muss Bibliothek für Klassenräume freimachen

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Die Baustelle am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium

Die Baustelle am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium ist offensichtlich noch weit von der Fertigstellung entfernt.

Für den zusätzlichen G9-Jahrgang im kommenden Sommer muss das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium die Stadtteilbibliothek deutlich verkleinern.

2017 hatte der NRW-Landtag beschlossen, wieder zum Abitur nach 13 Schuljahren zurückzukehren. In diesem Sommer hat der letzte G8-Jahrgang Abitur gemacht, im laufenden Schuljahr wird es keinen regulären Abiturjahrgang geben. Und im August werden erstmals wieder neun Jahrgänge an den Leverkusener Gymnasien zugegen sein. 

Schon bei dem Beschluss war klar: G9 braucht mehr Platz. Nicht nur, weil ein Jahrgang mehr an den Schulen ist, das war vor G8 ja auch schon so. Zusätzlich haben sich aber pädagogische Ansprüche verändert, es sind Räume für differenzierten Unterricht, Fachräume und Schulsozialarbeit entstanden. Deswegen wurden für alle Leverkusener Gymnasium, auch mithilfe von Landesmitteln, Sanierungs- und Ausbauprojekte geplant. 

Anbau 2018 beschlossen

Am Lise-Meitner-Gymnasium in Wiesdorf und am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Schlebusch wurden 2018 Anbauten beschlossen, die jeweils die Unterstufe beherbergen sollen. Am Wiesdorfer Gymnasium wurde der Anbau zum Schuljahresbeginn 2025 eröffnet, ein Jahr bevor der G9-Vollbetrieb startet. Der Auftrag wurde von der Stadt an einen ausführenden Generalunternehmer vergeben, der Bau wurde im vorgegebenen Zeit- und Kostenrahmen fertig.

Das war auch in Schlebusch der Plan. Vor Ort sieht es aber ganz anders aus: Der Rohbau im Erdgeschoss steht einigermaßen, das erste Stockwerk ist aber nur in ganz groben Zügen zu erkennen und offensichtlich von einer Inbetriebnahme noch sehr weit entfernt.

Stadtteilbibliothek wird eingedampft

Im Bildungsausschuss verkündete Schuldezernent Marc Adomat nun: Der Anbau wird auch zum kommenden Schuljahr nicht fertig. Das stellt die Schule vor massive Platzprobleme, voraussichtlich fünf neue Eingangklassen müssen untergebracht werden. „Die Schule hat sich dafür ausgesprochen, für die Übergangszeit bestehende Räume umzubauen, anstatt Container aufzustellen“, sagt Adomat. Das freut ihn in seiner Funktion als Kämmerer, den Container sind teuer – und einen Stellplatz in direkter Nähe zur Schule hätte es wohl auch nicht gegeben. 

Die Baustelle befindet sich direkt hinter der Bibliothek,

Die Baustelle befindet sich direkt hinter der Bibliothek, in der nun Räume frei gemacht werden sollen.

Genutzt werden sollen vor allem die Räume der Stadtteilbücherei, die schon einmal Klassenräume waren. Dafür müssten Bücher eingelagert und das Sortiment auf ein Minimum reduziert werden, sagt Caroline Maus, Leiterin des Fachbereichs Schulen. Die Stadtverwaltung versichert aber: „In der Übergangszeit wird die Stadtteilbücherei mit entsprechenden Einschränkungen für Schülerinnen und Schüler und die Öffentlichkeit nutzbar sein.“ Dennoch besteht die verständliche Sorge, dass die aus Spargründen ohnehin in der Diskussion stehende Schließung der Stadtteilbibliothek Vorschub geleistet wird, wenn erst einmal bestehende Strukturen eingestampft werden. 

Diese teilt die Schulpflegschaftsvorsitzende Silke Ratte nicht unbedingt. „Das einzig positive an dieser Sache ist, dass die Möglichkeit gefunden wurde, alle Kinder im Bestandsgebäude unterzubringen und wir keine Container brauchen“, sagt die Elternvertreterin. Dennoch sei sie natürlich sehr unglücklich über die Verzögerungen und stellt das Vorgehen infrage: „Es kann nicht sein, dass das Vergaberecht Schulbauten in dieser Art und Weise verzögert.“

Generalunternehmer bauen viel schneller

Denn tatsächlich liegt der Unterschied in den beiden Anbauten an zwei Leverkusener Gymnasien in der Art der Vergabe. Der sogar um ein Stockwerk größere Bau am Lise-Meitner-Gymnasium wurde von der Stadt an einen Generalunternehmer vergeben. Auch hier gingen nach eigenen Angaben zwischenzeitlich zwei beauftragte Firmen in die Insolvenz – der Generalunternehmer kann aber einfach neue beauftragen. Die Stadt hingegen muss Aufträge ausschreiben, größere sogar europaweit, und dabei bestimmte Fristen einhalten. 

So auch in Schlebusch: „Der Nachunternehmer der beauftragten Rohbaufirma hat die Baustelle verlassen und bereits im Vorfeld nur mit reduzierter Mannstärke gearbeitet“, erklärt die Stadtverwaltung die Problemlage auf Anfrage. Das sei wohl geschehen, weil er von seinem Auftraggeber, der von der Stadt beauftragten Rohbaufirma, „nicht vollumfänglich bezahlt“ wurde.

Nun muss die Stadt eine neue Firma mit dem Rohbau beauftragen. Aktuell sei der Bau deswegen sieben Monate im Rückstand, schreibt die Stadt, es werde mit einer Verzögerung von maximal zwölf Monaten und einer Eröffnung spätestens zum Schuljahresbeginn 2026/27 gerechnet. 

Auch wenn der Zeitrahm damit deutlich gerissen und die Schule in Platznot gebracht wird, sei der Kostenrahmen bislang nicht gefährdet, schätzt die Stadtverwaltung. Noch liege der Bau deutlich unterhalb der genehmigten Kosten, Verzögerungskosten könnten noch entstehen, dennoch geht der Fachbereich Gebäudewirtschaft davon aus, dass die genehmigten Baukosten für das Gesamtprojekt eingehalten werden können. Gegen den säumigen Rohbauer seien Gegenforderungen gestellt und Zahlungen einbehalten worden.