Abo

KooperationsprojektLeverkusen wappnet sich für mögliche Überflutungen

3 min
Hochwasser in Opladen im Sommer 2021: Die Stadt Leverkusen und andere Kommunen und Kreise implementieren ein neues System, um vor Überflutungen zu warnen.

Hochwasser in Opladen im Sommer 2021: Die Stadt Leverkusen und andere Kommunen und Kreise implementieren ein neues System, um vor Überflutungen zu warnen.

Die Stadt arbeitet für das Projekt „KiRa-Berg“ mit anderen Kommunen und Kreisen zusammen.

Die Stadt Leverkusen will in Zukunft besser auf potenzielle Überflutungen vorbereitet sein. Seit Januar 2023 arbeitet man dafür mit dem Ennepe-Ruhr-Kreis, dem Oberbergischen Kreis, dem Rhein-Sieg-Kreis, dem Rheinisch-Bergischen Kreis, den Städten Remscheid, Solingen und Wuppertal sowie mit den Wasserverbänden Agger- und Wupperverband in der „Kooperation Überflutungsvorsorge an Agger und Wupper“ (ÜVAW) zusammen. Die Beteiligten, federführend der Oberbergische Kreis, wollen jetzt das Projekt „KiRa-Berg“ zur Förderung im Rahmen der Regionale 2025 Bergisches Land einreichen.

Unter dem Namen „KiRa-Berg“ verbergen sich laut Mitteilung der ÜVAW mehrere Teilprojekte. Das technische Kernstück dabei seien zwei X-Band-Radargeräte. Diese Geräte seien in der Lage, „auch in niedrigerer Höhe und mit deutlich häufigeren Messungen hochaufgelöste Radardaten für Niederschlagsvorhersagemodelle zur Verfügung zu stellen“.

Ergänzung des DWD-Systems

Die X-Band-Radardaten seien hochauflösend und verbunden mit einem KI-Modell. Dieses Modell könne Hochwasserberechnungen aus Niederschlägen und aus bestehendem Flusshochwasser kombinieren. Es gebe ein Echtzeit-Entscheidungsmodul, das sekundenschnelle Simulationen hervorbringen könne, sodass die Expertinnen und Experten in Sekundenschnelle Schutzmaßnahmen bewerten könnten.

Bislang gibt es im Bergischen Land ein Radarsystem des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Dieses C-Band-Radarsystem decke zwar das ganze Bundesgebiet ab und könne für größere Teilgebiete zuverlässige Warn- und Vorhersagedaten liefern. „In Gebieten wie dem Bergischen Land kommt das C-Band-Radarsystem des DWD aber an technische Grenzen“, so die Kommunen, Kreise und Verbände.

„KiRa-Berg“ habe bereits den A-Status der Regionale 2025 bekommen und sei von einem Begutachtungsausschuss auch schon zur Förderung empfohlen worden. Der nächste Schritt ist jetzt das Einreichen des Förderantrags bei der Bezirksregierung. Das Projekt soll von Juli 2026 bis Dezember 2028 laufen und insgesamt rund 1,83 Millionen Euro kosten.

Die Folgen des Klimawandels machen sich im Bergischen Land besonders stark bemerkbar, denn es weist ein erhöhtes Risiko für Überflutungsereignisse auf.
ÜVAW-Behörden

Beteiligt daran sind auch eine Arbeitsgruppe für Radarpolarimetrie der Universität Bonn und das Institut für Rettungsingenieurwesen und Gefahrenabwehr (IRG) der Technischen Hochschule (TH) Köln. Die Bonner Wissenschaftler sind dafür zuständig, die neuen X-Band-Radardaten so aufzubereiten, dass sie ins Warnsystem des DWD für kurzfristige Vorhersagen integriert werden können, „und damit als rechtliche Basis für Warnungen des Katastrophenschutzes dienen können“.

Das Kölner IRG soll die Entwicklung der geplanten digitalen Informationsplattform begleiten, „um einen Echtzeitinformationsfluss im Einsatzfall sowohl für die Bevölkerung als auch für den Katastrophenschutz sicherzustellen“. So könnten die Daten auch für den akuten Bevölkerungsschutz angewendet werden.

Das Bergische Land gehöre zu den Gebieten mit den höchsten durchschnittlichen Jahresniederschlägen in Deutschland und ist Quellgebiet vieler Flüsse und Gewässer, begründen die Beteiligten ihre Bemühungen: „Die Folgen des Klimawandels machen sich im Bergischen Land besonders stark bemerkbar, denn es weist ein erhöhtes Risiko für Überflutungsereignisse auf.“ Das liege an der besonderen Topografie mit steilem Gelände und Tälern, die, weil sie dicht besiedelt seien, besonders anfällig für Überschwemmungen und Starkregen seien. Besonders die Flutkatastrophe 2021 habe das „eindrücklich gezeigt“.


Was ist die ÜVAW?

Das Kooperationsgebiet der beteiligten Kreise, Städte und Verbände umfasse die Areale, die zum Agger- und zum Wupperverband gehören. Durch den Zusammenschluss soll die Bevölkerung besser informiert und unter den Behörden besser zusammengearbeitet werden. „Darüber hinaus ist geplant, mit einem innovativen Projekt in akuten Einsatzlagen die Vorwarnzeit zu erhöhen und damit die Einsatzfähigkeit des Bevölkerungsschutzes erheblich zu verbessern.“ (nip)