Für die Nachmittagsbetreuung von Schulkindern außerhalb der Offenen Ganztagsschulen gibt es keine Zuschüsse von der Stadt.
KinderbetreuungRheinpiraten sind letzter Hort in Leverkusen – Schließung droht

Leiterin Katharina Bode und Susann Kruse, Mitglied im Vereinsvorstand, sorgen sich um die Zukunft des Horts bei den Rheinpiraten.
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16 Kinder gehen jeden Tag nach Schulende an den Hitdorfer Grundschulen zu den Rheinpiraten. Es ist einer der letzten Horte in Leverkusen, in dem Schulkinder am Nachmittag außerhalb der Offenen Ganztagsschule betreut werden. Die Elterninitiative betreibt außerdem eine Kita – damit sind die Räume in der ehemaligen Hitdorfer Zündholzfabrik einer der wenigen Orte, an denen Kinder im Alter von ein bis zehn Jahren betreut werden.
„Für uns ist das ein ganz tolles Konzept“, sagt Einrichtungsleiterin Katharina Bode. Den Kindern werde damit der Übergang von der Kita an die Schule erleichtert. „In einer Phase, in der sich für die Kinder ganz viel verändert, ist dieser Ort für viele ein Stück weit Familie, ein sicherer Hafen.“ Nach einem gemeinsamen Mittagessen finden Hausaufgabenbetreuung und verschiedene Projekte von regelmäßigen Theaterproben bis zu Naturerlebnistagen statt. „Auch für die pädagogische Arbeit und die Arbeit im Verein ist es toll, die Kinder länger hier zu haben. Einige Familien sind zehn Jahre lang bei uns“, sagt Bode.
In einer Phase, in der sich für die Kinder ganz viel verändert, ist dieser Ort für viele ein Stück weit Familie
Die Rheinpiraten wurden 1997 als Kindertagesstätte gegründet, im Jahr 2000 folgte der Hortbetrieb. Für den Kitabereich bekommt der Verein von der Stadt die über das Kinderbildungsgesetz festgelegten Pauschalen. Der Hort allerdings wird nicht von der Stadt getragen, sondern alleine über den Verein und die Elternbeiträge finanziert. Das wird nun zum Problem. „Wir kommen an unser finanzielles Limit“, sagt Susann Kruse vom Vereinsvorstand. Die Kosten für Miete, Strom und Personal sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen.
Bei einem Elternabend wurde deutlich: Die Elternbeiträge weiter anzuheben, ist auch keine Option. Diese orientieren sich an den städtischen OGS-Gebühren, allerdings ohne Staffelung nach Einkommen und ohne die Geschwisterregelung, nach der in städtischen Einrichtungen immer nur für ein Kind pro Familie gezahlt werden muss. „Damit kommen einige Familien schon an ihre Grenzen“, sagt Bode. Weiter belasten könne man die Eltern nicht.
Stadt will keine Finanzhilfe geben
Deswegen hat der Verein die Stadt um Hilfe gebeten, schließlich bieten die Rheinpiraten die gleiche Leistung an wie von der Stadt finanziell unterstützter OGS-Betrieb. Die Antwort des Fachbereichs Schulen fiel knapp aus: Man sehe die Nachmittagsbetreuung an den Schulen, eine finanzielle Unterstützung außerhalb des Systems sei nicht möglich. Der Verein könne sich noch an den Fachbereich Kinder und Jugend wenden, vielleicht gebe es dort eine Möglichkeit. „Das haben wir versucht, erreichen allerdings seit Monaten niemanden“, sagt Kruse.
Auf Nachfrage erklärt die Stadtverwaltung, dass sie an privaten Kinderhorten nur im Rahmen der erteilten Betriebserlaubnis beteiligt ist. In diesem Zusammenhang sei der Stadt nur eine Schulkindbetreuung in privater Trägerschaft bekannt. Damit sind die Rheinpiraten wohl die Letzten, die diese Betreuungsform anbieten. Das liege daran, dass Hortgruppen und Schulkindbetreuung seit den 2000er-Jahren schrittweise aus der Kita-Landschaft in die Grundschulen (OGS) verlagert wurden, erläutert die Stadtverwaltung. Das sei im Zuge des Investitionsprogramms „Zukunft Bildung und Betreuung“ geschehen. Dafür zahlt das Land NRW eine jährliche Pauschale je OGS-Platz – das gilt nicht für private Betreuung. Bei einem Zuschuss der Stadt hierfür würde es sich um eine freiwillige Leistung handeln – die bekanntlich im Zuge der Haushaltssicherung derzeit nicht möglich ist.
Öffnungszeiten verkürzt
Als erste Maßnahme haben die Rheinpiraten in Absprache mit den Eltern nun verkürzte Betreuungszeiten beschlossen. Ab August schließt der Hort bereits um 16 Uhr, bislang können Kinder bis 17 Uhr bleiben. „Das bringt schon eine Ersparnis, wird auf Dauer aber wohl nicht reichen“, fürchtet Bode. Noch habe der Verein Rücklagen, die aber auch nötig seien, um die Gehälter der Angestellten zu sichern, sollten sich kurzfristige Änderungen in der Kitafinanzierung ergeben. Ohne eine langfristige, stabile Finanzierung drohe dem Hort die Schließung.
Unter anderem für die Familie Bellgardt wäre das „eine Katastrophe“, sagt Mutter Jana, deren beide Töchter aktuell Kita und Hort besuchen. „Die Rheinpiraten sind ein liebevoller Platz für Kinder, wir sind sehr froh, dass wir dort gelandet sind.“

