„Schnauze voll“So wollen die Leverkusener gegen die A1-Raststätte protestieren

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Peter Westmeier rief im vollen Pfarrsaal in Lützenkirchen zum organisierten Protest gegen die Raststättenpläne auf.

Peter Westmeier rief im vollen Pfarrsaal in Lützenkirchen zum organisierten Protest gegen die Raststättenpläne auf.

Leverkusen  – Wieder ist es der Pfarrsaal Sankt Maurinus in Lützenkirchen und wieder ist er mit rund 250 Besuchern knüppelvoll. Und wieder ruft Peter Westmeier dazu auf, ein eindrucksvolles Bild der Geschlossenheit abzugeben und von Leverkusen aus ein Signal an die Bundesregierung zu senden, das in Berlin nicht mehr überhört werden kann.

Tausende sollen demonstrieren

Ja, es geht wieder um den Bau einer Raststätte an der A1 auf Leverkusener Stadtgebiet. Nur: Jetzt sind die Baupläne des Bundesunternehmens Deges ganz konkret geworden, zwei Rastplätze mit Toilettenanlagen für jeweils 50 Lkw und 20 Pkw bei Steinbüchel in Richtung Dortmund und bei Burscheid-Dürscheid in Fahrtrichtung Köln zu bauen. Und wieder soll es, wie im Sommer vor zwei Jahren, eine Menschenkette Protestierender dagegen geben. Nur diesmal weit länger.

Sechs Kilometer lang

Vom Fester Weg an der A1 in Steinbüchel am Bürgerbusch entlang nach Alkenrath und über die Gustav-Heinemann-Straße bis zur Syltstraße an der A 3 in Manfort soll die Menschenkette am 8. September reichen. Zum Abschluss ist eine Kundgebung an Schloss Morsbroich geplant. Ob es ein Straßenfest auf der gesperrten Gustav-Heinemann-Straße geben wird, ist noch offen. (ger)

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Zwei Kilometer waren es vor zwei Jahren, mit damals 2000 Teilnehmern. Knapp sechs Kilometer weit soll die Reihe Demonstrierender diesmal, am Sonntag, 8. September, von der A1 am Fester Weg bis zur A 3 an der Syltstraße reichen und die Forderung nach einer „gerechten Verteilung der Verkehrslasten“ erheben.

Nein-Buttons wurden am Rande der Versammlung verteilt.

Nein-Buttons wurden am Rande der Versammlung verteilt.

Denn Leverkusen trägt schon genug, ja zu viel: Drei Autobahnen mitten durchs Stadtgebiet, die A1 und A3 gehören zu den meistbefahrenen Autobahnabschnitten Deutschlands und werden weiter ausgebaut, dazu drei Bahntrassen, die Schifffahrt auf dem Rhein, die Einflugschneise des Flughafens Köln/Bonn. „Schluss jetzt! Leverkusen hat die Schnauze voll!“, ruft Westmeier in den Pfarrsaal und erhält viel Beifall.

Reichlich Platz in Köln-Niehl

Dass Lkw-Stellplätze an der Autobahn fehlten, sei unbezweifelbar. Aber warum in Leverkusen, im Landschaftsschutzgebiet? Eine achtmal so große Gewerbebrache an der Autobahn in Köln-Niehl werde hingegen gar nicht erst in Betracht gezogen, weil die Millionenstadt einfach „Nö“ sage und sich ein paar Reserveflächen für ihre Planungen offenhalten will. Dabei könnte dort viel schneller gebaut werden.

Ein Umstand, den auch Oberbürgermeister Uwe Richrath in der Bürgerversammlung im Pfarrsaal erneut als unsolidarisch kritisiert. „Diese Planung werden wir nicht hinnehmen, da stehen wir alle zusammen. Die Grenze der Belastbarkeit ist für Leverkusen erreicht. Wir werden alle Mittel des Rechtsstaates gegen diese Planung ausschöpfen!“ Kräftiger Applaus.

Die Fraktionsvorsitzenden von CDU und Grünen im Stadtrat, Stefan Hebbel und Roswitha Arnold, versprechen Westmeier Unterstützung bei der Organisation des Protestes, Besucher aus Burscheid ebenso.

Vor zwei Jahren kamen 2000 Teilnehmer zur Menschenkette, darunter auch OB Uwe Richrath (Mitte).

Vor zwei Jahren kamen 2000 Teilnehmer zur Menschenkette, darunter auch OB Uwe Richrath (Mitte).

Dass Westmeiers Initiative „Lev kontra Raststätte“, die 2012 schon erfolgreich eine noch größere Tank- und Rastanlage im Bürgerbusch verhindert hat, nicht alleinsteht, unterstrich neben den Politikern auch Friedrich Jonas.

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Der Sprecher der Interessengemeinschaft Schleswig-Holstein-Siedlung, bezieht den Protest auch auf den geplante Ausbau der Autobahn 3, für die der Leverkusener Rat einen Durchgangstunnel fordert. „Wir müssen unsere Kräfte jetzt bündeln und endlich mit einer Stimme sprechen. Ein Ruck muss durch die Stadt gehen!“ Leverkusen dürfe nicht vollends dem Autobahnbau geopfert werden.

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