Mehrere Projektfirmen des Opladener Unternehmens sind in Schieflage geraten.
Cube OpladenWichtigem Bahnstadt-Partner geht das Geld aus

Zukunftsvisionen vor dem Aus? Das „Werk 3“, eine alte, noch fast originale Halle des Ausbesserungswerks, gehört zur „Cube Factory 577“.
Copyright: Ralf Krieger
Die Schieflage bei Projektfirmen der Cube Real Estate, dem Projektentwickler der Neuen Bahnstadt Opladen, ist sehr viel dramatischer als bisher bekannt. Insolvenzen mehrerer Cube-Tochtergesellschaften dürften erhebliche Auswirkungen auf den Leverkusener Stadtteil haben.
Die werden sich allerdings wohl erst später zeigen, erst einmal geschieht nichts: Nach Informationen, die der Insolvenzanwalt Jens Schmidt der Redaktion am Telefon mitteilte, sei ein Insolvenzantrag für die Cube-Gesellschaft zu erwarten, die das sogenannte Bahnhofsquartier bebauen wollte.
Dieses Grundstück an prominenter Stelle zwischen Bahnhof und Opladener Innenstadt gilt städtebaulich als besonders wichtiges Bauprojekt. Es liegt brach. Übernommen hatte Cube das Grundstück und Bauprojekt 2021, um darauf zu bauen und es zu „entwickeln“, wie man das in der Branche nennt.
Alles zum Thema Opladen
- Cube Opladen Wichtigem Bahnstadt-Partner geht das Geld aus
- Spende Was Quarkbällchen der Musikschule in Burscheid bringen
- Parteitag FDP will in Leverkusen drei Ortsgruppen gründen
- Friedhöfe in Leverkusen Sternenkinder haben am Holzer Weg in Quettingen ihren Platz
- Sport als Werbung TSV Bayer 04 versucht, Kinder für Olympia zu begeistern
- Bahnstadt Leverkusen Eine zweite Projektfirma von Cube in Opladen ist insolvent
- Jury-Mitglieder Leverkusener Kinomacherinnen auf Berlinale im Einsatz

Das Bahnhofsquartier-Grundstück in der Bahnstadt Opladen
Copyright: Ralf Krieger
Bahnhofsquartier sollte 2027 fertig sein
Bei der Übernahme feierte man Cube, weil die Opladener bis dahin in der Bahnstadt als Projektentwickler augenscheinlich gute Arbeit geleistet hatten. Nach dem Kauf der Fläche hatte Cube die Fertigstellung für 2027 verkündet. Ob und wann das einst als Stadttor bezeichnete Projekt jemals gebaut wird? Das ist ungewiss. Eine Bebauung des dreieckigen Opladener Matschgrundstücks an Fahrradparkhaus und Kreisverkehr könnte sich für Jahre verschieben.

Der Briefkasten der Tochtergesellschaften der Cube Real Estate, insgesamt sind 35 Firmen mit dem Namensteil „Cube“ in Leverkusen angemeldet.
Copyright: Ralf Krieger
Auch bei der Projektgesellschaft „Cube Asset IV UG &Co.KG“, zuständig für das eigentlich zentrale Cube-Bau-Areal in der Bahnstadt, fehlt es wohl an flüssigem Geld. Zur „Cube Factory 577“ gehören vermietete Wohnungen und eine alte, noch fast originale Halle des Ausbesserungswerks, die als „Werk 3“ bezeichnet wird. Diese Immobilien soll oder will Cube verkaufen, sagte der als vorläufiger Sachwalter bestellte Anwalt Jens Schmidt, der sich auch um dieses Insolvenzverfahren kümmert. Diese Cube-Tochtergesellschaft befinde sich in einer Insolvenz in Eigenverantwortung. Der gesamte Komplex solle demnächst verkauft werden, sagt Schmidt, „aber mit ruhiger Hand“.

Cube Real Estate sitzt in dem Gebäude rechts.
Copyright: Ralf Krieger
Bereits bekannt war, dass eines der großen Bauprojekte in Düsseldorf, „Cube Central 378“, an der Erkrather Straße ins Straucheln geraten war. Dessen Projektgesellschaft „Cube Asset X GmbH“ hatte im Januar Insolvenz angemeldet. Am Donnerstag, 26. Februar, veröffentlichte das Amtsgericht dann, dass mit „Cube Asset XIV GmbH“ eine weitere Tochtergesellschaft zahlungsunfähig ist. Die war unter anderem in Bonn beim großen Innenstadt-Projekt „Bonner Flagge“ auf dem 15.000 Quadratmeter großen Grundstück der Bonner Fahnenfabrik involviert, für dessen Entwicklung große Pläne bestehen; 2028 sollte das Viertel eigentlich stehen.

Ehemaliges Cube-Projekt an der Kasernenstraße in Köln-Kalk, die sogenannten Irishöfe.
Copyright: Ralf Krieger
Insolvenzverwalter Schmidt konnte sich nicht dazu äußern, ob bei weiteren Firmen des Cube-Geflechts Insolvenzen anstehen. „Das ist für mich schwierig zu beurteilen“, er selbst sei nur in wenigen Gesellschaften involviert. Es scheinen neben den offiziell bekannten aber noch andere Cube-Unterfirmen in Schwierigkeiten zu stecken.
Hohe Rechnungen noch offen
Denn der langjährige Geschäftsführer des Leverkusener Familienunternehmens Weitz Kanalbau, Claus Müller, rechnet vor, dass seine Firma aus Manfort mit vier Gesellschaften aus dem Cube-Geflecht seit Langem hohe Rechnungen offen hat. Auch mit drei Cube-Gesellschaften, die im Zusammenhang mit Insolvenzen noch nicht auffällig geworden sind.
Die „Cube Management III GmbH“ und „Cube Asset XII GmbH“, schulden laut Müller den Manfortern seit August 2024 fast 75.000 Euro. Von der „Cube Asset II“ bekommt er über 8000 Euro, die Rechnung haben die Kanalbauer im März 2025 gestellt. Für Arbeiten auf der Düsseldorfer Baustelle der „Cube Asset X“ blieben fast 66.000 Euro an Rechnungen offen. Vorherige Rechnungen seien noch bezahlt worden. Claus Müller ist mehr als sauer, denn solche Summen täten auch gesunden Unternehmen weh, sagt er. Die Firma wird inzwischen von seinem Sohn Dirk geleitet.
Müller: „Wir wurden immer vertröstet. Cube schreibt auf der Homepage, wie ehrlich, wertschätzend und verantwortungsbewusst sie sein wollen, davon haben wir in den letzten zwölf Monaten nichts gemerkt.“ Er sagt, das Geschäftsmodell sei sehr bedenklich: Wenn eine der vielen Tochtergesellschaften defizitär würde, übernehme die Mutter Cube Real Estate AG keine Verantwortung. Diese Töchter lasse man fallen und schicke sie in die Insolvenz. „Mir scheint, da bricht ein Kartenhaus zusammen.“
In Leverkusen sind 35 Firmen mit dem Namensteil „Cube“ angemeldet, in allen jetzt insolventen Firmen gibt es Überschneidungen mit ehemals oder aktuell handelnden Personen. Versuche dieser Zeitung, auf der Zentralnummer bei Cube in der Werkstättenstraße anzurufen, waren nicht erfolgreich. Dort geht niemand ans Telefon.

