Die „Levocals“ üben selten, aber mit Anspruch. Am Sonntag stehen sie mit drei anderen Chören auf der Bühne.
Neuer Chor „Levocals“ üben per Audiodatei über weite Distanzen

Das Repertoire der „Levocals“ reicht von Klassik bis Pop und Jazz. Die Herausforderung liegt im Wechsel.
Copyright: Viktoria Langenhuizen
Stimmen füllen den Pfarrsaal von Sankt Michael in Leverkusen-Opladen, brechen ab, setzen neu an. Für lange Einstiege bleibt keine Zeit. „Uns fehlt noch eine Leichtigkeit“, sagt Chorleiter Rolf Schmitz-Malburg. „Das Tempo ist gut, aber ihr müsst mehr miteinander singen.“ Der Chor probt nur einmal im Monat. Hier ist Feinarbeit gefordert.
Die „Levocals“ sind aus einem Projektchor des Sängerkreises Rhein-Wupper/Leverkusen entstanden. Christiane Borchard, die auch heute im Chor singt, ist dort Vorsitzende. Das Projekt damals: „Wort trifft Musik“. Texte und Musik wurden kombiniert. „Wir haben bei dem Projekt Liebesbriefe von bekannten Persönlichkeiten immer einem Lied gegenübergestellt. Dann haben wir Stücke, die von der Stimmung passend zu dem Brief waren, davor oder danach gesungen“, erklärt Rolf Schmitz-Malburg. Für die Zuschauer sei es reizvoll, auch mal etwas Ungewohntes zu hören.
Proben zwischen Präzision und Lockerung
Sich einmal im Monat zu treffen, funktioniert nur, wenn alle gut vorbereitet zur Probe erscheinen. Für zu Hause erhält jede und jeder eine Audiodatei, um die Songs zu üben. In der Probe geht es ins Detail: Aussprache, Dynamik, Zusammenspiel. „Wenn Unsicherheiten auftreten, sucht nicht die Lösung darin, lauter zu werden“, sagt Rolf Schmitz-Malburg. Zwischendurch gibt es kurze Lockerungsübungen, dann geht es weiter. Drei bis fünf Stücke werden pro Termin einstudiert. „Es ist wichtig, dass die Mitglieder alle bereit sind, sich einem neuen Klangideal hinzugeben. Auch nach vielen Jahren Singen sind alle noch offen und lassen sich auf neue Sachen ein“, das sei das Besondere an den „Levocals“.
Auch nach vielen Jahren Singen sind alle noch offen und lassen sich auf neue Sachen ein.
Die Sängerinnen und Sänger kommen nicht nur aus Leverkusen. Von Köln über Oberhausen bis Remagen und Brügge ist einiges dabei. Der Chorleiter pendelt zwischen Aachen und Ostfriesland. Viele haben jahrelange Gesangserfahrung, oft in verschiedenen Stilrichtungen. Sechs Bässe, fünf Tenöre, vierzehn Soprane, neun Altstimmen. „Mit einem Drittel Männerstimmen sind wir ganz gut aufgestellt“, betont Rolf Schmitz-Malburg. Männer und Altstimmen werden dennoch gesucht. Geprobt wird am dritten Mittwoch im Monat von 19.30 Uhr bis 22 Uhr.

„Ich singe gerne Pop, aber auch supergerne Klassik, ich mag Rhythmus, aber auch ruhige Sachen“, sagt Christiane Borchard.
Copyright: Viktoria Langenhuizen
Zwischen Klassik, Jazz und Pop
Das Repertoire reicht von Klassik bis Pop und Jazz. Die Herausforderung liegt im Wechsel: „Man benutzt für Klassik eine andere Technik als für Pop“, sagt Rolf Schmitz-Malburg. „Das Umschalten ist die größte Hürde.“ Viele im Chor bringen unterschiedliche Erfahrungen mit. „Manche haben mehr Klassik gemacht, manche sind mehr im Jazz“, sagt er. „Das ist eine bunte Mischung“, so der 67-Jährige.
Wie viel Arbeit dahintersteckt, wird oft unterschätzt. „Wenn man nicht selbst im Chor singt, denkt man vielleicht, dass es reicht, wenn alle Text und Melodie können“, sagt Inga Beißwänger. Die 46-Jährige singt oberer Sopran. „Aber wir arbeiten viel mehr: an Lautstärke, an Aussprache, an der Frage, wie wir zusammenklingen.“ Dass das funktioniert, liegt für sie auch an der Arbeitsweise: „Rolf schafft es, uns alle in unserer Unterschiedlichkeit mitzunehmen“, sagt die Leverkusenerin.
Chor bedeutet Gemeinschaft
Gerlinde Anders war vor ihrem ersten Auftritt ein wenig besorgt: „Ich hatte am Anfang Angst, auswendig und ohne Noten zu singen“, sagt sie. „Ich wollte fast nicht beim Konzert mitmachen.“ Sie hat es trotzdem geschafft. „Mit gutem Willen und Einsatz ging es.“ Heute sei das anders: „Ich finde es wunderbar, dass ich beim Singen auf die Stimmen anderer hören kann“, sagt die 63-Jährige. Und auch das gehört dazu: Vertrauen in die Gruppe.
„Chor ist Gemeinschaft“, betont auch Rolf Schmitz-Malburg. „Und Gemeinschaft ist hoffentlich eine gute Chemie.“ Christiane Borchard formuliert es noch direkter: „Die Stimmen passen einfach zusammen.“ Sie selbst singt seit Jahrzehnten im Chor. „Als ich meinen Mann kennengelernt habe, bin ich zum Chor gekommen“, sagt sie. „Das war 1996.“ Heute singen beide gemeinsam bei den Levocals. „Das ist uns wichtig, dass wir das zusammen machen.“ Insgesamt gibt es fünf Paare im Chor.
Nach dem Konzert ist vor dem Konzert
Neben den Proben läuft viel im Hintergrund. „Seit Anfang des Jahres sind wir ein Verein“, sagt Inga Beißwänger. „Da gibt es einiges zu tun.“ Vieles entsteht spontan. „Ob es darum geht, den Raum zu dekorieren oder etwas zu essen mitzubringen: Alle sind engagiert.“ „In der letzten Probe haben wir darüber geredet, eine Djembé, das ist eine westafrikanische Trommel, in einem Lied auszuprobieren, und heute hat jemand eine mitgebracht“, erzählt Gerlinde Anders.
Das nächste Konzert folgt im Mai. Danach beginnt ein neues Projekt – ein Programm zum Thema Freiheit. „Nach dem Konzert ist vor dem Konzert“, sagt Christiane Borchard.
Zwei Konzerte
Am Sonntag, am 19. April, stehen die „Levocals“ gemeinsam mit drei anderen Chören auf der Bühne. Um 17 Uhr findet in der Lutherkirche in Köln-Nippes das Konzert „Chorlonia & Friends“ statt. Vier Chöre – Levocals, Six Feet Over, 5 Grad und Chorlonia – gestalten gemeinsam einen A-cappella-Abend. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht. Mehr Informationen gibt es unter: www.lutherkirche-nippes.de.
Am Sonntag, 10. Mai, um 17 Uhr laden die Levocals zum Konzert „& Friends“ in die Friedenskirche Leverkusen-Schlebusch ein. Unter dem Motto „Ein Abend. Vier Chöre. Echte Vielfalt.“ treten Prima Vocalis, M. A.M.M., Chorlonia und Levocals auf. Der Eintritt kostet 15 Euro im Vorverkauf unter info@levocals.de, 20 Euro an der Abendkasse und 10 Euro ermäßigt.
