Trotz des Umbaus der Bielertkirche nach der Flutkatastrophe kamen am Samstag Menschen zusammen, um zu slammen.
Poetischer AbendBielertkirche in Opladen veranstaltet Baustellen-Slam

Die Poetinnen und Poeten beim „Baustellen-Slam“ mit Moderator John Lohrenz (rechts im Bild) und Paul Hector (dritter von links).
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Ein kühler, leerer Kirchenraum, graue Wände und eine hallige Atmosphäre: So fühlt sich die evangelische Bielertkirche in Opladen fünf Jahre nach der Flutkatastrophe an. Seit Jahren wird die Kirche aufgrund der Schäden durch die Wupperflut Mitte Juli 2021 saniert. Doch obwohl die Kirche seitdem nicht mehr genutzt werden kann, hat die Gemeinde dort am Samstag, 30. Mai, einen Poetry-Slam-Abend veranstaltet.
Sechs Poetinnen und Poeten traten gegeneinander an. Der Wettbewerb wurde in drei Runden aufgeteilt. In den ersten zwei Runden wurde jeweils eine Gewinnerin beziehungsweise ein Gewinner vom Publikum ins Finale gewählt. Abschließend traten die Siegerinnen und Sieger der ersten beiden Runden gegeneinander an. Zwischen den Runden sorgte Paul Hector aus der Gemeinde für musikalische Unterhaltung.
Viele emotionale Texte in der Bielertkirche
Die sechs überwiegend jungen Dichterinnen und Dichter waren inhaltlich vielfältig aufgestellt. Einige standen zum ersten Mal auf der Bühne, während andere bereits Erfahrung mit Poetry Slams hatten. Auch die Altersgruppen waren breit vertreten, von Studierenden bis hin zu einem ehemaligen Pfarrer.
Genauso vielfältig wie die Slammerinnen und Slammer waren auch die Texte beim „Baustellen-Slam“. Während Debby Lemaitre, Mutter von zwei Kindern, über die Liebe zu ihren Kindern slammte, trug Tobias Falke einen Text über das Scheitern vor. Obwohl die Werke alle unterschiedlich waren, brachten sie das Publikum zum Nachdenken.
Die Gewinnerinnen und Gewinner der Runden wurden jeweils durch eine Abstimmung des Publikums mittels Applaus bestimmt. Janine Reichel sowie Tobias Falke und Debby Lemaitre, die die erste Runde unentschieden gewannen, zogen ins Finale ein. Den ersten Preis erhielt Lemaitre schließlich für ihren Text über das eigene Selbstbild, das einen im Leben verfolgt.
Ich glaube, dass wir Menschen eine Gebrochenheit in uns haben. Das habe ich selbst erlebt und viele andere auch
Einer der bewegendsten Texte stammte von Tobias Falke. Er erhielt vom Publikum die Rückmeldung, dass er mit seinem Text für Tränen gesorgt habe. Falke hatte darüber gesprochen, wie das Scheitern im Leben förderlich für unsere eigene Entwicklung sei. Er bekräftigte seine Aussagen mit vielen Anekdoten aus seinem Leben. „Ich glaube, dass wir Menschen eine Gebrochenheit in uns haben. Das habe ich selbst erlebt, viele andere auch“, erklärte Falke. Er wolle den Menschen einfach mitgeben, dass es in Ordnung ist zu scheitern.
Die 1976 geweihte Bielertkirche feiert dieses Jahr 150-jähriges Jubiläum. Für John Lohrenz, der den Abend organisiert hat, ist es ein echter Meilenstein, den man leider nicht in der Kirche feiern könne, da diese sich noch im Umbau befindet. Lohrenz erklärt, dass man die aktuelle Pause der Bauarbeiten in den Innenräumen genutzt habe, um kleinere Veranstaltungen zu organisieren. So können sich sehnsüchtige Gemeindemitglieder wieder in den Räumen der Kirche treffen. In den nächsten Wochen sollen die Umbauarbeiten in der Kirche weitergehen.
