Hier haben unsere Leserinnen und Leser aus Leverkusen, Leichlingen und Burscheid das Wort.
Leserbriefe „Leverkusener Anzeiger“„Nicht jede Einsparung ist automatisch eine gute Entscheidung.“

Stefan Hebbel mit dem designierten neuen Kämmerer Sascha Inderwisch
Copyright: Ralf Krieger
Unsere Leserinnen und Leser haben hier das Wort. Wegen der großen Anzahl der Briefe kann nur eine Auswahl veröffentlicht werden; ebenfalls sind Kürzungen oft unvermeidlich. Leserbriefe können Sie unter Angabe von Namen, Kontaktdaten und Adresse per E-Mail bei der Redaktion einreichen.
Montag, 6. September
Mut für richtige Prioritäten
Zu „Neuer Kämmerer ist gefunden“ am 24. August
Sascha Inderwisch ist vom Fachbereichsleiter Finanzen zum Stadtkämmerer aufgestiegen. Angesichts seines bisherigen beruflichen Werdegangs scheint dies eine hervorragende Wahl zu sein. Bereits in Bergisch Gladbach konnte er umfangreiche Erfahrungen im Finanzbereich sammeln. Auch während seiner bislang noch vergleichsweise kurzen Amtszeit in Leverkusen hat er die städtischen Finanzen maßgeblich mitgeprägt. Insbesondere seit dem Ausscheiden des bisherigen Stadtkämmerers Molitor war er gefordert, Kompromisse zu finden und den Haushalt durch den Stadtrat zu bringen. Die Genehmigung durch die Bezirksregierung steht allerdings noch aus.
Die eigentliche Bewährungsprobe steht jedoch noch bevor. Es bleibt abzuwarten, ob Inderwisch die finanziellen Hinterlassenschaften seiner Vorgänger ordnen und das angesichts der desaströsen Finanzlage notwendige Haushaltssicherungskonzept mit Augenmaß und Weitsicht voranbringen kann. Ich wünsche ihm für seine zukünftigen Aufgaben ein glückliches Händchen. Die angespannte Haushaltslage wird zweifellos schwierige Entscheidungen erfordern. Gleichzeitig möchte ich jedoch davor warnen, die finanzielle Schieflage ausschließlich durch immer neue Einsparungen zulasten der Bürgerinnen und Bürger bewältigen zu wollen. Gerade in schwierigen Zeiten sind Augenmaß, Weitsicht und eine klare Prioritätensetzung gefragt. Gespart werden muss dort, wo Einsparungen sinnvoll und vertretbar sind.
Nicht jede Einsparung ist jedoch automatisch eine gute Entscheidung. Kurzfristige Entlastungen im Haushalt können langfristig teuer werden, wenn dadurch wichtige Angebote, Infrastruktur oder die Lebensqualität in unserer Stadt leiden. Die Leverkusenerinnen und Leverkusener haben ihren Beitrag zur Konsolidierung der städtischen Finanzen bereits vielfach geleistet. Nun sollte es darum gehen, verantwortungsvoll zu sparen, statt einfach den Rotstift möglichst flächendeckend anzusetzen. Die finanzielle Zukunft Leverkusens braucht nicht nur einen Kämmerer mit Fachwissen, sondern auch den politischen Mut, die richtigen Prioritäten zu setzen.
Simon Müller, Leverkusen
Verschwendung von Steuergeldern
Zu „Ein neuer Weg über die Wupper“ am 1. September

Unser Leser sieht in der neuen Brücke einen Verstoß gegen EU-Recht.
Copyright: Technische Betriebe Solingen
Es mag ja sein, dass die Stadt Solingen „lediglich“ 150.000 Euro für den Neubau einer nicht unbedingt notwendigen Brücke beisteuern muss, die übrigen 2,35 Millionen Euro aus dem „Wiederaufbauprogramm“ kommen doch letztendlich trotzdem von den Steuerzahlern. Es mag ja durchaus sein, dass über die nunmehr fehlende Brücke diverse Wanderwege gelaufen sind, allerdings befindet sich in circa einem Kilometer vom alten Brückenstandort ein Wupperübergang, welcher fußläufig in 15 Minuten zu erreichen ist. Wieso ist man nicht in der Lage, diesen Überweg zu nutzen?
Dass die neue Brücke „aus Sicht des Naturschutzes“ eine wichtige Funktion übernehmen kann, weil „Spaziergänger bei niedrigem Wasserstand durch die Wupper oder am Ufer entlang laufen“, muss doch sehr bezweifelt werden. Wie soll die neue Brücke das verhindern? Mal ganz abgesehen vom restlichen Wupperlauf. Ein tatsächlicher Erfolg für den Naturschutz wäre es, wenn auf den Brückenneubau verzichtet würde. Immerhin wurde im Zeitungsartikel erwähnt, dass es seitens des Naturschutzbeirates des Rheinisch-Bergischen Kreises „kritische Fragen“ gab. Es geht auch nicht nur um den Schutz des Eisvogels, sondern um ein Neubauvorhaben in einem Gebiet, das gemäß der EU‑Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) streng geschützt ist. Alle nicht notwendigen Eingriffe in die Natur sollen dort unterbleiben und als definiertes Ziel ist unter anderem die „Wiederherstellung eines störungsarmen Lebensraumes“ vorgegeben.
Zudem wird die neue Brücke als optisch auffallendes „Bollwerk“ an einem komplett neuen Standort errichtet, der bisher relativ naturnah und unverbaut ist. Dass die Kritik vonseiten des Naturschutzes mehr als berechtigt ist, ist vor lauter „Schönwäscherei“ untergegangen. Vielmehr wird mit dem Neubau einer Brücke sogar gegen bestehendes EU-Naturschutzrecht verstoßen.
Oliver Gellißen, Leichlingen
Maßnahme sollte auch für Altglas gelten
Zu „Die Avea baut Container ab“ am 2. September
Seit vielen Jahren melden wir uns (Anwohner des Freudenthaler Wegs/Ecke am Märchen in Schlebusch) nun regelmäßig bei der Avea und dem Mängelmelder mit Bildern von „unserer“ Wertstoffinsel. Genutzt hat es bisher wenig.
Bereits im Jahre 2019 haben wir im Rahmen eines Bürgerantrages um die Verlegung des Standortes gebeten. Damals wurde uns mitgeteilt, dass es sich um einen gut angenommenen Standort handelt, besonders gerne auch von Bergisch Gladbachern, die ihre „Wertstoffe“ quasi „im Vorbeifahren“ auf diese Weise loswerden.
Hier wird nun wirklich alles abgelegt, von Matratzen, über Herde, Mikrowellen, Kleidung, Schaukelpferde, Essensreste, ganze Haushaltsauflösungen und so vieles mehr – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ab und an wird der Müll auch einfach in den angrenzenden Garten geworfen. Von dort kommt auch der Draht, der aus dem Zaun geschnitten wurde, um besser an die Elektrogeräte, Kabel etc. zu gelangen.
Obwohl: Das ist noch die bessere Variante. Oftmals entdeckt man junge Männer, die kopfüber im Container stecken. Ein Glück, dass nicht Schlimmeres passiert. Wenn man Bürger „auf frischer Tat ertappt“, wird man meist aggressiv beschimpft. Scheinbar gibt es immer noch große Wissenslücken darüber, dass es verboten ist, den Müll einfach so abzulegen, und auch darüber, dass wir in der überaus glücklichen Lage sind, diesen legal und komplikationslos bei der Avea abzugeben.
Umso mehr begrüßen wir nun, dass es Maßnahmen gibt, die dem wilden Müll entgegenwirken sollen. Die Idee, zusätzlich einen mobilen Wertstoffhof bereitzustellen, finden wir gut, und sie sollte auch für Glas gelten. Denn nur wenn alle Container verschwinden, verschwinden hoffentlich auch die Müllberge. Schade, denn eigentlich wäre es ja eine tolle Sache, wenn wir Menschen in der Lage wären, die Container dafür zu benutzen, wofür sie da sind.
Sabine Neunzig und Harald Drinhausen, Leverkusen
Industriedenkmal ist den Bürgern wichtig
Zu „Das Industriemuseum hat doch eine Zukunft“ am 20. August
Mit großer Freude haben wir Ihren Artikel vom 20. August über die Zukunft des Sensenhammers gelesen. Bemerkenswert ist das große Interesse so vieler Menschen, das die Petition mit bisher circa 5000 Stimmen belegt. Die Zusage der Stadtverwaltung bezeugt, dass unser Industriedenkmal für die Bürger und ihre Politiker, gerade in NRW, von großer Bedeutung ist. So kann die Geschichte unserer Industriekultur im Rheinland weiterleben und den folgenden Generationen anschaulich übermittelt werden.
Helga Mack-Hamprecht, Odenthal
Montag, 31. August
Niemand kennt die 70 Alternativen
Zum Bayer 04-Campus in Monheim „Mein Vertrauen hat gelitten“ am 8. August
Herr Carro, dem ich als erfolgreichen Manager ein Höchstmaß an Respekt entgegenbringe und für seine Arbeit bei B04 danke, wiederholt in seinem Interview das (nicht belegte) Narrativ eines alternativlosen Standortes für den Bayer 04-Campus in Monheim. Dazu offenbart er erneut seinen mangelnden Respekt vor demokratisch legitimierten Entscheidungsgremien der Stadt Monheim.
Bezüglich der 50+1 Regelung droht er dem gesamten deutschen Fußball (außer wohl den Clubs Bayer 04 und „VW-Wolfsburg“) mit Klage und zeigt sich bereit, aus puren Eigennutz von Bayer 04, den sportkulturellen Konsens des DFB zu sprengen. Zurück zum Campus: Niemand kennt zum einen öffentlich die angabegemäß geprüften 70 Alternativstandorte und ihre Absagegründe. Wenn zum anderen der endlos erfolgreiche Club Bayern München alle drei Sparten (Frauen, Männer, Jugend) im Profibereich an drei kilometerweit voneinander entfernt liegenden Standorten ansiedelt und die Herren dabei mit rund einem halben Dutzend Plätzen auskommen, dann sollte auch Bayer 04 variabler planen und zig andere Alternativen auch auf Leverkusener Stadtgebiet ( insbesondere am Stadion bis zur Grünewaldhalle und am Kurtekotten oder auf ihren Gewerbeflächen an der Hitdorf-/Monheimer Grenze) finden können.
Vielleicht geht es ja doch etwas kleiner. Noch nie hat ein Club aus einer Mittelstadt Europas die Champions League gewonnen. Was soll dieser Gigantismus? Ja, Bayer 04 war 2002 im CL Finale und hat unglücklich verloren. Aber mittlerweile geben die Topclubs dreistellige Millionenbeträge für Spieler aus. Das kann und wird sich die Bayer AG niemals für Bayer 04 leisten, sonst strafen ihre Aktionäre sie ab.
Also bitte mal auf dem Teppich bleiben, Bayer 04 ist auch ohne den Campus in Monheim beeindruckend Deutscher Meister geworden. Lasst die Natur und Bürger in Monheim im Sinne guter Nachbarschaft in Frieden. Ein Weltkonzern wie Bayer wird sicher bei gutem Willen doch noch eine andere Alternative finden.
Uwe Baust, Leverkusen
Toiletten sind nicht barrierefrei erreichbar
Zu „Italienisches Flair in Opladen“ am 17. August
Die neuen Besitzer vom Bella Luna können aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nur eine gewisse Zielgruppe ansprechen. Und das ist der Tatsache geschuldet, dass ältere Leute, unter anderem aus dem Haus Upladin, DRK, gehbehinderte Menschen, die an Rollatoren oder Rollstühlen gebunden sind, dort nicht hingehen werden, da die sanitären Einrichtungen für sie nicht barrierefrei erreichbar sind. Diese befinden sich im Keller und sind nur über eine enge Wendeltreppe zugänglich.
Während der Umbaumaßnahmen wurde zwar mal über einen Treppenlift nachgedacht, dafür wird es aber von behördlicher Seite wohl keine Genehmigung geben. Somit fällt diese Zielgruppe leider raus, was ich persönlich sehr schade finde.
Volker Grüters, Leverkusen
Leverkusen ist keine fahrrad- oder fußgängerfreundliche Stadt
Zu „Eine gefährliche Abkürzung“ am 18. August
Wenn ich manche Beiträge lese, muss ich doch ein wenig schmunzeln. Hält man die Bürger wirklich für so dumm? Da ist man nicht in der Lage, eine Absperrung für Fuß- und Radfahrende umgeh-/fahrbar zu machen. Eine Sprecherin der Stadt meint dazu, dass die Bundesstraße 8 zu stark befahren ist, um dies zu ermöglichen.
In Küppersteg ist die B8 einspurig wegen der maroden Stützmauern. Anscheinend kommt auf dem kurzen Weg bis nach Wiesdorf unwahrscheinlich viel Verkehr auf diese Strecke. Da kann ich nur lachen.
Leverkusen ist keine fahrradfreundliche Stadt. Für Fußgänger auch nicht. Ich bin gerne und viel mit dem Rad unterwegs. Aber genau aus diesem Grund nehme ich nicht mehr am Stadtradeln teil. Die Stadt schmückt sich mit Lorbeeren, tut aber nicht so sehr viel. Hauptsache der Autoverkehr wird auf gar keinen Fall behindert.
Peter Borger, Leverkusen
Montag, 24. August
Die Radroute darf kein Asphaltmonstrum werden
Zu „Geplant – aber bisher nichts gebaut“ am 8. August
Radkomfortroute ja – aber bitte angemessen planen und ohne Flächenfraß. Ich begrüße ausdrücklich, dass Leverkusen eine leistungsfähige Radverbindung nach Monheim schaffen will. Eine solche Radkomfortroute brauchen wir für die Verkehrswende. Gerade deshalb halte ich die derzeitige Planung für einen grundlegenden Fehler.
Aus meiner Sicht beginnt das Problem bereits bei der Aufgabenstellung an das Planungsbüro: Der vorhandene Verkehrsraum wurde nicht umfassend als möglicher Raum für die Radverkehrsplanung betrachtet. Stattdessen konzentriert sich die Planung vor allem darauf, bestehende Rad- und Wegeverbindungen auszubauen. Die entscheidende Frage müsste lauten: Wie können wir bereits versiegelte Flächen neu zugunsten des Radverkehrs aufteilen?
Hinzu kommt: Eine Radkomfortroute muss nach den vorgesehenen Standards eine befestigte, asphaltierte Oberfläche haben. Also wird dort, wo heute teilweise noch unversiegelte Flächen oder geschotterte Wege sind, im großen Stil zusätzlich versiegelt. Den meisten Menschen ist das Ausmaß vermutlich gar nicht bewusst: Konservativ gerechnet führt diese Planung der Radkomfortroute zu einer Neuversiegelung von rund 7000 Quadratmetern. Wer schon einmal in der Bay-Arena gesessen hat, kann sich die Ausmaße vorstellen: Das entspricht in etwa der Fläche des gesamten Spielfeldes.
Da verschiedene Routenführungen und Abschnitte noch nicht abschließend geklärt sind, wird diese Zahl am Ende möglicherweise sogar höher liegen. Das Beispiel Bürriger Dhünndeich macht die Fehlplanung besonders deutlich: Dort soll der bestehende Weg um rund 1,3 Meter verbreitert werden, verbunden mit Eingriffen in den Deichkörper und dem Verlust von altem Baumbestand. Allein an dieser Stelle sprechen wir über eine Neuversiegelung von rund 700 Quadratmetern.
Dabei hätte eine angemessene Aufgabenstellung an das Planungsbüro Alternativen in direkter Nähe herausarbeiten können: Parallel verläuft der vierspurige Westring, wo zwei Spuren genutzt werden könnten – eine zum Renaturieren und eine für den Radverkehr. Zusätzlich gibt es den Bendenweg, der in eine Fahrradstraße umgewandelt werden könnte. Aber nein – stattdessen sollen an zahlreichen weiteren Stellen Grünstrukturen, teils im Landschaftsschutzgebiet, geopfert werden – wie etwa auf der ehemaligen L108n, wo ein neuer Geh- und Radweg auf einer Grüntrasse vorgesehen ist - rund 17000 Quadratmeter Neuversiegelung.
Die gesamte Planung ist damit nicht nur ökologisch unverantwortlich, sondern vor allem fatal für den vorsorglichen Schutz der Bevölkerung. Gerade in einer so stark versiegelten Stadt wie Leverkusen, die sich auf zunehmende Extremwetterereignisse wie Hitze, Starkregen und Hochwasser einstellen muss, sind Bäume, Grünzüge und unversiegelte Böden ein überlebenswichtiger Baustein der Klimaresilienz. Jeder weitere Verlust verschlechtert unsere Möglichkeiten, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen.
Das alles soll auch so schon immens viel Geld kosten: Der Gesamtausbau wird derzeit mit rund 8,66 Millionen Euro veranschlagt - mögliche Klimafolgekosten nicht inbegriffen. Hinzu kommt, dass an mehreren Abschnitten von der Stadt noch Grunderwerb getätigt werden muss – mit ungeklärten Mehrkosten und eventuellen langwierigen Verhandlungen. Ich will eine Radkomfortroute. Aber ich will sie angemessen geplant haben. Eine echte Verkehrswende bedeutet für mich, den vorhandenen Raum endlich neu zu verteilen und dem Radverkehr dort Platz zu geben, wo heute vor allem das Auto Raum beansprucht.
Jacqueline Blum, Leverkusen
Das Desinteresse ist leider allumfassend
Zu „Der Höhepunkt des Verkehrsdramas steht erst noch bevor“ am 7. August
Selten hat mir ein Kommentar so aus der Seele (und dem Verstand) gesprochen. Auch ich bin auf den diversen Ü60-Demos (ich bin selbst 63 Jahre und darf das wohl so titulieren) regelrecht am völligen Desinteresse der meisten Bevölkerungsgruppen verzweifelt. Hätte die Bayer AG nur ein einziges Mal ihre Fußballfans für diese Sache (Tunnel) aktiviert, hätten wir solange Montagsdemos mit über 10.000 Teilnehmern gehabt, bis die Politik eingeknickt wäre.
Aber die Mutter Bayer gibt es schon lange nicht mehr, und die Interessenlage der Bayer AG ging ja nur Richtung kostengünstiger Transportwege für Gefahrguttransporte, die man durch einen Tunnel gefährdet sah. Verantwortlich bleiben Politik und Verwaltung, aber auch eben jeder einzelne Bürger, der nicht demonstriert – einfach schlimm.
Wenn dann noch nichts als Desinteresse und Alibiaktionen auf den Seiten der Leverkusener Politik und Verwaltung dazukommen, dann ist unsere Stadt ein leichtes Opfer der Autobahnpolitik der Bundesregierung und ihres ausführenden Organs, der Autobahn GmbH.
Dazu ein Beispiel: Ich habe schon vor über fünf Jahren das Verkehrsdezernat Leverkusen und dann mangels Antwort den damaligen OB Uwe Richrath (natürlich auch ohne Antwort) mit einigen Hinweisen (zum Beispiel morgens/abends elektronisch gesteuerte, wechselnde Spurrichtung für eine der vier Fahrbahnen auf dem Willy-Brandt-Ring) angeschrieben, um rechtzeitig dem Verkehrskollaps entgegenzuwirken. Hintergrund/Inhalt: der Ausbau des Leverkusener Kreuzes in Verbindung mit den Themen A3-Ausbau und Stelze wird zu rund zehn (!) Jahren brutaler Verkehrsbelastungen und hohen Straßenrenovierungskosten, insbesondere für Schlebusch, führen (da dann die Pkw und Lkw den Weg von der A1 zur A3 über die Ausfahrt Burscheid und durch Schlebusch nehmen werden - und in umgekehrter Richtung).
Ich habe auch empfohlen, das in Deutschland seltene und juristisch sicher diffizile und langwierige Thema einer Transitsperre für diese Zeit und Strecke rechtzeitig vorzubereiten und einzufordern, notfalls einzuklagen. Aber wie gesagt, null Resonanz. Sehr seltsam auch, dass von der Bezirksvertretung, insbesondere dem Bezirksbürgermeister Schönberger, dazu Null kam und kommt. Das ist definitiv inakzeptabel und Politikversagen, steht doch laut Website der Stadt Leverkusen die Aufgabe „Maßnahmen zur Verbesserung des Verkehrs“ im Pflichtenheft der Bezirksvertretung. Als Bürger erwarte ich hier ein sichtbares Engagement für unseren Stadtteil. Auch zu den irrwitzig langsamen Straßenbauaktivitäten Am Dhünnberg und in der Saarstraße hört man nichts von der Bezirksvertretung.
Uwe Baust, Leverkusen
Schwammstadt – war da nicht was?
Zu „Die Felder benötigen dringend Regen“ am 13. August
Ja, Schwamm drüber, mit so vielen Poren wie möglich. Der Artikel befasst sich nur scheinbar allein mit den Problemen der Landwirtschaft durch den jetzt fehlenden Regen aufgrund der Folgen des Klimawandels. Die Landwirte versuchen, sich durch veränderte Anbaukulturen anzupassen, zum Beispiel durch tiefer wurzelnde und durch hitzeresistentere Pflanzen. Es wird aber nicht insgesamt trockner bei uns, sondern es wird auch Phasen geben, in denen besonders viel Regen fällt.
Vom Niederschlagswasser dann für trockenere Phasen möglichst viel zu speichern wäre also eine sinnvolle Strategie. Schwammstrategien sollten also bevorzugt angegangen werden. Primär bedeutet dies, möglichst viele versickerungsfähige Flächen und Verlangsamung des abfließenden Wassers, aber auch mehr Ausweichflächen bei Starkregenereignissen zu schaffen. Für die Stadt Leverkusen gibt es hierzu sogar bereits seit 2022 einen Ratsbeschluss, dass Leverkusen eine „Schwammstadt“ werden soll - ja sogar ein Modell für andere Städte.
Und was tut sich? Wenig, wie die geplante versickerungsgerechtere Gestaltung des Wiembachs, aber deutlich zu wenig. Das Regenwasser der versiegelten Flächen rauscht immer noch möglichst schnell durch Regenwassersammelkanäle in unsere Fließgewässer und damit letztlich zurück ins Meer. Die Flächenversiegelung nimmt zu statt ab. Im stadteigenen Besitz findet die Verwaltung zu wenig entsiegelungsfähige Flächen, im privaten Bereich trauen sie und die entscheidenden Politiker sich im Gegensatz zu anderen Städten nicht, die Flächenversiegelung auf das nach der Bauordnung des Landes mögliche Minimum zu begrenzen. Bürgeranträge dazu wurden abgelehnt, obwohl moderne Luftbilderfassungstechniken und Computerauswertungen die Erfassung und Überwachung deutlich erleichtert haben.
Konterkariert wird dies noch durch eine Bauordnung, die eine Stellplatzpflicht, aber keinen Ausgleich für die notwendigen Versiegelungen dafür vorsieht. Die jetzige lange Trockenzeit gibt uns noch mal eine deutliche Warnung vorzusorgen - beachten wir sie oder ist sie beim nächsten Regen schon vergessen?
Manfred Urbschat, Leverkusen
Ohne Radwege sind Autostaus unvermeidlich
Zu „Ärger über die Schotterpisten“ am 15. August und zu „Radfahrer sparen 79 Tonnen CO2 ein“ am 18. August
Wie man jüngst in dieser Zeitung lesen konnte, ist „Verkehr“ und „Mobilität“ das Topthema der Leverkusener Bürger, was angesichts der täglichen Staus in der Stadt wenig verwundert. Angesichts fehlender Radverkehrsverbindungen und eines mäßigen ÖPNV-Angebots sehen sich die meisten Bürger allerdings wohl genötigt, in aller Regel ihren Pkw für Erledigungen innerhalb der Stadt zu nutzen, was aber leider unter anderem zu den Problemen verstopfter Straßen führt.
Umso mehr verwundert die nach wie vor den Radverkehr vergessende Haltung der hiesigen Politik und Verwaltung, was man am Beispiel Schlebuschrath verwundert bestaunen kann. Eine kaum befahrbare, gefährliche Schlaglochpiste wird als Alibi einer neuen Mobilität zur Fahrradstraße erklärt und jahrelang in einem nicht sicher befahrbaren Zustand belassen. Der auf Anfrage eingeholte Standardkommentar der Verwaltung, „ein grundsätzlicher erstmaliger Ausbau der Strecke Schlebuschrath ist mittelfristig unter anderem aufgrund der Haushaltslage leider nicht realisierbar“ ist allerdings eine gefällige Ausrede.
Der Ausbau und Unterhalt von Radwegen gehört zu den Pflichtaufgaben jeder Kommune im Rahmen der Straßenbaulast. Das Fahrrad- und Nahmobilitätsgesetz NRW schreibt vor, dass der Radverkehr als gleichberechtigtes Transportmittel zu behandeln ist. Für den Bau und Ausbau von Radwegen stehen Fördermittel seitens des Landes in Höhe von 90 Prozent bereit, zusätzliche Bundesmittel können beantragt werden.
Jeder Kilometer, den ein Leverkusener Bürger in unserer Stadt mit dem Rad statt mit dem Auto zurücklegt, spart der Stadt immense Kosten für Straßenverkehr, verursacht weniger Lärm und Luftbelastung, spart Platz für ansonsten nutzlose Parkplätze, verbessert die Aufenthaltsqualität unserer Stadtzentren und verringert die Staus für jene, die auf das Auto angewiesen sind. Das Argument, die Stadt habe kein Geld, ist kein Argument, es ist Täuschung der Bürger. Ausbau des Radverkehrs ist - neben besseren ÖPNV-Angeboten - die günstigste Lösung für eine bessere Mobilität, gerade in Zeiten klammer Kassen.
Andere Kommunen in Nordrhein-Westfalen machen es vor, auch solche, die wie Leverkusen in der Haushaltssicherung sind. Wann wird in Leverkusen bitte endlich in Richtung zukunftsweisender und bürgerfreundlicher Mobilitätspolitik gehandelt? Ausreden sind keine Kommunalpolitik.
Henning Kaltheuner, Leverkusen
Montag, 17. August
„Fair, sicher, grün und zukunftsfähig“
Zu „Heiße Diskussion um Hilgens neue Mitte“ am 20. Juli
Ich schreibe diesen Leserbrief als unmittelbar betroffener Anwohner der Rosendelle, als Familienvater und als jemand, dessen Familie seit vielen Generationen in Burscheid verwurzelt ist. Viele Menschen kennen die Rosendelle nur vom Vorbeifahren oder aus der Planungsskizze. Für uns ist sie unser Zuhause. Mehr als 70 Familien haben hier über Jahre mit einer unfertigen Baustraße, Schlaglöchern, Baufahrzeugen, Staub und Provisorien gelebt.
Wir haben lange auf den Endausbau unserer Straße gewartet. Entstanden ist eine junge Wohnsiedlung mit vielen Familien, rund 100 Kindern und einer Straße, die gerade nicht wie eine normale Durchfahrtsstraße wirkt, sondern wie ein verkehrsberuhigter Wohnbereich: niveaugleich, eng, mit Aufenthaltscharakter, künftig auch mit Spielplatznähe. Und genau diese Straße soll nun zur Zufahrt einer Parkgarage für ein großflächiges Lidl Projekt werden. Das ist für uns nicht nachvollziehbar.
Eine Wohnsiedlung mit verkehrsberuhigtem Charakter darf nicht zur rückwärtigen Erschließung eines Gewerbe- und Großprojekts gemacht werden. Es geht hier nicht um ein paar zusätzliche Autos. Es geht um Mitarbeiterverkehr, Besucher, Pflegedienste, möglicherweise weitere Nutzergruppen und regelmäßige Fahrbewegungen zu wechselnden Zeiten. Wer Kinder hat, weiß: In solchen Wohnstraßen wird gespielt, gelaufen, Rad gefahren, Roller gefahren. Dort plant man keine Parkgaragenzufahrt hinein.
Genauso schwer wiegt der zweite Punkt: Die bisherige Planung wirkt aus unserer Sicht wie ein massiver Betonklotz am Rand unseres Wohngebiets. Die letzte größere grüne Pufferzone zwischen Rosendelle und Kölner Straße/Witzheldener Straße würde nahezu vollständig verschwinden. Dort, wo heute noch Bäume, Grün und ein Stück Frischluft für das Quartier stehen, drohen Parkflächen, Parkgarage, Mauern, Sichtschutz und Versiegelung. Aufgrund der Topographie ist diese Parkgarage für uns eben nicht einfach „unterirdisch“. Aus Sicht der Rosendelle entsteht vielmehr ein aufragender Baukörper mit Parkdeckwirkung.
Besonders belastend ist: Fremde Kunden könnten vom Parkdeck aus Einblick in mindestens 20 private Gärten bekommen – in Bereiche, in denen Familien und Kinder sich eigentlich geschützt und unbeobachtet aufhalten sollten. Das ist keine Kleinigkeit, sondern ein erheblicher Eingriff in die Wohn- und Lebensqualität der direkten Nachbarschaft. Das alles geschieht in einer Zeit, in der wir fast jeden Sommer neue Hitzerekorde erleben, in der Europa unter Waldbränden und Extremwetter leidet und in der Städte eigentlich alles tun müssten, um zu entsiegeln, zu verschatten und Grün zu erhalten.
Besonders bitter: Der Hitzeaktionsplan der Stadt Burscheid beschreibt gerade diesen Bereich in Hilgen als Hitze-Hotspot. Trotzdem wird hier eine Planung verfolgt, die nach unserem Eindruck das Gegenteil moderner Klimaanpassung darstellt. Wir sind nicht gegen einen Lidl in Hilgen. Im Gegenteil: Gute Nahversorgung kann ein Gewinn sein. Aber ein Lidl muss so geplant werden, dass er zu Hilgen passt – sozialverträglich, umweltverträglich und mit Respekt vor der direkten Nachbarschaft. Unsere Kernforderungen sind deshalb klar: Keine Parkgaragenzufahrt über die Rosendelle. Ein echter Schutz- und Grünstreifen zum Wohngebiet. Weniger Versiegelung. Eine ernsthafte Prüfung alternativer Lösungen, etwa einer Zufahrt zur Parkgarage über den Bereich der Witzheldener Straße beziehungsweise über das Lidl Grundstück.
Die Nachbarschaft ist sich in diesem Punkt weitgehend einig: So, wie es derzeit geplant ist, darf es nicht kommen. Wir appellieren daher an Lidl, an die Stadtverwaltung und besonders an die politischen Fraktionen im Rat: Stellen Sie wirtschaftliche Standortvorgaben nicht über die Sicherheit von Kindern, den Schutz eines Wohnquartiers und die Anforderungen an klimaangepasste Stadtentwicklung. Nutzen Sie die Planungshoheit der Stadt. Fordern Sie eine Lösung ein, die Nahversorgung ermöglicht, aber nicht auf dem Rücken der Rosendelle. Es geht nicht darum, Lidl zu verhindern. Es geht darum, dass Hilgen eine neue Mitte bekommt, die diesen Namen auch verdient: fair, sicher, grün und zukunftsfähig.
Thomas Bohl, Mitgründer der Initiative Lebenswertes Hilgen Burscheid
Politik hätte sich stärker einmischen müssen
Zu „Autobahn-Aktivisten sind enttäuscht“ am 11. August
Als die ersten Demos gegen den geplanten gigantischen Autobahn Ausbau begonnen haben, habe ich mit protestiert, obwohl ich nicht direkt betroffen bin. Allerdings habe ich mich damals schon über die geringe Beteiligung gewundert. Vor allem waren es ja fast nur Menschen aus dem direkten Umfeld der Autobahn, die überhaupt protestiert haben.
Von der Politik in Leverkusen hätte ich mir auch eine viel stärkere Einmischung erhofft. Das war leider ein Trugschluss und wahrscheinlich damit zu erklären, dass es in Deutschland kaum Politiker mit Rückgrat gibt. Widerstand gegen den Autobahnbau gab es fast nur vom ehemaligen Vorsitzenden der Bürgerliste, Herrn Schoofs. Und heute hört man von denen auch nichts mehr. Dann wundert man sich, dass die AFD soviel Zuspruch bekommt? Leider ist sie die einzige Partei, die verschiedene heiße Eisen anpacken würde, und das ist äußerst schade.
Vera Bertrams, Leverkusen
Interaktion der Politiker mit Bevölkerung ist frustrierend
Enttäuscht ist hier der falsche Ausdruck, wir fühlen uns von der Politik vorsichtig ausgedrückt verschaukelt. Unser OB hat keine Zeit für ein Gespräch, der Arbeitskreis wird aufgelöst und die Autobahn GmbH wird mit allen Daten versorgt, die für den Monsterausbau benötigt werden. Inzwischen werden die Autobahnplaner für den Ausbau der A3 extern unterstützt. Die Anwohner werden ermutigt, ihre Häuser zu verkaufen, bevor sie enteignet werden. Die Politik bereitet sich auf den Ausbau der Autobahn vor.
Gegenstand der Vorbereitung ist die Frage, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um den innerstädtischen Verkehr aufrechtzuerhalten. Es kann die Hypothese aufgestellt werden, dass der Oberbürgermeister nicht gewillt ist, sich in Angelegenheiten, die die Interessenvertretungen betreffen, zu engagieren. Es ist anzunehmen, dass er den damit verbundenen, als unangenehm empfundenen Gesprächen aus dem Weg gehen möchte. Im Rahmen der jüngsten Wahlen wurde der Rat neu konstituiert. Ein signifikanter Anteil der auf Autobahnen spezialisierten Experten ist nicht länger im Rat vertreten.
Es entsteht der Eindruck, dass das Interesse an der Thematik der Autobahnen sich eher auf die Substitution von Parkplätzen unter der Stelze sowie auf den Spieltrieb von Bayer 04 konzentriert. Bei vier Interessengemeinschaften herrscht Konsens darüber, dass keine politische Unterstützung gegen den geplanten Autobahnausbau zu erwarten ist. Die Zugehörigkeit der genannten Personen zu einer bestimmten Partei ist in diesem Kontext irrelevant.
Es ist uns nicht gelungen, Bürger, die außerhalb der Autobahnnähe residieren, für das Thema zu gewinnen. Der Ausbau der Autobahnen wird sich signifikant auf den Gesamtverkehr auswirken. Die Erfahrung zeigt, dass die Bevölkerung in der Regel erst zu einem Zeitpunkt auf die Folgen dieser Maßnahmen aufmerksam wird, der den optimalen Zeitpunkt überschreitet. Die Art und Weise, wie Politikerinnen und Politiker mit der Bürgerschaft interagieren, ist in hohem Maße frustrierend.
Friedrich Jonas, Leverkusen
Klassiksonntag verdient eine neue Chance
Zu „Keine Klassiksonntage der Westdeutschen Sinfonia mehr in Leverkusen“ am 17. Juni
Der Klassiksonntag verdient eine neue Chance. Dass der Klassiksonntag in der Spielzeit 2026/27 nicht fortgeführt wird, bedauere ich sehr. Seit 2008 war er weit mehr als ein gewöhnlicher Konzerttermin. Matinee im Schloss Morsbroich, öffentliche Probe und Sinfoniekonzert im Forum eröffneten dem Publikum unterschiedliche Zugange zur klassischen Musik. Für viele ältere Besucherinnen und Besucher war dieser feste Sonntagstermin zudem ein wichtiger kultureller Treffpunkt.
Die Begründung mit einer geringeren Nachfrage überzeugt mich in dieser Form nicht. Nach dem Bericht bezogen sich die genannten Zahlen von zuletzt zehn, zuvor etwa 25 Gästen auf die öffentliche Probe. Daraus folgt noch nicht, dass das Publikum der gesamten Reihe verloren gegangen ist. Wenn ein einzelner Teil des Konzepts schwächer angenommen wird, kann man ihn verändern.
Besonders bedauerlich ist, dass der Förderverein die fehlenden 6000 Euro für die Matinee nach Darstellung von Dirk Joeres bereits aufgebracht hatte. Wo Finanzierung möglich und ein langjähriges Publikum vorhanden ist, sollte ein Kompromiss zu finden sein. Ich wünsche mir deshalb, dass die Stadt und Dirk Joeres das Gespräch noch einmal aufnehmen. Der Klassiksonntag hat das Kulturleben dieser Stadt über viele Jahre bereichert.
Hannegret Wehrstedt, Leverkusen
Alles beim Alten belassen
Zu „Der größte Begräbnisort der Stadt“ am 6. August
Ein Friedhof ist ein Ort der Ruhe. Diese Ruhe wird in Deutschland gesetzlich geschützt. Um diese besondere Ruhe zu genießen, gehe ich seit Jahren gerne auf dem Friedhof spazieren. Ich besuche die Gräber von Bekannten und bleibe an vielen unbekannten Gräbern stehen, um die Inschrift zu lesen oder ein Gebet zu sprechen. Die parkähnliche Umgebung, die Vogel und die Tierwelt sind beeindruckend.
Ein Spielplatz wäre an dieser Stelle fehl am Platz. Die wenigen Kinder, die in Begleitung der Eltern auf den Friedhof kommen, trauern möglicherweise um die Oma oder den Opa. Sie stellen gerne mit Hilfe der Eltern eine Kerze auf oder helfen beim Blumen gießen. Es muss nicht immer und an jedem Ort getobt werden. Was Fahrradfahren auf dem Friedhof anbetrifft, bin ich entschieden dagegen. Seit dem E-Bike-Einzug fahren viele viel zu schnell und rücksichtslos. Man müsste auch beim Spazierengehen immer wieder stehen bleiben, um sich zu vergewissern, ob einer nicht heranrast. Die Menschen, die mit dem Fahrradkommen, sind auch in der Lage, die paar Meter bis zum Grab zu gehen.
Den Hunden am Friedhof stehe ich auch kritisch gegenüber. Nicht alle Hundehalter sammeln die Hinterlassenschaften auf. Die Hunde selbst sind auch keine friedvollen Wesen. Also bitte, belassen Sie alles beim Alten. So ist es am schönsten. Anna Konschalla, Leverkusen
Derartige Beschlüsse sind unverständlich
Zu „Stadt will Platanen für Feuerwache fällen“ am 31. Juli
In allen Städten wird inzwischen zwangsläufig bundesweit über den nicht zu leugnenden Klimawandel und die dadurch erforderlichen Klimaschutz Programme beraten, diskutiert und auch umgesetzt, nur hier in Leverkusen scheint das Thema noch nicht wirklich angekommen zu sein. Anders kann man sich nur wirklich nicht die aktuellen Pläne erklären, dass bei der Stadt Leverkusen allen Ernstes darüber beraten wurde, in Bürrig völlig gesunde und wunderschöne alte Platanen Bäume für ein Bauvorhaben zu fällen.
Wenn diese Pläne verwirklicht werden, würde das aber auch bedeuten, dass in Zukunft die Kinder der GGS im Steinfeld die Pausen und ihre Freizeit auf einem stickigen dunklen Schulhof hinter Mauern verbringen werden. Derartige Beschlüsse sind in der aktuellen Klima-Gesamtsituation so unverständlich, dass man diese kaum nachvollziehen kann und es bleibt nur zu hoffen, dass der Stadtrat diese Baupläne, vermutlich in klimatisierten Räumen beschlossen, noch einmal logisch überdenken wird.
Es wäre zu hoffen, dass nicht nur die Anwohner, auch vor allem viele Eltern der Grundschulkinder gegen diese Pläne auf die Barrikaden gehen werden. Unsere Familie und vor allem die Kinder wären sehr traurig, wenn die schönen Bäume, die wir alle bereits seit unserer Schulzeit kennen, gefällt werden.
Thomas Koch, Leverkusen
Erstaunlich, wie gelassen die meisten reagieren
Zu „Verkehr ist das Hauptthema“. Der „Leverkusener Anzeiger“ hat Bürgerinnen und Bürger zu ihrer Stadt befragt, am 7. August
Im Artikel zur Befragung der Stadtbevölkerung fehlen für die Einordnung wichtige Informationen wie zum Beispiel Kriterien für die Auswahl der Befragten und Methodik. Im beigefügten Kommentar findet Stefanie Schmidt indes erfreulich klare Worte über die allgemeine Unzufriedenheit mit dem städtischen Verkehr, geprägt durch ungenügende Radwege und Bus- und Bahnverbindungen, Staus und Baustellen.
Ich schließe daraus, dass den Bürgerinnen und Bürgern die mangelnde Umsetzung des vor Jahren einstimmig im Rat beschlossenen Mobilitätskonzepts 2030+ missfällt. Möge der Oberbürgermeister diesen Missstand bitte zur Kenntnis nehmen und kraft seines Amtes als Chef der Verwaltung für Abhilfe sorgen. Mit anschaulichen Beschreibungen zeigt der Kommentar, dass uns der „Höhepunkt des (Verkehrs-) Dramas“ noch bevorsteht. Jahrelange Baustellen für die Erweiterung der Autobahn schränken unsere Mobilität bis hin zum Verkehrskollaps erheblich ein; der Betrieb der erweiterten Autobahn mit Megastelze wird schließlich dauerhaft die Lebensqualität in der Stadt weiter senken.
Erstaunlich, wie gelassen die meisten auf diese Entwicklung reagieren. „Ungenutztes Empörungspotenzial“, findet Frau Schmidt. Da ist ihr voll und ganz zuzustimmen.
Dany Kahindi, Leverkusen
3. August 2026
Zu „Oberbürgermeister mischt sich in die Kölner Debatte ein“
Autokusens Gruß des Oberbürgermeisters lässt befürchten, dass nach seiner Mentalität es wohl bei diesem recht einseitigen Blick auf den Autoverkehr auch in Leverkusen bleiben soll. Hat er die Zeichen der notwendigen Mobilitätswende nicht verstanden?
Zumindest lässt sein blosses Plädoyer für erneut vier Fahrspuren ohne Verbesserungsvorschläge für den Radverkehr ahnen, dass es nach seinem Willen wohl einfach so weiter geht wie bisher? In dieses Denkkonzept würde auch der abnehmende Widerstand gegen den geplanten monströsen Ausbau der Autobahnen in Leverkusen passen. Aber ist vielleicht sein Anliegen für den nur autogerechten Ausbau der Mühlheimer Brücke auch Ausdruck der Mentalität nach dem Spruch: „geteiltes Leid ist halbes Leid“?
Manfred Urbschat, Leverkusen
Jeder Baum zählt – wann endlich?
Zu „Stadt will Platanen für Feuerwache fällen“
Landauf und landab sagt die Kommunalpolitik: Jeder Baum zählt! Bäume und Grünflächen helfen unseren Städten und ihren Bürgerinnen und Bürgern , in den Hitzesommern zu überleben! Warum handelt unsere Stadt trotz der beschlossenen Nachhaltigkeits- und Klimaschutzkonzepte nicht endlich durch aktiven Umbau Leverkusens zu einer Schwammstadt, wie 2021 beschlossen?
1.Warum wird ständig alter Baumbestand reduziert(für Parkplätze, angebliche Bauvorhaben oder aus vorauseilender Sorge über ruinöse Pilzkrankheiten. Warum müssen jetzt neun wertvolle Bäume fallen für die klotzige Erweiterung der Bürriger Feuerwehr zu Lasten der notwendigen Verschattung eines benachbarten Schulhofes?
2. Warum wurden und werden immer wieder in Schlebusch, Opladen und Rheindorf junge Bäume gepflanzt, die zu Dutzenden wieder absterben? Wegen zu kleiner Wurzelballen, mangelhafter Bodenaustausch, falscher Standortwahl und ungenügender Bewässerung? Hier wurden während der vergangenen Jahre sicher schon zigtausend Euro Steuergelder verplempert!
Wo bleibt die notwendige Entsiegelung städtischer Flächen wie in anderen Städten, so auch die Verhinderung und Entfernung von Schottergärten? Wie nimmt der Umwelt- und Sozialdezernent seine Verantwortung für Klimaschutz und damit für die Gesundheit der Menschen wahr und setzt den dringend notwendigen Schwammstadt-Umbau durch?
9800 Hitzetote sind in diesem Jahr bereits zu beklagen.. Soll es so nur durch Bereitstellung von einigen Kühlräumen, Wassersprühanlagen und die sporadische Verteilung von Wasserflaschen weitergehen, obwohl auch alle wissen müssten, dass diese Hitzeperioden weiter zunehmen werden? Habt Ihr Verantwortlichen denn keine Angst, dass das alles noch viel schlimmer werden kann?
Brigitte von Bonin, Leverkusen
Viel Beton an einem Hotspot
Zu „Heiße Diskussion um Hilgens neue Mitte“
Die Veranstaltung machte sehr deutlich: Das Lidl-Projekt passt so nicht zu den Bedürfnissen der Anwohner, und es passt so auch nicht in die Umgebung; das Fazit einer Teilnehmerin: „Wir werden nicht gehört.“
Das Projekt ignoriert Selbstverständlichkeiten der zeitgemäßen Stadtentwicklung: Mitten in der Serie von Hitzewellen verweigert es sich der Einsicht, dass wir klimaangepasst bauen müssen und mehr Resilienz gegen Extremwetter brauchen.
Zur Erinnerung: Burscheid hat ein verbindliches Klimaanpassungskonzept; dort steht im Katalog konkreter Maßnahmen u.a. „Versiegelungsgrad gering halten, … Verschattung durch Bäume, …Grün im Gebäudeumfeld“. Der Hitzeaktionsplan bezeichnet die Hilgener Ortsmitte genau hier als Hotspot, in dem solche Maßnahmen mit erster Priorität umzusetzen sind.
Das Lidl-Projekt plant das genaue Gegenteil. Zunächst wird der gesamte Grünbestand auf dem Grundstück beseitigt. Dabei ist es hier ein Stück grüne Lunge, eine wertvolle Ressource, klimaausgleichend, zur Rosendelle hin Pufferzone für das Wohnquartier, die Baumhecke an der Witzheldener Straße ein Schatten- und Frischluftspender. Die ausgedehnte Parkplatzfläche wird im Sommer als große Heizplatte wirken, bis in die Nächte hinein; die nur wenigen Deko-Bäumchen werden kaum Schatten und Kühlung schaffen.
Auf Fragen zu Nachhaltigkeit, Hitzeschutz, Grün antwortete Lidl knapp, man werde das später noch einarbeiten: eine offensichtliche Geringschätzung dieser Themen, eine arge Missachtung der Prioritäten, dazu noch ein Hohn auf die eigenen Lidl-Leitlinien „Gut für die Menschen“, „Gut für dich“, „Biodiversität achten“, „Klima schützen“, „Ressourcen schonen“, … „Gesundheit fördern“ und „Dialog führen“. Diese Bereiche gehören zur Daseinsvorsorge, sind aber in der Planung grob vernachlässigt.
Wir erwarten von der Stadtverwaltung, dass sie hier ihre Planungshoheit und ihre Fürsorgepflichten wahrnimmt und das Interesse an einem gesunden Lebensumfeld neben den Absichten von Lidl mit Rückgrat vertritt, insbesondere eine konsequente Durchgrünung einarbeitet. Mit entsprechendem Nachdruck könnte so vielleicht sogar ein Prima-Klima-Lidl zu einem Gewinn für das Quartier werden.
Alternativ zum aktuellen Plan sei es gestattet, Zukunft an dieser Stelle auch anders zu denken: als Eigentlich-brauchen-wir-keinen-Lidl-Variante, mit maximal flächen-, grün- und ressourcenschonendem Konzept, mit Dorfplatz und Café am sanierten Hotel Heyder und mit Wohnhof nebenan.
Manfred Lindenau, Sprecher BUND, Burscheid
Kinder sollen nicht von Almosen leben
Zu: „Mit gutem Essen gegen die Armut kämpfen“
Almosen statt Daseinsvorsorge: Wer trägt hier die Verantwortung? Das Engagement des Rotary Clubs Leverkusen ist sicher gut gemeint und verdient Anerkennung. Was jedoch nachdenklich macht, ist die Art und Weise, wie die Stadtverwaltung diese Spende inszeniert. Während im städtischen Haushalt, auch durch Führungs- und Abrechnungsfehler wie bei der Rettungsdienstgebühr ein verursachter Verlust von mindestens 80 Millionen Euro entstanden ist – Geld, das der Stadt nun an allen Ecken fehlt –, wird die Grundversorgung von Kindern in städtischen Einrichtungen auf private Spenden verlagert?
Zur Einordnung: Mit dem verlorenen Geld hätte Leverkusen über Jahre hinweg allen Kindern in Kitas und Schulen ein kostenfreies, ausgewogenes Mittagessen finanzieren können. Besonders ärgerlich ist die rhetorische Umdeutung der Tatsachen. Wenn die Stadt in ihrer Mitteilung betont, dass Jugendliche lernen sollen, wie man durch die „Nutzung von Lebensmittelspenden“ günstig kocht, wird aus einem handfesten Armutsproblem eine angebliche pädagogische Bildungsmaßnahme.
Das ist kein Beitrag zu Chancengerechtigkeit, sondern die überhebliche Erklärung an die Kinder und Jugendlichen, das es für sie normal sein soll, auf mit Almosen – gespendeten Lebensmitteln – zu kochen. Dann können auch sie sich gesund ernähren. Etwas, was selbstverständlich sein sollte. Ohne Almosen!
Die gesundheitliche Versorgung und Teilhabe von Kindern sind Kernaufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge. Sie gehören verlässlich in den kommunalen Haushalt und dürfen nicht vom Engagement Privater oder dem Verteilen überschüssiger Supermarktware abhängen. Wenn Stadtdirektor Marc Adomat das als strukturellen Fortschritt lobt, verdreht das die Verhältnisse: Hier schließt die Zivilgesellschaft eine Lücke, die die Stadt und Staat durch Minderleistung selbst hinterlassen hat.
Von einer funktionierenden Stadtverwaltung darf man erwarten, dass sie ihre Finanzen im Griff hat – und Grundbedürfnisse ihrer Jugend eigenständig abdeckt, statt ehrlos Almosen als Erfolg zu verkaufen.
Alexandra Jorns, Leverkusen
26. Juli 2026
Zu den Vorgängen um den Bayer-Campus in Monheim
Niederlagen muss man akzeptieren
Mit der regelmäßigen Teilnahme an hochkarätigen Wettbewerben auf nationaler und internationaler Ebene bietet Bayer 04 Leverkusen zuverlässig große Unterhaltung und gilt als unser sportliches Aushängeschild mit überregionaler Strahlkraft. Wer die emotional hoch geladene, gemeinschaftlich leidende und jubelnde Atmosphäre im Stadion erlebt, erst recht den überschwänglichen Enthusiasmus bei großen Erfolgen, mag bereit sein für jedes Zugeständnis an den Verein.
Doch lohnt ein Blick hinter die Kulissen. Der Fußballverein Bayer 04 ist als GmbH eine hundertprozentige Tochter der Bayer AG und hat primär geschäftlichen Interessen zu dienen. Den Entscheidungen der Vereinsleitung liegt die Maximierung der Gewinne zugrunde. Dass nun Bayer das legal einwandfreie Votum des Monheimer Stadtrates gegen den Bau des neuen Fußball-Leistungszentrums als „verheerendes Signal“ für die Wirtschaft bezeichnet, könnte angesichts der 2200 Arbeitsplätze, die die Bayer AG in Monheim unterhält, als bedrohliches Signal verstanden werden. Das mächtige Wirtschaftsunternehmen bringt damit zum Ausdruck, dass es nicht bereit ist, unbequeme Entscheidungen der Politik hinzunehmen. Das ist gesellschaftspolitisches Powerplay auf Kosten unserer Demokratie.
„Fair Play“ sieht anders aus. Im Sport bedeutet es, Niederlagen zu akzeptieren, im Fußball sogar ohne zu maulen. Nichts anderes sollten wir von Bayer 04, das sich gerne als Vorbild präsentiert, erwarten dürfen. Nicht zuletzt steht der Verein nun vor allem deshalb so unter Druck, mit dem Bau neuer Trainingsplätze möglichst zügig zu beginnen, weil durch den drohenden Ausbau der A1 durch Leverkusen die dortigen Trainingsplätze verloren gehen. Jahrelang hat die Stadtgesellschaft, zum Teil unterstützt durch die Politik, versucht, dies zu verhindern. Rückhalt und Unterstützung von Bayer dabei: gleich Null. Wer ist hier der Verlierer?
Dany Kahindi, Leverkusen
Keine Zeit verlieren
Mediation beziehungsweise Moderation erforderlich: Die Diskussion um das von Bayer 04 geplante Trainingszentrum entlang der Monheimer Alfred-Nobel-Straße erscheint festgefahren. Es ist höchste Zeit, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und das am besten mit Unterstützung eines Mediators oder ein Team eines solchen. Open Space- und andere Formate haben sich bewährt, Themen mit vielen Beteiligten zu bearbeiten und einer für alle tragbaren Lösung zuzuführen. Die Moderation im Vorfeld des Baus der Münchner Allianz Arena könnte als Anregung dienen. Eine die Interessen aller Beteiligten berücksichtigende Einigung wäre zudem ein positives Beispiel dafür, wie die vielfältigen Blockaden in unserem Land aufgelöst und dieses zum Wohle aller vorangebracht werden könnte. Dabei darf keine weitere Zeit verloren werden.
Christian Schalk, Leverkusen
Entscheidung ist zu bedeutsam, um sie allein im Rat zu belassen
Die erneute Ablehnung des Bayer-04-Campus zeigt vor allem eines: Diese Entscheidung ist für Monheim zu bedeutsam, um sie allein im Rat zu belassen. Jetzt sollten die Bürgerinnen und Bürger selbst darüber entscheiden, ob das Planungsverfahren eingeleitet wird. Der Schutz des Regionalen Grünzugs verdient höchste Aufmerksamkeit. Gerade deshalb hätte das beantragte Bauleitplanverfahren eröffnet werden sollen. Dort wären die Umweltauswirkungen der aktuellen Planung, vernünftige Planungsalternativen und die Stellungnahmen der Fachbehörden geprüft worden. Eine Genehmigung des Campus wäre damit noch nicht verbunden gewesen. Stattdessen wurde bereits die Einleitung dieser fachlichen Prüfung abgelehnt. Damit bleibt eine zentrale Frage offen: Wie schneidet der überarbeitete Campus im konkreten Umweltvergleich mit der auf einem Teil der Fläche bereits zulässigen Gewerbebebauung ab? Auch die Ablehnung eines Ratsbürgerentscheids überzeugt mich nicht. Die letzte Kommunalwahl war keine Abstimmung über die aktuelle Campusplanung. Aus ihrem Ergebnis lässt sich kein eindeutiger Bürgerwille zu dieser konkreten Frage ableiten. Die Debatte ist inzwischen so verhärtet, dass ein weiterer Ratsbeschluss sie kaum befrieden wird. Ein Ratsbürgerentscheid wäre daher kein Zeichen politischer Schwäche, sondern demokratischer Stärke. Nach einer ausgewogenen Information über Chancen, Risiken und Folgen sollten die Monheimerinnen und Monheimer selbst entscheiden. Bayer 04 ist weit mehr als ein Fußballverein. Für viele Menschen in Leverkusen, Langenfeld, Monheim und darüber hinaus ist der Club Teil regionaler Identität und ein bedeutender Botschafter der Region. Auch deshalb sollte ein Vorhaben dieser Tragweite nicht an festgefahrenen politischen Fronten scheitern. Jetzt ist der Zeitpunkt, den Bürgerinnen und Bürgern das Wort zu geben. Ein klares Votum könnte die Debatte befrieden und der weiteren Entscheidung eine breite demokratische Legitimation verleihen.
Benjamin Pfleger, Mannheim
Zu „Manfort wird Sanierungsgebiet“ am 22. Juli
Wo sind die Radwege?
Es tut gut zu erfahren, dass in Leverkusen trotz Haushaltskrise weiter Richtung Zukunft gedacht und geplant wird, Manfort hat dringend eine gründliche Sanierung nötig. Jedoch wird an keiner Stelle des Artikels deutlich auf Nahmobilität als vordringliches Problem eingegangen. Manfort ist – wie auch andere Stadtteile Leverkusens – vornehmlich Durchquerungsgebiet und ist sehr stark von Durchfahrtsverkehr sehr vieler Kfz belastet. Für Fahrradfahrer ist Manfort hingegen schwierig bis lebensgefährlich, wesentliche Achsen entlang der Rathenaustraße, der Bismarckstraße, der Manforter Straße sowie der Gustav-Heinemann-Straße sind für echten Radverkehr viel zu eng, holprig und voller unklarer Verkehrsführungen. Gemäß des 2020 beschlossenen Mobilitätskonzepts sollte im Rahmen einer Stadtteilentwicklung endlich auch der im Konzept dringend angeratene Vorrang für Radverkehr und ÖPNV realisiert werden. Es muss gelingen, in Manfort einen Teil eines zukünftigen Leverkusener Radverkehrsnetzes zu verwirklichen. Nur so kann Kfz-Verkehr reduziert werden, auch zugunsten jener, die auf das Auto nun mal angewiesen sind, denn je mehr Menschen auf Rad und ÖPNV umsteigen, umso weniger Staus, Unfälle und Lärm wird es geben. Übrigens gibt es auch für den Ausbau von Radverkehr Fördergelder von Land und Bund in Höhe von 90 - 95 Prozent der Gesamtkosten. Leverkusen ist allerdings leider an hinterer Stelle der Gemeinden in NRW bei der Inanspruchnahme dieser Gelder, trotz dringenden Bedarfs und trotz eines dahingehend beschlossenen Mobilitätskonzepts.
Henning Kaltheuner, Leverkusen
Zu „Heiße Diskussion um Hilgens neue Mitte“ am 20. Juli
Geld sparen, indem man Bürger fragt
Da hat der Moderator schon recht: Selbst für Bauvorhaben, die das Stadtbild nachhaltig prägen, muss Burscheid beileibe keine Bürgerinformationsveranstaltung organisieren. Die Stadt hat das etwa auch nicht getan im Falle der sogenannten „Neuen Mitte“ in der Montanusstraße. Oder bei dem großen Block, der gerade an der Friedrich-Goetze-Straße aufwächst. Und selbst im Rahmen der sehr erinnerungswürdigen Bürgerinformationsveranstaltung vom 13.5.2019, der ersten und letzten unter einem laufenden „Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzepts Burscheid 2025“, da hatte ein Architekt eine lebhafte Bürgerdebatte mit den Worten beendet: Es sei schon eine Unverschämtheit, wenn Bürger zu Themen, die von Experten in den zuständigen Gremien bereits eingehend erörtert wären, plötzlich eigene Vorschläge einbrächten. Wohlgemerkt, die Verwaltung widersprach diesem robusten Ordnungsruf auch nicht. Wohl aber bestätigte der Bund der Steuerzahler später ausdrücklich: Die von den Bürgern damals kritisierte Rampe mit aussichtsloser Aussichtsplattform, das sei reine Verschwendung. Blicken wir nochmal auf die leider so triste Entwicklung an der Montanusstraße: Hier wäre eine wirksame Bürgerbeteiligung wohl ebenfalls der bessere und der steuersparende Weg gewesen. Vermutlich hätte sie der systemintelligenten Kenntnis der Projektentwickler von Düsseldorfer Förderchancen wirksam eigenes Ortswissen und auch die nüchterne Frage nach Aufwand und nach der Burscheider Nachfrage entgegensetzen können. Diese Fragen stellen sich übrigens verschärft beim nun geplanten Lidl-Markt: Laut eingeholtem Gutachten käme Burscheid mit dieser neuen Discounter-Verkaufsfläche auf ein Überangebot von rekordverdächtigen 200 Prozent derjenigen Fläche, die in dieser Republik jedem sonstigen Einwohner zu Gebote stehen. Die Folge: empfindliche Auswirkungen auf die Konkurrenz, die kommunale Nachbarschaft und das Steueraufkommen der Region. Viel hilft nicht immer viel. Augenmaß ist besser. Wie kann man es im Verfahren künftig besser machen? Nun, Burscheid hat doch schon einen neuen Goldstandard der Planung mit Bürger*innen – das frisch renovierte Kramerhaus: Wenige ortsferne Berater, viel lokale Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft & Verwaltung und ein sehr respektables, akzeptanzbildendes Ergebnis: Geht doch! Eine beherzte Bürgerbeteiligung ist eben kein Wagnis, sondern ein zeitgemäßes Gebot von Fairness und Vernunft.
Karl Ulrich Voss, Burscheid
19. Juli
Zu den Vorgängen um den Bayer-Campus in Monheim
Bayer schert sich nicht um Solidarität mit Leverkusener Stadtgemeinschaft
Die Vorgänge um den sogenannten Bayer-Campus in Monheim verdeutlichen wieder einmal, worum es dem Konzern und seinen Abkömmlingen schon vor 50 Jahren im Zusammenhang mit der kommunalen Neugliederung wirklich ging und immer noch geht. Man wollte die Möglichkeit der direkten Einflussnahme bei Entscheidungen des Leverkusener Rates durch die drohende Eingliederung der bis dahin kreisfreien Stadt Leverkusen in einen neuen Kreis mit unabhängigen Kreistag nicht verlieren. Daher baute man für die Bevölkerung den Popanz „Eingemeindung nach Köln“ auf und forcierte die Bewegung „LEV muss leben“.
Am Beispiel Monheim erlebt man bei Bayer nun staunend, was es heißt, wenn ein Stadtrat selbstständig entscheidet. Dreimal hat der Monheimer Rat sich nun mehrheitlich gegen den „Campus“ ausgesprochen. Doch der „Weltkonzern“ versteht es offensichtlich immer noch nicht. Wie damals schalten sich plötzlich Politiker von außerhalb ein. Diesmal wird Druck auf Mitglieder des Monheimer Stadtrates aufgebaut. Leverkusener CDU-Vertreter wollen ihren Monheimer Parteikollegen ins Gewissen reden und angeblich mahnt sogar Herr Wüst ein „übergeordnetes Interesse des Landes“ an und warnt vor einer Blamage für die Olympiabewerber. Eine völlige Verdrehung der Tatsachen, denn man hatte ja im Vorfeld mit Nachhaltigkeit und dem Vorhandensein der meisten Sportstätten argumentiert.
Die Vorgehensweise von Bayer zeigt deutlich, wie wenig sich der Konzern noch um die Solidarität mit der Leverkusener Stadtgemeinschaft schert. Man unterstützt unverhohlen und gegen die Interessen der Bevölkerung die brutalen Autobahnausbaupläne, stellt deren Umsetzung als unausweichlich hin, beklagt dann den Verlust der benachbarten Trainingsmöglichkeiten, um am Ende in Monheim penetrant Stimmung zu machen. Ist es eigentlich bei alledem verwunderlich, dass scheinbar der Widerstand gegen den Autobahnausbau gerade in der Leverkusener CDU schwächer wird und man sich in Politik und Verwaltung nunmehr „gesprächsbereit“ zeigt.
Anstatt sich in Monheim einzumischen, sollte der Leverkusener Rat endlich einmal klar Stellung beziehen zum rücksichtslosen Gebaren des Bayer-Konzerns und seiner Ableger. Das gilt aktuell auch für die jahrelange massenhafte Grundwasserentnahme trotz längst abgelaufener Genehmigung, das Verunreinigen des niederländischen Trinkwassers und die Behauptung, es gebe keine Filter für die Ewigkeitschemikalien.
Roland Hölzer, Leverkusen
Zu „Das Ende der Klassiksonntage“ am 18. Juni
Arme Kulturstadt Leverkusen
Ich bin außerordentlich enttäuscht von der Art und Weise, wie mit uns Konzertabonnenten umgegangen wird. Es war ein echtes Sonntagsvergnügen: Angefangen mit den sehr fundierten Einführungen. Der Dirigent, Herr Joeres ließ in besonderer Weise das abendliche Konzert „vorschmeckend“ genießen. Das alles soll es nicht mehr geben. So geht man nicht mit einem Orchester, mit Zuhörern und dem Dirigenten, Herrn Joeres, um. Die WSL spielte mit solcher Freude und Engagement. Ein Abschlusskonzert wäre da das mindeste gewesen, was man auch den Zuhörern hätte bieten können, zum großen Teil Abonnenten, die dem Orchester und seinem Dirigenten über Jahrzehnte die Treue hielten. Für die Einführungsvormittage waren die erforderlichen 6000 Euro aufgebracht worden. Einen Dirigenten wie Herrn Joeres, einen „Edelstein“ gibt es nicht ein zweites Mal. Er war ein Geschenk für Leverkusen. Arme Kulturstadt Leverkusen!
Hildrun Haase, Odenthal
12. Juli
Zu „Weiterer Verdacht auf Sozialbetrug“ am 10. Juli
Konsequentes Handeln bei Rechtsverstößen
Die extreme Hitzewelle der vergangenen Woche hat gezeigt, wie verletzlich unsere Städte gegenüber den Folgen des Klimawandels sind, und hat leider auch in Leverkusen Menschenleben gekostet. Bei ernst genommenem städtischen Klimaschutz könnten diese Menschen vielleicht noch leben. Mein besonderer Dank gilt insbesondere den Beschäftigten im Gesundheitswesen, den Einsatzkräften von Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und allen weiteren Helferinnen und Helfern, die unter extremen Bedingungen für die Menschen in Leverkusen da waren. Umso mehr beschäftigt mich eine andere Frage: Gilt geltendes Recht in unserer Stadt eigentlich konsequent für alle? Nach dem Aktionstag gegen Problemimmobilien, bei dem unter anderem auch der KOD, das Jobcenter Leverkusen, Stadtverwaltung, Polizei, die Feuerwehr und unser Leverkusener Oberbürgermeister anwesend waren, erklärte unser Oberbürgermeister Stefan Hebbel in der städtischen Pressemitteilung vom 9. Juli zum Aktionstag zu Recht: „Wer gegen geltendes Recht verstoße, müsse mit konsequentem Handeln rechnen“.
Dem kann man nur zustimmen. Rechtsstaatlichkeit bedeutet schließlich, dass Gesetze unabhängig vom jeweiligen Thema angewandt werden. Auf der anderen Seite fragen sich die Leverkusener Bürgerinnen und Bürger dann aber zu Recht – wie wichtig sind Sicherheit und Ordnung der CDU wirklich? Wie wichtig sind die Gesetze, das Grundgesetz, das Informationsfreiheitsgesetz, das Bürgerliche Gesetzbuch, die unser demokratisches Zusammenleben regeln, wenn die CDU sie zum Teil abschaffen will oder unterschiedlich wertet? Wenn wir die Aussage von unserem Oberbürgermeister Stefan Hebbel ernst nehmen, dann müsste dies z. B. auch für § 8 der Bauordnung NRW gelten, die das unrechtmäßige Anlegen von Schottergärten verbietet. Gerade begrünte Vorgärten leisten einen wichtigen Beitrag gegen Hitze, fördern die Artenvielfalt und verbessern das Stadtklima. Die konsequente Anwendung geltenden Rechts dient deshalb nicht nur dem Umweltschutz, sondern auch dem Schutz der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger. Viele Bürgerinnen und Bürger investieren bereits Zeit und Geld in begrünte Vorgärten und halten sich damit an die geltenden Vorschriften, andere tun dies nicht – und das oft nur aus Unkenntnis, manchmal vielleicht auch bewusst.
Deshalb braucht es zunächst Aufklärung und Unterstützung. Gleichzeitig darf aber nicht der Eindruck entstehen, dass manche Gesetze konsequent durchgesetzt werden und andere nicht. In einer Zeit, in der rechtsextreme Kräfte und insbesondere die AfD das Vertrauen in demokratische Institutionen gezielt schwächen wollen, sollten demokratische Parteien und Verantwortungsträger besonders darauf achten, Recht und Gesetz glaubwürdig und nachvollziehbar anzuwenden. Vertrauen entsteht dort, wo Regeln für alle gelten – unabhängig davon, ob es um Sicherheit, Ordnung oder Klimaschutz geht. Wer fordert, dass Gesetze eingehalten werden, sollte dies bei allen Gesetzen gleichermaßen tun.
Alexandra Jorns, Leverkusen
Zu „EVL eröffnet neues Kundencenter“ am 4. Juli
Die Stadt als lukrative Beute
Da war ich wirklich überrascht, als ich lesen musste, dass der Geschäftsführer der EVL, Herr Eimermacher, vorzeitig – ohne besondere Begründung – abberufen werden soll, obwohl sein Vertrag bis 2028 läuft. Denn ich erinnere mich noch gut daran, dass Herr Eimermacher, seinerzeit Fraktionsvorsitzender der CDU im Leverkusener Stadtrat, mit überwältigender Mehrheit aus CDU, SPD und Grünen – ich glaube mittlerweile als einziger Kandidat für diesen Posten – nominiert wurde. Natürlich gab es auch damals einige Querulanten im Stadtrat, die diese Nominierung als parteiinternen Filz bezeichneten, um einen ergiebigen Posten zu erlangen. Doch war Herr Eimermacher in den Augen der Mehrheit des Stadtrates die beste und kompetenteste Wahl für diesen Geschäftsführerposten, und seine langjährige Tätigkeit im Stadtrat Leverkusen für die CDU und als Fraktionsvorsitzender spielte dabei absolut keine Rolle. Eben die auch für Spitzenbeamte wie unsere Dezernenten sogenannte Bestenauslese für Leverkusen hatte hier gegriffen und zum Erfolg geführt.
Und jetzt soll Herr Eimermacher vorzeitig trotz seiner offensichtlichen Kompetenzen abberufen werden? Was hat sich geändert und wie steht der Stadtrat dazu? Wird ihm nun die Kompetenz als alleiniger Geschäftsführer auf einmal abgesprochen, da er kein Wirtschaftswissenschaftler ist und war? Und warum wartet man nicht einfach das Auslaufen des Vertrages ab? Nein, vielmehr wird natürlich eine Abfindung bezüglich des „fetten Gehalts“ neben dem neuen fetten Gehalt für den neuen Geschäftsführer gezahlt werden. Sehr merkwürdig, oder wartet da schon wieder ein neuer superkompetenter Kommunalpolitiker auf seine wohlverdienten Meriten und die Ausschreibung muss natürlich formal durchgeführt werden?
Es ist schon mehr als erstaunlich, was sich klamme Kommunen so fiskalisch beim Spitzenpersonal leisten. Da werden fehlerbehaftete Dezernenten nicht abgewählt und monate- bzw. jahrelang bei vollen Bezügen als Spitzenbeamte vorläufig in den Ruhestand versetzt, Geschäftsführer ohne Not vorzeitig mit „fetten Abfindungen“ abberufen und uns Bürgern wird erklärt, dass im Bürgerbüro nebenan der Service aufgrund fehlender Mittel eingeschränkt werden muss. Aber ich vergaß, es gab und gibt ja immer wieder neue verdiente Kommunalpolitiker oder Fraktionsvorsitzende, die sich für die Bestenauslese stark machen. Der Staat oder die Stadt als lukrative Beute, auch ein schönes Geschäftsmodell.
Thomas Gessner, Leverkusen
Zu „Das Ende der Klassiksonntage“ am 18. Juni
Ein fatales Zeichen für die Kultur der Stadt
Mit Empörung haben wir den Artikel „Das Ende der Klassiksonntage“ im Stadtanzeiger gelesen. Wie das städtische Kulturamt mit uns langjährigen Abonnenten, mit der Westdeutschen Sinfonia Leverkusen und ihrem Dirigenten, Herrn Dirk Joeres, umgeht, ist – gelinde gesagt – eine Unverfrorenheit. Seit 1987 freuen wir uns auf die Konzerte der WSL und seit nun fast 20 Jahren auf das tolle Angebot der Klassiksonntage mit dem Profiorchester unter seinem Spitzendirigenten Dirk Joeres.
Nicht nur die Auswahl des Programms, sondern auch die Darbietung sind Weltklasse, und Leverkusen müsste stolz sein auf sein Orchester. Ein besonderes Highlight ist jedes Mal die Einführung im Schloss, das auch ein Highlight in Leverkusen ist. Das ist keine mehr oder minder interessante und kopflastige Einführung ins Programm, die man sich ebenso aus dem Internet holen kann, sondern ein sehr kurzweiliges, zweistündiges Gesprächskonzert mit Solisten und Pianisten. Es mag sein, dass die öffentliche Generalprobe nur wenig Interessenten findet, die Einführung im Schloss ist immer sehr gut besucht. Als ganz besonders ärgerlich empfinden wir langjährigen Abonnenten, dass wir so spät mit dem Ende der Klassiksonntage konfrontiert wurden und ein Abonnement kündigen sollen, das es überhaupt nicht mehr gibt.
Dass Leverkusen das „Bonbon“ der Klassiksonntage aufgibt, ist ein fatales Zeichen für die Kultur der Stadt. Wir hatten uns schon sehr auf das 40-jährige Jubiläum im nächsten Jahr gefreut und hoffen, dass das Kulturamt der Stadt das Orchester und seinen Gründer und Dirigenten wenigstens mit einem Konzert würdig verabschiedet.
Emmy Kühnert und Renate Nels, Leverkusen
Zu „GBO-Chef widerspricht Darstellung der Stadt“ am 16. Juni
Dieses Mal muss Denkmalschutz den Kürzeren ziehen
Mit Interesse habe ich die Diskussionen und Leserbriefe zur beabsichtigten Baumaßnahme des Gemeinnützigen Bauvereins Opladen in der Schillerstraße gelesen. Hier handelt es sich wiederum um einen klassischen Zielkonflikt (Denkmalschutz – Daseinsvorsorge). Angesichts hoher Mieten und fehlendem Wohnraum in unserer Region muss meines Erachtens der Denkmalschutz in diesem Falle den Kürzeren ziehen. Wohnen ist ein Existenzbedürfnis. Deshalb habe ich volles Verständnis für Herrn Dederichs, der sich bei der Mitgliederversammlung des GBO darüber aufregte, dass die Stadt Leverkusen die Prüfung des Denkmalschutzes für dieses Gebäude beantragt hat.
Bei entsprechender Einstufung würden über 30 Wohnungen nicht gebaut werden können. Denkmalschutz ist sicherlich wichtig, aber in Opladen sollte man sich lieber diesbezüglich auf das Gebäude der ehemaligen Landwirtschaftsschule konzentrieren und eine vernünftige Nutzung in Betracht ziehen. Auch sei daran erinnert, dass das Amtsgericht Gott sei Dank erhalten geblieben ist und die Schule im Hederichsfeld wunderbar im alten Stil saniert wurde. Der Gemeinnützige Bauverein schafft bezahlbaren Wohnraum, garantiert keine absurden Mieterhöhungen oder Kündigungen wegen Eigenbedarfs.
Wie alle Genossenschaften ist der GBO nicht renditeorientiert und damit liegen die Nutzungskosten deutlich niedriger als die Mieten auf dem freien Markt. In der derzeitigen Situation auf dem Wohnungsmarkt sollten dem GBO keine Steine in den Weg gelegt werden.
Walter Schröder, Leverkusen
6. Juli
Zu „Trotz Finanznot Spielräume schaffen. Kein Wald der Jugend“ am 30. Juni
Bäume zu pflanzen, ist nicht verzichtbar
Wald der Jugend und Freundschaft – vor 37 Jahren beschlossen, jetzt das Aus? Die Entscheidung, den „Wald der Jugend und der Freundschaft“ in Rheindorf nun endgültig zu beerdigen, ist ein fatales Signal – ökologisch, politisch und moralisch. Sie fällt zudem in eine Zeit, in der Deutschland unter einer historischen Hitzeperiode leidet, mit Waldbrandwarnstufen, ausgetrockneten Böden und einer Klimadynamik, die längst nicht mehr abstrakt ist, sondern täglich spürbar. Genau jetzt wäre konsequentes Handeln notwendig – und kein Rückzug.
Hinzu kommt: Die Idee dieses Waldes ist nicht irgendeine lokale Laune, sondern ein Jugend- und Freundschaftsprojekt, das seinen Ursprung in Leverkusens Partnerstadt Oulu in Nordfinnland hat. Dort pflanzen junge Menschen seit den 1980er-Jahren gemeinsam Waldstücke – ein sozial-ökologisches Gemeinschaftswerk, das Identität stiftet und Generationen verbindet. Leverkusen hat diese Idee 1989 aufgegriffen und politisch beschlossen, also bereits vor 37 Jahren. Seitdem wurde das Projekt mehrfach bestätigt, zuletzt einstimmig durch die Bezirksvertretung I im September 2021. Die Verwaltung hatte keinerlei naturschutzrechtliche Bedenken, die Fachverwaltung sah das Vorhaben im Einklang mit den Entwicklungszielen.
Es lag also alles vor, was man für eine Umsetzung braucht: politische Zustimmung, fachliche Zustimmung, historische Kontinuität – und ein internationaler Ursprung, der die Bedeutung des Projekts noch verstärkt. Umso irritierender ist die nun öffentlich geäußerte Haltung der CDU-Fraktion. Dieselbe CDU, die 2021 noch betonte, der damalige Initiator Bernhard Marewski (und Autor dieses Leserbriefs, Anm. d. Red.) sei „seiner Zeit weit voraus“ gewesen und habe „einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz geleistet“, dieselbe CDU, die den Abschluss des Projekts forderte, weil „mehr als 30 Jahre ins Land gezogen“ seien – genau diese CDU stimmt nun gemeinsam mit SPD und FDP gegen die Aufforstung. Das ist ein bemerkenswerter Wandel des ökologischen Bewusstseins.
Dazu passt, wenn in Leverkusen derzeit aus „Kostengründen“ auf Nachpflanzungen von Straßenbäumen verzichtet werden soll und sogar auf Schulhöfen wie an der Montanus-Realschule, wo zahlreiche Bäume für Containerbauten gefällt worden waren. In Zeiten des Klimawandels sind Bäume keine „freiwillige Aufgabe“, sondern elementare Infrastruktur: Sie kühlen Städte, speichern Wasser, filtern Luft und schützen Gesundheit. Wer das ignoriert, handelt fahrlässig. Die Stadt Leverkusen befindet sich in einer Haushaltskrise – das ist bekannt. Aber Klimaschutz ist kein Luxus, den man sich leistet, wenn es finanziell passt. Er ist eine Pflicht gegenüber kommenden Generationen.
Ein „Wald der Jugend und der Freundschaft“ wäre nicht nur ein ökologisches Projekt gewesen, sondern ein pädagogisches, ein identitätsstiftendes, ein verbindendes. Ein Ort, an dem junge Menschen buchstäblich Zukunft pflanzen. Dass dieses Projekt nun ausgerechnet in einer Zeit aufgegeben werden soll, in der die Klimakrise täglich deutlich sichtbarer wird, ist ein Fehler.
Bernhard Marewski, Leverkusen
Zu „Remigius-Krankenhaus bei Hitze zeitweise überlastet“ am 29. Juni
Klimaschutz verpasst
In diesen Tagen ist wahrscheinlich in Leverkusen das eingetreten, was vermeintlichen Klima-Apokalyptikern als Panikmache angehangen wurde: Es wird Hitzetote geben. Besonders in der Dekade des letzten Oberbürgermeisters – sicherlich eine entscheidende Phase für effiziente Strategien der Klimaanpassung – haben politische Entscheidungsträger wider besseren Wissens mehrheitlich alles darangesetzt, Klimaschutzmaßnahmen wie die Baumschutzsatzung, das Verbot von Schottergärten und eine Durchgrünung zu boykottieren.
Mit dem Schutz von vitalen Lebensinteressen der Bevölkerung hat das nichts zu tun, aber mit Einflussnahmen egoistischer Einzelinteressen von Grundstücksbesitzern und kommerziellen Bodenversieglern. Just am Gesundheitstag der Stadt Leverkusen kommt es zum Klimakollaps mit allen negativen Begleiterscheinungen. Zufällig passend, dass unsere Feuerwehr eine Sprühnebel-Einrichtung in der City vorführt. Andere Stadtteile wie Opladen, Lützenkirchen und Schlebusch hätten sicherlich einen solchen Sprühnebel als Zeichen verantwortungsbewusster Daseinsvorsorge auch gerne vorgefunden.
Auf die Zukunft hin betrachtet, kann man es auch so sehen: Langfristig ignorante Klimapolitik schädigt nicht nur Leib und Leben, sondern bringt auch das Wirtschaftsleben immer wieder zum Erliegen. Nur angenehme, klimageschützte Stadtzonen lassen Ladenkassen weiter klingeln. Warum erreicht dieses Wissen die Köpfe von vielen Politikerinnen und Politikern nicht?
Raimond Schmahl, Leverkusen
Zum Straßenbau in Leverkusen (ohne Artikelbezug)
Der Straßenbau geht zu langsam
Die Stadt Leverkusen hatte Ende letzten Jahres die Instandsetzung der Straßen Saarstraße und Am Dhünnberg angekündigt und dann sehr zügig die Baustellen eingerichtet. Schon damals überraschte die Aussage bezüglich der Saarstraße, dass dies circa ein Jahr dauern sollte, und dies bei einer Länge von lediglich 850 Metern. Nun denn, die Stadt (vermutlich im Zusammenwirken mit ihren Technischen Betrieben, TBL) scheint Wort zu halten oder sich eventuell sogar zu übertreffen: Stand heute sind ungefähr 100 Meter der Saarstraße nach nur einem halben Jahr teilweise fertiggestellt und weitere circa 100 Meter gesperrt und grob angearbeitet. Die grob 150 Meter Am Dhünnberg wurden nach circa einem halben Jahr fertiggestellt.
Zum Vergleich: In der gleichen Zeit hat die viel gescholtene Autobahn GmbH zwölf Kilometer Autobahn (zwei Fahrbahnen, Standstreifen, Abwasser usw.) auf der A59 von Düsseldorf Süd bis zur Ausfahrt Monheim komplett fertiggestellt. Mich würde es nicht wundern, wenn Leser zahlreiche weitere Beispiele dieser Art in unserer Stadt benennen können. Unnötig zu erwähnen, dass man sehr selten die anscheinend öffentlichkeitsscheuen Arbeiter oder Bewegungen von Gerät beobachten kann. Immerhin sitzt man jetzt in der Trattoria an der Saarstraße wunderbar ruhig auf der Terrasse. Das ist seitens der Verwaltung und TBL eine inakzeptable, desaströse „Leistung“. Oder doch nur ein raffiniertes ökologisches Glanzstück zur Verkehrsberuhigung? Wann liefert das Verkehrsdezernat? Ich hoffe, unser noch recht frisch im Amt befindlicher OB sorgt hier für ein besseres Tempo.
Uwe Baust, Leverkusen
Zu „Pünktlich kommt die Benzinpreiserhöhung“ am 3. Juli (nur in der gedruckten Ausgabe)
Der Tankrabatt war dumm
Zwiespältig war meine Reaktion auf diesen Tankrabatt: Einerseits ärgerlich, da ich als Radfahrer zwar als Steuerzahler dafür bezahlen musste, aber nichts davon hatte. Andererseits ist meine Teilnahmeart am Verkehr gefeit gegen solche reinen Spekulationsgewinne der Ölindustrie. Zukunftsgewandt wäre entweder eine Senkung der Stromsteuer gewesen, von der alle Verbraucher Nutznießer gewesen wären und die die Elektromobilität gefördert hätte, oder eine Subvention des Deutschlandtickets. Aber ist’s nicht merkwürdig, wie sich das reimt: Brumm, brumm, brumm, Tankrabatt, wie dumm.
Manfred Urbschat, Leverkusen
Zu „Die Balkantrasse wird bienenfreundlich“ am 16. Mai
Lob für die Stadtverwaltung
Danke an die Stadt Leverkusen für die Unterstützung des neuen Baumparcours an der Balkantrasse. In herausfordernden Zeiten ist es schon sehr erfreulich, wenn Städte lokale Projekte unterstützen. Bei der Realisierung des neuen Baumparcours an der Balkantrasse hat sich die Stadt Leverkusen absolut vorbildlich verhalten. Denn erst der großartige Einsatz des Fachbereiches Stadtgrün hat dieses im wahrsten Sinne zukunftsweisende Projekt möglich gemacht. Auch das Engagement der Stadtverwaltung Leverkusen wurde im Artikel des „Leverkusener Anzeigers“ herausgestellt.
Engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Stadtgrün Leverkusen halfen bei der Planung, übernahmen die Pflanzarbeiten der außergewöhnlichen Baumarten und gießen die neu gepflanzten Bäume während der Sommermonate. Mit dem Baumparcours kann die Öffentlichkeit an der Balkantrasse „erfahren“, wie wichtig trockenheitsresistente und insektenfreundliche Bäume für Städte sind. Die Stadt Leverkusen hat sich um den Baumparcours „Bienenfreundliche Zukunftsbäume“ an der Balkantrasse verdient gemacht. Wir möchten uns bei den engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Stadtgrün Leverkusen dafür bedanken.
Bernd Nafe und R. Glüsenkamp, Leverkusen
29. Juni
Zu „Ausschreibung zur Autobahn“ am 26. Juni
Nachrichten über den Fortgang des Autobahnausbaus in unserer Stadtmitte werden auch in Zukunft unbequeme Wahrheiten verkünden. Die über das Bisherige hinausgehenden Einschränkungen und Verluste sind erschreckend und wurden uns wohlweislich von der Bundesbehörde nicht in aller Deutlichkeit vor Augen geführt. Erheblich verdient gemacht hat sich diesbezüglich über Jahre hinweg unsere ehemalige Ratsfrau Gisela Kronenberg, die sich mit großem Engagement, hartnäckig und detailliert in die Planungen einarbeitete und deren Konsequenzen für die Stadt offenlegte.
Abgesehen von zarten Ansätzen hat das gigantische Ausmaß nicht zu nennenswerten Protesten geführt. Die kommunalpolitische Initiative „Keinen Meter mehr“ verlief wenig überraschend im Sande. Dass Leverkusen in der Summe durch den massiven Ausbau nichts zu gewinnen hat, ist offensichtlich. Umso dringlicher ist es nun, auf kommunaler Ebene alles Mögliche zur Stressreduzierung und für einen Gewinn an Lebensqualität zu unternehmen.
Klar ist, dass dazu gute Luft gehört, die wir über Bäume und Pflanzen bekommen. Wir brauchen Erholungsräume und Orte mit Aufenthaltsqualität, um zur Ruhe zu kommen und soziale Begegnungen zu pflegen. Die Stadt verfügt über ausgezeichnete Konzepte. Die miserable finanzielle Schieflage darf nicht als billige Entschuldigung vorgeschoben werden, wenn es an deren Umsetzung hapert. Es ist nicht nachvollziehbar, was an einer Baumschutzsatzung teuer sein soll. Die Satzung zu erlassen, für die es durch zahlreiche Bürgeranträge und in anderen Kommunen vorbildliche Beispiele gibt, kostet den Rat eine politische Entscheidung.
Vorhandenen Wohnraum zu verdichten, statt Neubauten auf der grünen Wiese zuzulassen, ist eine Frage des politischen Willens. Neue Fahrradwege oder ihr Ausbau sind nicht teurer als Fahrbahnen für den motorisierten Verkehr. Das Verbot von Schottergärten kostet ebenfalls nicht mehr als einen politischen Beschluss. Es würde ökologisch wertlose Flächen verhindern und im Übrigen Landesrecht durchsetzen. Die so häufig zur Ablehnung vorgeschobene Begründung, das sei alles nicht kontrollierbar, unterstellt uns Bürgerinnen und Bürgern pauschal, uns nicht an geltendes Recht und Gesetz zu halten. Dagegen verwahre ich mich.
Und möchte die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung dazu auffordern, die vorhandenen, auf unsere Kosten und in unserem Interesse erstellten Konzepte endlich in die Tat umzusetzen. Wer sich dazu nicht in der Lage sieht, sollte seine Funktion in der Stadt hinterfragen. Meines Wissens basiert die Ausübung eines politischen Mandats und auch die Mitarbeit in der Verwaltung auf Freiwilligkeit und der guten Absicht, im Dienst der Gemeinschaft zu deren Wohl beizutragen.
Dany Kahindi, Leverkusen
Der Bericht über die nun veröffentlichte Ausschreibung zum Autobahnausbau könnte „das Leverkusener Gruselbuch“ genannt werden und dazu passen die beiden Körperbildsprüche: Augen (und Ohren) zu und durch – für die Autobahn GmbH. Und die Hände über dem Kopf zusammenschlagen – für die Leverkusener. „… Kritik aus Leverkusen kann nur einmal geäußert werden, es gibt auch nur einmal die Möglichkeit, gegen das Verfahren vor Gericht zu ziehen. Und es werden Straßen geplant, die erst in vielen Jahren gebaut werden. Ist die Autobahn erst genehmigt, wird auch so gebaut, auch wenn die Verkehrszahlen womöglich gar nicht mehr die breiten Straßen erfordern …
Eine der zugrunde gelegten Verkehrsprognosen stammt aus dem Jahr 2013, eine andere aus 2014. Die Verkehrszahlen auf deutschen Autobahnen sind inzwischen gesunken …“
Für die Leverkusener könnte also sowohl ein jahrelanges Baustaudesaster für den Verkehr als auch hinterher ein Denkmal der blindwütig gestrigen Verkehrsplanung und Zerstörung von Stadtstrukturen drohen. Auch als Steuerzahler macht mich eine solche Sturheit wütend. Bleibt fast nur die makabre Hoffnung auf schlechte zukünftige Steuereinnahmen, sodass daran dieser Monsterausbau scheitert? Oder sollten die Wähler doch noch eine zukünftige, weitsichtigere Bundesregierung wählen, welche ein Einsehen hat?
Manfred Urbschat, Leverkusen
Zu „Geschwister vor Abschiebung“ vom 19. Juni
Seit vielen Jahren sagen uns die Demografen, dass in Deutschland zu wenig Kinder geboren werden. Sie fordern die Regierung auf, Zuzug aus dem Ausland zu forcieren, damit später die Renten noch bezahlt werden können. Und die Regierung hat stolz verkündet, dass sie vier Busfahrerinnen aus Afrika angeworben hat.
Nun sind in Leverkusen Jugendliche, die hier aufgewachsen und erfolgreich in der Schule sind und vor dem Abschluss stehen. Sie sollen ausgewiesen werden. Und man fragt sich, wie dies mit dem vorher Beschriebenen zusammenpasst. Was für eine Denkweise steht dahinter? Es geht hier nicht um den gesunden Menschenverstand – es geht hier um Ideologie.
Weshalb sollen die Jugendlichen ausgewiesen werden? Sie haben die falschen Eltern. Das erinnert an die Zeit vor neunzig Jahren. Da gab es auch eine Regierung, die aus dem gleichen Grund Menschen separiert hat. Es hat sich im Denken der Politiker nichts geändert.
Die Regierenden sehen immer noch die Menschen als Sklaven an. Wieso bin ich deutscher Staatsbürger? Ich bin in meinem langen Leben nie gefragt worden, ob ich deutscher Staatsbürger werden wollte. Die Regierung setzt fest, dass ich die Staatsbürgerschaft meiner Eltern habe. Das ist wie bei den Sklaven in früheren Zeiten. Da gehörten die Kinder der Sklaven auch dem Sklavenhalter.
Vor vielen Jahren habe ich einen Film gesehen. Er spielte wohl vor mehr als 150 Jahren in den Südstaaten der USA. Da vereinbarten die Sklavenhalter eines Gebietes, entlaufene Sklaven gemeinsam zu suchen und an die Eigentümer zurückzugeben. So etwa kommt mir auch das vor, was die Regierungen heute machen. Verletzungen von Menschenrechten werden immer nur dann angeprangert, wenn sie von Anderen begangen werden.
Dietrich Richter-Thiering, Leichlingen
Zu „Musikerehepaar verabschiedet sich von der Konzertbühne“ am 23. Juni
Vor langer Zeit bezeichnete der ehemalige Kulturdezernent und Stadtdirektor von Leverkusen Dr. Schulze-Olden das Ehepaar Theresia und Karl Heinz Schlechtriem als Kulturbotschafter der Stadt Leverkusen. Über sechzig Jahre Chorarbeit machten Leverkusen in der Chorwelt bekannt, was durch unzählige Chorreisen belegt ist.
Am Sonntag nun gaben sie in Schlebusch in der Friedenskirche mit dem Singkreis Leverkusen und dem Coro Belcanto nach über sechzig Jahren ihr Abschlusskonzert. Als Vertreterin der Stadt Leverkusen fand Bürgermeisterin Annegret Bruchhausen-Scholich bewegende Dankesworte.
Die höchste Stadtspitze aber in Person von Oberbürgermeister Stefan Hebbel war nicht zugegen! Das ist der Dank für über sechzig Jahre Kulturdienst. Ein ungehöriger Vorgang, um es vorsichtig auszudrücken!!! Passt zur momentanen politischen Kulturrichtung in Leverkusen.
Klaus Rüddenklau, Leverkusen
22. Juni
Zu „Stadt plant neues Wohnquartier am Bürgerbusch“ am 3. Juni
„Brachland“ (großes Foto), „künftige Durchgrünung“ im Zusammenhang mit dem Foto „Die Vorplanung“ – vergleichen Sie und die Leser diese Fotos bitte einmal mit dem Luftbild laut geoportal.leverkusen.de für das Planungsvorhaben zwischen Grüner Weg, Höhe Haus Nummer 36–54 bis zur Opladener Straße und zwar in voller Breite, so lange es noch geht – und finden den Fehler. Dieses Brachland wurde erst durch eine Nacht- und Nebel-Rodungsaktion im Februar 2026 geschaffen. Vorher war dort ein grüner Lungenflügel mit zum Teil jahrzehntealten Bäumen, eine Sauerstoff und Kühle spendende Oase für die gesamte Umgebung. Und da schwafelt die Stadt davon, ein Hitzeschutzprogramm auflegen zu wollen?! Ein schlechter (Treppen-)Witz. Als besorgter Bürger kann man da nur konstatieren: „Der Wahnsinn hat mal wieder Methode“.
Hubertus Seidel, Leverkusen
Zu „Bürgereingaben zu Häusern in Opladener Schillerstraße“ am 15. Juni
In der Welt der Bauunternehmer und Immobilienmakler gibt es bei Grundstücksgeschäften eine goldene Regel: Erst unauffällig kaufen und dann möglichst schnell abräumen, bevor Natur- oder Denkmalschutz die geplante lukrative Neubebauung behindern könnten. Wenn sich dann, wie jüngst zum Bauvorhaben Grüner Weg in Leverkusen, der Vertreter der Naturschutzbehörde im Umweltausschuss enttäuscht äußert, man hätte aber vorher gerne noch eine Umweltprüfung durchgeführt, während in der Presse bereits brav von einem Bauvorhaben zur Linderung der Wohnungsnot auf einer „Brachfläche“ mit entsprechendem Foto die Rede ist, dann haben die stadtbekannten Bauwerber alles richtig gemacht.
Jetzt muss die Sache in den politischen Gremien nur noch in trockene Tücher. Dafür sorgen in Leverkusen bei Abstimmungen seit vielen Jahren zuverlässig CDU und SPD, Umweltbedenken hin – Verfahrensfehler her, neuerdings bei der Mehrheitsfindung gerne unterstützt von der AfD.
Zwar ist Alexander Dederichs vom Opladener Bauverein kein richtiger Bauunternehmer. Er soll als Technischer Leiter im Vorstand der gemeinnützigen Genossenschaft dienen. Mit den Gepflogenheiten der Immobilienbranche kennt er sich aber bestens aus: Die Gärten der alten Villen an der Schillerstraße sind weg, die Mieter ausgezogen, jetzt stören nur noch die Gebäude selbst. Er äußert sich häufig im Namen der Mitglieder, beispielsweise wenn es allgemein um städtebauliche Fragen oder, wie im Fall an der Schillerstraße, um den eigenen Bestand geht, ohne allerdings die Haltung der Genossen wirklich zu kennen.
Eine transparente Befragung zu solchen Themen hat es meines Wissens im Opladener Bauverein nicht gegeben, in der vorigen Mitgliederversammlung wurden dem Vernehmen nach offene Aussprachen abgelehnt und der Punkt Verschiedenes tauchte in der Tagesordnung erst gar nicht auf. Dederichs vergreift sich bei seinen Anwürfen gegen die Stadtverwaltung in der Sache Schillerstraße nicht nur im Ton, sondern diese gehen auch inhaltlich völlig ins Leere.
Auch wenn er bislang immer verlässlich mit der Bauverwaltung zusammengearbeitet habe, was auch immer das bedeuten mag, kann ihn die Post aus der Leverkusener Denkmalbehörde doch nicht überraschen. Um weitere Totalverluste an stadtbildprägenden Gebäuden zu verhindern, wird schon länger bei jedem Antrag auf Abrissgenehmigung vom Denkmalamt geprüft, ob es sich unter aktuellen Gesichtspunkten um ein schützenswertes Objekt handeln könnte.
Diese Erfahrung hat kürzlich die WGL mit der ehemaligen Landeszentralbank an der Humboldtstraße machen müssen und auch Privatleute haben dies schon erlebt. Dazu braucht es keine „Stimmungsmache“. Man kann sagen, die Leverkusener Denkmalbehörde hat geliefert. Denkmalschutz ist keine Liebhaberei.
Es gilt, weitere Verwüstungen, wie damals in den 1970er-Jahren, zu verhindern. Der von Dederichs geplante und Oberbürgermeister Stefan Hebbel befürwortete Abriss der Häuser Schillerstraße wäre geschichtsvergessen, widerspräche jeder Baukultur und hätte mit dem „Beschreiten neuer Wege“ nun wirklich nichts zu tun.
Roland Hölzer, Leverkusen
„Der Bericht ist ein Papiertiger“
Zu „Stadt Leverkusen für Nachhaltigkeitsbericht geehrt“ am 10. Juni
Die Stadt Leverkusen hat für ihren ersten umfassenden Nachhaltigkeitsbericht eine Auszeichnung und Würdigung vom Land Nordrhein-Westfalen erhalten. Die Stadt gehört damit zu den ersten Kommunen in ganz Deutschland, die systematisch erfassen, was sie für den Klima-, Umwelt- und Zukunftsschutz tun. Müsste man nicht besser sagen: „würden vielleicht gern tun wollen“?
Allerdings erschließt sich mir nicht, wie man endlich groß von der Theorie in die Praxis kommen will. In den Schubladen der Verwaltung liegen schon eine ganze Reihe wohlklingender „Papiertiger“. Wer gut beobachtet, stellt aber fest, selbst Machbares wird in Sachen Ökologie nicht umgesetzt, sei es durch politischen Unwillen, Uneinsichtigkeit, Faulheit, Gleichgültigkeit oder pure Schlampigkeit der Verantwortlichen. Manche Engagements schlafen auch einfach ein, bevor sie sich etablieren, wie die Anlage von Blühflächen und -streifen.
Wie sieht’s aus mit Grünsatzung, Klimaanpassungskonzept, Muster-Schwammstadt, Versiegelungsstopp beziehungsweise Entsiegelung (Schottergartenanträge werden regelmäßig vom Rat abgeblockt), Baumschutzsatzung (ebenfalls jedes Mal abgeblockt), angekündigtem „Mäh-Monitoring“, Frischluftschneisenerhalt etc. etc.?
Immer wieder kommt es vor, dass Blühstreifen und -flächen, die eigentlich seit Jahren durch den Fachbereich Stadtgrün extensiv mit Balkenmähern gemäht werden (positiv!), „versehentlich“ (v. a. durch mangelhafte Auftragsformulierungen von TBL oder deren ortsfremden Subunternehmen) mit alles-atomisierenden Schlegelmulchern geschreddert werden – letztes Jahr sicher nicht nur in Schlebusch passiert und auch jetzt wieder am 8. Juni am Leimbacher Berg.
Und wer darf den Schaden abmildern durch Abharken des knitterdicken Grünschnitts (führt zu Überdüngung und Artenarmut): gute Leute vom FB Stadtgrün, die schon eine Woche später laut Plan die Flächen mit dem Balkenmäher gemäht hätten! Schlegelmulcher zerkleinern das Mähgut einschließlich der darin vorhandenen Tiere extrem, sodass es zu massiven Tierverlusten kommt (auch Igel!); aufgrund der Funktionsweise des Rotationsmähwerks wird zudem ein besonders für Amphibien und Insekten gefährlicher Sogeffekt erzeugt.
Und was ist mit Leverkusens Bäumen? Kommen „weg“ ohne Ersatz, viele ganz ohne Gutachten. Auch bekommen – wie zuletzt im Februar 2026 (ebendort schon zwei Jahre zuvor) – die TBL gerne Fällgenehmigungen für eine bestimmte Anzahl Bäume, es werden dann aber regelhaft mehr als genehmigt „entnommen“. Am Leimbach gab es wohl eine Genehmigung für drei Bäume, es wurden dann aber 14 gefällt.
Trotz mehrerer Nachfragen und der schriftlichen Bitte um Aufklärung (auch, was aus dem ganzen Holz wurde) – zuletzt konkret gerichtet auch an den TBL-Vorstandschef Wulf Riedel selbst – wartet man vergebens auf ein Feedback. Nebenbei bemerkt lernt man so auch die wahre Bedeutung einer Demokratie kennen! So wirkt solch ein Nachhaltigkeitsbericht nebst Bepreisung beschönigend und eher lächerlich.
Martina Frimmersdorf, Leverkusen
„Leider kein Einzelfall“
Zu „Ärger über Reinigung der Vonovia“ am 9. Juni
Leider können wir die geschilderten Erfahrungen aus unserem eigenen Vonovia-Haus nur bestätigen. Auch bei uns wurde die zuvor von den Mietern organisierte Treppenhausreinigung durch einen externen Dienstleister ersetzt. Seitdem hat sich die Sauberkeit im Haus deutlich verschlechtert. Trotz zahlreicher Beschwerden über einen langen Zeitraum hat sich nach unserer Wahrnehmung noch immer nichts geändert. Wiederholt wurden Bereiche wie Keller, Speicher, Geländer, Wände oder andere Gemeinschaftsflächen nicht oder nur unzureichend gereinigt. Gleichzeitig sollen die Kosten über die Betriebskosten auf die Mieter umgelegt werden.
Besonders ärgerlich ist aus unserer Sicht, dass die Reinigung vor der Umstellung über viele Jahre problemlos durch die Hausgemeinschaft organisiert wurde. Das Ergebnis war sauberer, zuverlässiger und verursachte keine zusätzlichen Kosten. Der Artikel bestätigt, dass es sich offenbar nicht um ein Problem eines einzelnen Miethauses beziehungsweise einer einzelnen Wohnsiedlung handelt.
Auch in unserer Wohnanlage ist die Unzufriedenheit mit der Hausreinigung groß. Nach unserem Eindruck gibt es kaum Mieter, die die aktuelle Situation als Verbesserung gegenüber der früheren Reinigung durch uns Mieter empfinden. Besonders frustrierend ist, dass die Beschwerden der Mieter seit Monaten bekannt sind und dennoch keine Verbesserung eintritt. Statt einer besseren Sauberkeit erleben die Hausgemeinschaften eine Verschlechterung der Reinigungsqualität bei gleichzeitig zusätzlichen Kosten.
Deshalb möchten wir die genannten Mieter ausdrücklich unterstützen und hoffen, dass die öffentliche Aufmerksamkeit dazu beiträgt, dass die berechtigte Kritik ernst genommen wird und tragfähige Lösungen gefunden werden. Gleichzeitig wünschen wir uns, dass die betroffenen Mieter stärker einbezogen werden und dort, wo die Reinigung durch die Bewohner über Jahre zuverlässig funktionierte, auch eine Rückkehr zu dieser Lösung zu prüfen ist.
Sollte nicht Sauberkeit und Zufriedenheit der Mieter das Ziel sein? Wir wünschen uns, dass die Verantwortlichen die Beschwerden endlich ernst nehmen.
Petra Pietsch, Leverkusen
Stadtplanung muss ganzheitlich passieren
Zu „Teures Sonnensegel wirft Fragen auf“ am 12. Juni
Diskussionsbedarf zur weiteren Stadtentwicklung? Da haben BfB, SPD und Grüne sehr, sehr recht – konkret wegen des „I“ sowohl im noch laufenden IEHK als auch im anstehenden ISEK – „I“ wie integriert. Die Planungen sind ganzheitlich zu realisieren, einander unterhakend, arbeitsteilig. Und nicht in isolierten Schachteln.
Unter dem IEHK hatte die Kommune den Parkraum an der Balkantrasse bereits empfindlich um ca. 80 Parkstände reduziert; sie sind noch nicht ersetzt. In der unteren Hauptstraße, die der Innenstadt derzeit noch wirksam als Puffer dient, sollen nun erneut ca. 20 Parkstände eingekürzt werden. Die Mangellage gefährdet aber längst auch Arbeitsplätze – denn wo will man auswärtigen Bewerbern etwas nachweisen? Und sie führt zu den mehrfach kritisierten Suchverkehren und zum routinemäßigen Nachstellen von Parkuhren; angesichts der anhaltenden Mangelsituation mag man das auch als ein modernes „Fringsen“ einordnen.
Ohne eine Aussicht auf Besserung macht kein Spatenstich Sinn, nicht auf dem Marktplatz, nicht in der Kirchenkurve. Nach meinem Eindruck im Rahmen der aktuellen Bürgerbeteiligung sehen das viele Bürgerinnen und Bürger genauso.
Karl Ulrich Voss, Burscheid
15. Juni
Zu „Stadt will Herkenrath Hof langfristig binden“ am 6. Juni
„Was lange währt, soll doch noch gut werden?“ Mit der Vorlage-Nummer 2026/0376 beabsichtigt die Kultur- und Museumsverwaltung nach Jahren des Stillstandes einen langfristigen Pachtvertrag zum Betrieb der Schloss-Gastronomie zu schließen. So erfreulich dies ist, so bedauerlich ist meine Erinnerung an den Umgang mit dem 100 Seiten umfassenden Standortkonzept des Museumsvereins zur Zukunftssicherung von Schloss Morsbroich.
Zur Erinnerung: Wir schreiben das Jahr 2016 und die KPMG-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zieht nach Prüfung und Feststellung eines jährlichen Defizits von 1,1 Millionen Euro den Vorschlag zur Schließung des Museums Morsbroich in Betracht. Der Rat konnte sich selbstverständlich diesem Vorschlag nicht anschließen und beauftragte stattdessen den Museumsverein zur Erstellung eines Standortsicherungskonzeptes.
Im Januar 2018 legt der Museumsverein auftrags- und zeitgemäß sein Gutachten Rat und Verwaltung vor. Und dieses Gutachten beinhaltet eine intensive Befassung mit der Museums- oder besser gesagt mit der Schlossgastronomie im Ist- und Sollzustand in baulicher und betriebswirtschaftlicher Hinsicht. Sogar zwei konkrete, aber unverbindliche Angebote von bekannten, namhaften Leverkusener Gastronomen wurden aufgezeigt.
Die Schlussbemerkungen dieses Gutachtenteils lauteten daher: „Der Museumsverein hält beide Angebote für eine sehr gute Basis zu einer erfolgreicheren Bewirtschaftung der Schlossgastronomie. Für Verwaltung und Rat sind die Sachverhaltsaufklärungen und Bewertungen erfolgt, es kann (und muss) entschieden werden. Das sollte dann auch zügig durch die Entscheidungsträger erfolgen, soweit im Rahmen einer Ausschreibung kein höherwertiges Angebot vorliegt.“
Was ist zur Sache von 2018 bis heute passiert? Kurz gesagt: Ausscheiden des vorherigen Gastronomen im Frühjahr 2018, seitdem Ausfall von jährlichen Pachteinnahmen von 50.000 Euro, meines Wissens nach drei erfolglose Gastronomie-Ausschreibungen, das heißt ohne Entscheidungsvorschlag, aber Inbetriebnahme des Interimscafés seit 2025. Eine solche Zeitschiene seit Vorlage des Gutachtens ist nicht nachvollziehbar. Sie läuft unnötigerweise voll in die übliche Kritik an der Bürokratie sowie an den handelnden Personen aus Politik und Verwaltung. Und diese Unzufriedenheit wird sich dann noch fortsetzen, wenn mit der „dünnen“ Begründung der Vorlage auf die bisherige Geschichte des Themas verzichtet werden soll.
Gerade die nahezu vollständige Neubesetzung des Kulturausschusses macht aber ein Mehr an Aussagekraft und Transparenz gegenüber den Ausschussmitgliedern zwingend. Ein solcher Zeitraum der Unentschiedenheit ist auch nicht mehr durch Dezernats- oder Personalwechsel zu begründen, zumal der Museumsverein wertvolle Vorarbeit geleistet hat. Dennoch – jetzt können wir froh sein, dass sich der Fachbereich wohl ernsthaft um eine langfristige Pachtlösung bemüht. Es bleibt zu hoffen, dass der Kulturausschuss ihm hierfür den Rücken stärkt.
Rainer Häusler, Leverkusen
Zu „Ärger über das Vorgehen der Stadt“ am 12. Juni
Der Bauverein Opladen gilt seit vielen Jahrzehnten in dieser Stadt und vor allem im Stadtteil Opladen als verlässlicher Partner in Sachen Stadtentwicklung, Wohnungsbau und Instandhaltung von Immobilien. Besonders der gepflegte Bestand und Erhalt von über 600 denkmalgeschützten Häusern des GBO ist hier im Besonderen hervorzuheben. Interessant wird es nun bei der Immobilie Schillerstraße 4–6, die im Eigentum des Bauvereins liegt. An dieser Stelle wird ein Wohnbauprojekt für Menschen in dieser Stadt geplant, welches nun wissentlich von der Bauaufsicht der Stadt zu torpedieren versucht wird. Unverständlich ist hier leider vieles.
Stets wird von der lokalen Politik und gerade der Verwaltung vollmundig gepredigt, man brauche Innenstadtentwicklung, bezahlbaren Wohnraum und gepflegte Bestände. Genau hierfür steht der Bauverein. Nun wird eine Immobilie vorübergehend und völlig grundlos unter Schutz gestellt, wobei Baudezernentin Deppe öffentlich in einer Bauausschusssitzung 2021 genau das Gegenteil gesagt hat. Warum handelt die Bauaufsicht, angesiedelt im Baudezernat, nun völlig konträr zu dieser Aussage?
Für den Bauverein hat sich damit die Grundlage für den Ankauf der Immobilie vollständig verändert. Hier wird ohne Weitblick seitens der Bauaufsicht, aus welchen Gründen auch immer, versucht, ein städtebauliches Wohnbauprojekt zu verhindern. Was sagen wohl die 3500 Personen dazu, die beim Bauverein auf der Warteliste stehen? Spannend bleibt auch die Frage, warum denn außer dem Bauverein kein anderer Investor diese Immobilie erworben hat. Die Antwort liegt nahe. Der Bauverein ist hier ins Risiko gegangen, um an dieser Stelle städtebaulich Akzente zu setzen.
Zur Stadt Leverkusen ist zu sagen, dass sich diese selbst einmal vorrangig um ihre eigenen denkmalgeschützten Immobilien kümmern und diese, vor allem auch in Opladen, nicht auf Kosten der Steuerzahler verrotten lassen sollte. Im Ergebnis lässt sich festhalten, dass die mit wenig wohnbaulicher und energetischer Nutzperspektive an der Schillerstraße stehende Villa vermutlich unter Denkmalschutz gestellt wird, der entstandene Imageschaden der Stadt gegenüber Investoren wird diesen aber weitaus größer in den kommenden Jahren überlagern. Gerade die Stadt ist auf lösungsorientierte und verlässliche Partner wie den Bauverein, zum Beispiel bei Kita-Bauten, angewiesen. Das sollte die Bauverwaltung nicht vergessen.
Gyurga Steinacker, Leverkusen
Zu „Stadt plant neues Wohnquartier am Bürgerbusch“ am 3. Juni
Ich stehe grundsätzlich der notwendigen Bebauung auch in der Stadt Leverkusen sehr positiv gegenüber. Bei einer Wohnungsanzahl von 430 Einheiten bin ich mir aufgrund negativer Erfahrungen hier im Umkreis nicht sicher, ob man das Thema zusätzliche Verkehrsbelastung von geschätzt dann 600 Kfz bedacht hat.
Der Verkehr von der Eintrachtstraße zur Opladener Straße führt in Stoßzeiten zu einer Überbelastung der Straße Am Kühnsbusch. Ein Vertreter der Stadt hatte seinerzeit nur ein Schulterzucken übrig. Der Verkehrsfluss der geplanten Bebauung kann wohl kaum über die Fahrradstraße Grüner Weg geführt werden. Über die Opladener Straße nach Osten würde wohl fast jeder auf die Dünfelder Straße abbiegen und dann weiter durch die Siedlung zur Herbert-Wehner-Straße fahren. Die ist aber in Gegenrichtung als Sackgasse beschildert. Das beachtet niemand. Man sollte die Opladener Straße zum Ostring öffnen, aber das wird wohl Leverkusens heiliger Kuh Wupsi nicht gefallen. Wir hier auf der Opladener Straße haben heute schon unter erheblicher Überbelastung zu leiden. Allein der tägliche Busbetrieb hat seit 2015 von 100 auf über 400 Bewegungen zugenommen.
Dieses allgegenwärtige Thema wurde mehrfach mit der Stadt und Politik auch vor Ort besprochen. Es gäbe noch viel mehr zu sagen, würde aber sicherlich den Briefumfang als Leserbrief sprengen.
Christel und Edward Brüderlin, Leverkusen
Zu „Stadt musste an Kastanienallee Bäume fällen“ am 11. Juni
Das passt leider zusammen: Der letzte Abschnitt des Artikels: „Wegen der Finanzmisere verzichtet die Stadt Leverkusen zurzeit auf Nachpflanzungen von Bäumen, die zum Beispiel an Straßen gefällt werden. Nachpflanzungen seien eine freiwillige kommunale Aufgabe.“ Der aktuelle Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH) legt in diesem Jahr den Fokus auf die Veränderung des Baum- und Grünflächenbestands im urbanen Raum zwischen 2018 und 2025. Lediglich sieben Städte lagen laut der DUH über dem wissenschaftlich geforderten Richtwert von mindestens 30 Prozent durch Bäume beschirmter Fläche. (Leverkusen ist nicht darunter.)
Die Auswertung zeige zudem, dass in allen untersuchten Städten zusätzliche Flächen versiegelt wurden. (Da ist Leverkusen dabei!) Also statt mehr – noch – weniger Bäume in Leverkusen? Und dazu mehr Versiegelung! Beides führt zu einem Handlungsdilemma. Die Verwaltung und Politik darf sich nicht einfach darauf zurückziehen, dass Neupflanzungen freiwillige Leistungen sind. Warum weckt man nicht, wie es der Veranstaltungsorganisator Nolden für die Kastanienallee geschafft hat, die Bereitschaft der Bürger, mehr städtische Bäume zu spenden? Etwa durch eine koordinierte Klimabäumespende, durch Hochzeitsbäume. Und wenn dann die Namen der Spender an einem Schild zu lesen sind, wäre das auch motivierend. Es gilt mal wieder: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.
Manfred Urbschat, Leverkusen
1. Juni 2026
Zu „Haben uns für die Insolvenz in Eigenverwaltung entschieden“ vom 22. Mai
Leverkusen Dass die Cube Real Estate AG nun insolvent ist, überrascht niemanden, der die Entwicklung in der Neuen Bahnstadt in den letzten Jahren verfolgt hat. Seit Januar häufen sich die Insolvenzmeldungen aus dem Cube-Geflecht. Claus Müller von der Leverkusener Traditionsfirma Weitz Kanalbau hatte es schon im Winter auf den Punkt gebracht: „Mir scheint, da bricht ein Kartenhaus zusammen.“ Er hatte recht.
Was mich aufbringt, ist nicht die Insolvenz selbst, Unternehmen können scheitern. Was mich aufbringt, ist, was sie über unsere Stadtpolitik verrät. Was sich hier abspielt, ist ein Lehrbuchbeispiel für ein Prinzip, das in der Immobilienbranche System hat: Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert. In guten Jahren streicht der Investor ein. Wenn es schiefgeht, bleibt die Stadt auf den Scherben sitzen und mit ihr die Handwerksbetriebe, die auf ihr Geld warten, die Menschen, die auf bezahlbaren Wohnraum gehofft haben, und am Ende alle Steuerzahlenden, wenn zentrale Stadtflächen jahrelang brachliegen. Das Bahnhofsquartier, das als wichtigstes noch unbebautes Grundstück in Opladen gilt, als Scharnier zwischen Innenstadt und Bahnhof, der Bebauungsplan fertig seit 2022, gehört jetzt zum Kapital einer insolventen Gesellschaft.
Was bleibt, ist ein Loch mitten in der Stadt. Dazu kommt eine Frage, die bisher kaum gestellt wird: Welche steuerlichen Vorteile verschaffen solche Firmengeflechte aus Dutzenden Tochtergesellschaften und verschachtelten Holdingstrukturen eigentlich ihren Betreibern? Konzerninterne Verlustverrechnung, Grunderwerbsteuer-Umgehung durch Share Deals, das alles ist in der Branche gängige, öffentlich dokumentierte Praxis. Leverkusen hat ohnehin einen der niedrigsten Gewerbesteuersätze Deutschlands. Welche Einnahmen der Stadt dadurch entgangen sein könnten, wäre meiner Meinung nach eine Untersuchung wert.
Und mir stellt sich die grundsätzlichere Frage: Sind solche Firmengeflechte wirklich ein organisatorisches Versehen? Sie erschweren systematisch Transparenz, Haftung und demokratische Kontrolle. Das ist für Investoren praktisch. Für eine Stadt, die im öffentlichen Auftrag handelt, hätte es von Anfang an ein Warnsignal sein müssen. Stattdessen hat die Stadt dieses Projekt nicht nur geduldet, sondern aktiv mitgefeiert. Das Cube-Projekt wurde von der Stadtspitze als Erfolgsgeschichte inszeniert und vermarktet, inklusive Abrisspartys, Presseterminen und gemeinsamen Auftritten. Noch am Dienstag vor der Insolvenzbekanntgabe saß Bahnstadt-Geschäftsführer Andreas Schönfeld laut Ihrem Bericht mit Cube zusammen, von der bevorstehenden Pleite kein Wort. Wer so eng mit einem privaten Investor auf Erfolgskurs inszeniert wird, riskiert meines Erachtens nach leicht den kritischen Abstand und die Fähigkeit, rechtzeitig die Reißleine zu ziehen.
Jetzt, wo das Kartenhaus zusammengebrochen ist, soll das Bahnhofsquartier offenbar abgespeckt werden: weniger Gewerbe, weniger Architekturqualität, mehr Wohnungen. Ob diese Wohnungen bezahlbar sein werden, wer sie baut und unter welchen Bedingungen, dazu schweigt die Stadt. Dabei wäre genau das jetzt die entscheidende Frage. Nicht wie Cube aus der Insolvenz kommt, sondern wem diese Stadt gehört und für wen sie gebaut wird. Das Bahnhofsquartier darf nicht einfach dem nächsten privaten Investor überlassen werden. Wohnraum ist keine Ware. Boden ist keine Spekulationsmasse. Stadtentwicklung ist eine öffentliche Aufgabe und sie muss endlich auch wieder als solche organisiert werden.
Was die Sache vollends unbegreiflich macht: Ausgerechnet jetzt soll der „Bauturbo“ beschlossen werden. Mehr Tempo für Investoren, weniger demokratische Kontrolle, keine verbindlichen sozialen Vorgaben. Der voraussichtlich ab Juli geltende modifizierte Bauturbo beruht auf genau denselben Mechanismen, die uns in diese Lage gebracht haben: Beschleunigung für private Akteure, weniger öffentliche Transparenz, demokratische Kontrolle und Mitbestimmung, während die Allgemeinheit allein die Risiken trägt. Wer das in der Ratssitzung im Juli so beschließt, hat aus der Cube-Insolvenz entweder nichts gelernt oder er will nichts lernen. Die Chance, jetzt die Weichen anders zu stellen, ist da. Eine Stadt, die selbst gestaltet, statt zu warten, bis private Projekte scheitern. Eine Stadtentwicklung, bei der nicht Renditeerwartungen den Takt vorgeben, sondern die Frage, welche Stadt wir für wen bauen wollen. Diese Chance sollte Leverkusen nicht ungenutzt lassen.
Kim Kirschey, Mitglied Die Linke Leverkusen
Zu „Elternvertreter der Musikschule Leverkusen schlagen Alarm“ am 8. Mai
Die von der Stadt Leverkusen geplanten Stellenstreichungen bei der Musik- und Kunstschule sind für unsere Kinder eine Katastrophe. Es steht zu befürchten, dass Instrumentengruppen gar nicht mehr oder nur noch stark eingeschränkt unterrichtet werden können und dadurch Kinder abgewiesen beziehungsweise aus dem Musikschulunterricht entlassen werden müssen. Ensembles, die heute von den außerordentlich engagierten Lehrkräften geleitet werden, müssen dann aufgelöst werden.
Als Vater von vier Kindern, die alle durch die Musikschule gegangen sind, weiß ich, was das bedeutet. Musikschule heißt eben nicht nur, ein Instrument zu lernen. Durch gemeinsames Musizieren in Orchestern werden soziale Kompetenzen erlernt: das Hören auf andere, Rücksicht, Disziplin und der Einsatz für ein gemeinsames Ziel und nicht zuletzt die Fähigkeit, auch mit Rückschlägen und Enttäuschungen umzugehen. Die Freundschaften, die hier entstehen, tragen ein ganzes Leben lang. Jedes meiner Kinder hat aus der Zeit in der Musikschule Leverkusen so viel in sein Erwachsenenleben mitgenommen! Und dies ist zu großen Teilen den engagierten Lehrkräften der Musik- und Kunstschule zu verdanken.
Als Vorsitzender des Fördervereins der Musikschule weiß ich auch, wie stark sich die Eltern der Kinder und Jugendlichen für die Ideale der Musikschule einsetzen. Durch ihre Mitgliedsbeiträge, Spenden und ihre aktive Unterstützung bei musikalischen Projekten, Aufführungen und Festen helfen sie, alle Kinder – unabhängig von den Möglichkeiten des jeweiligen Elternhauses – mitzunehmen. Der Förderverein muss angesichts der schwierigen finanziellen Lage der Stadt in den letzten Jahren immer mehr dort einspringen, wo seitens der Stadt keine Mittel mehr vorhanden sind, z. B. für Neuanschaffungen oder Reparaturen von Instrumenten, bei Musikfreizeiten, Workshops, Seminaren und Konzerten.
Wir vom Förderverein sind sehr dankbar, dass wir immer wieder Spenden von Sponsoren und auch von Eltern erhalten, die den Kindern und Jugendlichen dank unserer ehrenamtlichen Arbeit voll zugutekommen. Hier ist auch der Stiftungsfonds „Bürger für Musikschule“ zu nennen. Daher mein dringender Appell an die Verantwortlichen der Stadt: Zeigen Sie, dass Ihnen die musikalische und künstlerische Entwicklung und damit die Bildung unserer Kinder nicht gleichgültig ist!
Klaus-Dieter Fritz, Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der Musikschule der Stadt Leverkusen
Zu „Erste Schlappe für Oberbürgermeister und Kämmerer auf dem Sparkurs für Leverkusen“ vom 19. Mai
Es ist eine bemerkenswerte Pointe Leverkusener Kommunalpolitik. Die rückwirkende Grundsteuererhöhung wurde gestoppt, und ausgerechnet jene Partei, die sie ursprünglich mitgetragen hätte, präsentiert sich anschließend medienwirksam als deren Verhinderin. Die Wahrheit ist eine andere. Die SPD hat eine rückwirkende Erhöhung von Anfang an abgelehnt, weil private Haushalte, die ihr Budget für 2026 längst geplant haben, nicht nachträglich zur Kasse gebeten werden können. Und das ist nicht neu. Die SPD hatte bereits zuvor eine geordnete, planbare Grundsteueranpassung gefordert und wurde damals von CDU und Grünen überstimmt. Wer heute als Retter auftritt, hat das Problem erst mitverursacht. Ohne den klaren Widerstand der SPD und ohne die deutliche Reaktion aus der Bevölkerung wäre der Verwaltungsvorschlag, Grundsteuer B rückwirkend von 750 auf 1050 Punkte, still und leise durchgegangen. Die CDU ist erst eingeknickt, als die politischen Kosten zu hoch wurden. Das ist Opportunismus, kein Gestaltungswille. Wer Wahlversprechen ernst nimmt, sollte sich gut merken, wer hier von Anfang an für die Bürgerinnen und Bürger gesprochen hat und wer erst unter Druck den Kurs gewechselt hat.
Sandra Westmeier, Leverkusen
Zu „Aufgeblähter Personaletat gehört reduziert“
Verantwortlich für Finanzen und Personal ist nur der Stadtrat. Wer für die Stadtfinanzen und die Anzahl der Stellen bei der Verwaltung alleine verantwortlich ist, ergibt sich beim Blick in das Gesetz. Die Gemeindeordnung legt dazu in § 41 Absatz 1 h) GO NRW Folgendes fest: „Die Entscheidung über folgende Angelegenheiten kann der Rat nicht übertragen: Den Erlass des Haushaltsplans und des Stellenplans …“. Zuständig und verantwortlich für die Stadtfinanzen und die Anzahl der städtischen Stellen ist damit alleine der Stadtrat. Nur er kann dazu entscheiden. Immer wieder geäußerte Behauptungen, der frühere Oberbürgermeister habe die heutige Finanzmisere zu verantworten oder sei für einen aufgeblähten Personaletat verantwortlich, sind damit (wider besseren Wissens) einfach falsch und billige Polemik.
Ralf Johanns, Leverkusen
Zu „Bürgerantrag für kostenfreien ÖPNV für Ältere“ vom 15. Mai
Für diese Initiative von Herrn Frank Henn möchte ich ihm herzlich danken. Beispielhaft setzen andere Städte diese in mehrerer Hinsicht sinnvolle Aktion bereits um. Neben den von Herrn Henn genannten Städten fand ich dieses Angebot u. a. auch in Lissabon und Danzig vor.
Christel Dewenter-Scholz, Leverkusen
Zu „Auf der Balkantrasse in Burscheid soll mehr Rücksicht herrschen“ am 18. Mai
Mehr Licht auf der Balkantrasse? Sehr richtig! Tatsächlich fordert genau das schon unser Interkommunales Integriertes Entwicklungs- und Handlungskonzept Burscheid | Wermelskirchen vom Januar 2019 – zur Attraktivitätssteigerung, aber ausdrücklich auch für mehr Sicherheit. Dieser gute Rat war recht teuer und man sollte ihn nicht achtlos in die Tonne treten; Beleuchtung und Sicherheit sind zudem zentrale Aspekte der Barrierefreiheit. Vielleicht hat man im Burscheider Rat früher gemeint, das könne man sich sparen. Heute aber dürfen wir uns sicher am ersten Kanzler dieser Republik orientieren; den konnte bekanntlich nichts daran hindern, alle Tage klüger zu werden. Und wenn wir gerade von Sicherheit sprechen: Auch Hinweisschilder an den sehr steilen Burscheider Balkantrassen-Rampen wären höchst angebracht: an der Jahnstraßen-Rampe, wo wir im Juni 2021 den ersten Verkehrstoten auf unserem Trassen-Abschnitt beklagen mussten. Und besonders an der nochmals steileren, mit 8 Prozent auch bei Weitem nicht mehr barrierefreien Rampe an der Hauptstraßen-Brücke.
Karl Ulrich Voss, Burscheid
Zu „Was der neue Förster im großen Leverkusener Wald machen will“ am 18. März
Mit Interesse und großer Hoffnung habe ich Ihren Artikel über den neuen Forstwirt, Nikolas Cramer, im Bürgerbusch gelesen. Als Anwohner des Bürgerbuschs und täglicher Gassi-Geher habe ich mit Entsetzen die Baumentnahme durch die Eigentümergemeinschaft mit ansehen müssen. Umso größer war meine Hoffnung, dass die nunmehr erfolgte Baumentnahme unter der Aufsicht des neuen Forstwirts umweltschonender ablaufen würde. Leider hat sich meine Hoffnung nicht erfüllt. Weder kamen, wie von Herrn Cramer angekündigt, Seilwinden zum Einsatz, noch war von Rückepferden etwas zu sehen. Erneut wurde ausschließlich ein tonnenschwerer Harvester benutzt, der quer durch den Wald gepflügt ist und bestehende Gehwege unzugänglich gemacht hat. Die Markierungen der Rückewege waren nicht zielführend. Außer den Hauptwegen finden sich im Bürgerbusch kaum noch Wege, die problemlos begehbar sind. Mich würde interessieren, ob dies die von Herrn Cramer geplante Vorgehensweise war. Unter Nachhaltigkeit verstehe ich jedenfalls etwas anderes.
Peter Berger, Leverkusen