Dirigent Dirk Joeres spricht von einer „unsauberen Weise“, der städtische Kulturchef Arthur Horváth hält dagegen.
Dirigent sauerKeine Klassiksonntage der Westdeutschen Sinfonia mehr in Leverkusen

Die Klassiksonntage der Westdeutschen Sinfonia wird es in Leverkusen nicht mehr geben.
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Für Dirk Joeres, den Dirigenten der Westdeutschen Sinfonia (WSL), ist das alles nicht in Ordnung. Im Gespräch mit dem „Leverkusener Anzeiger“ greift der Musiker die Stadt Leverkusen an. Denn die Klassiksonntag-Reihe ist nicht mehr Teil des städtischen Kulturprogramms. Das stößt Joeres auf. Und auch, wie das Ganze seiner Darstellung nach abgelaufen sei – „unsauber“ nämlich.
Seit Jahrzehnten geben Joeres und sein Orchester, das aus professionellen Musikerinnen und Musikern aus ganz Deutschland – vornehmlich NRW – besteht, vier klassische Konzerte im Jahr: Morgens gibt es um 11 Uhr mit Teilen des Orchesters eine Matinee als Konzerteinführung auf Schloss Morsbroich, um 17 Uhr eine offene Probe und um 18 Uhr dann das Konzert im Forum.
Laut Joeres habe es Anfang des Jahres ein Gespräch über die Zukunft der Konzertreihe mit der Stadt gegeben. Da habe man ihm mitgeteilt, dass die Stadt die Matinee vormittags um 11 Uhr nicht mehr finanzieren könne. Es gehe dabei um 6000 Euro. Die Musikerinnen und Musiker, die dort spielen und ins Konzert einführen, werden dafür extra bezahlt. Daraufhin habe der Dirigent sich an den Förderverein des Orchesters gewandt und war erfolgreich: Die 6000 Euro konnte er auftreiben.
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Die Westdeutsche Sinfonia unter der Leitung von Dirk Joeres war 2025 Gast auf den Herrenchiemsee-Festspielen. Künftig wird das Orchester wohl nicht mehr in seiner Heimatstadt spielen.
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Bei einem folgenden Gespräch habe die Verwaltung trotzdem abgelehnt, die Matinee wie gehabt zu organisieren. Stattdessen sollen die neuen Dramaturgen der Stadt vor dem Konzert, also zum Zeitpunkt der bisherigen offenen Probe, im Terrassensaal ins Programm einführen. Joeres schließt daraus: „Es bestand von vornherein die Absicht, das Konzept abzulehnen.“ So, wie es die Stadt vorgeschlagen hat, kommt der Klassiksonntag für Joeres aber nicht mehr infrage. Damit seien die Gespräche beendet gewesen, das Konzert mit dem „Karneval der Tiere“ im Mai war das letzte.
Arthur Horváth stellt die Dinge im Gespräch mit der Redaktion anders dar: Nicht die finanzielle Situation, sondern das grundsätzliche Konzept sei dafür ausschlaggebend gewesen, mit diesen Vorschlägen ins Gespräch zu gehen. Denn laut Horváth gingen inzwischen nur noch sehr wenige Menschen um 17 Uhr zu offenen Proben. Er spricht von zuletzt zehn Gästen, davor von vielleicht mal 25. Und er wolle die Konzerteinführung durch die Verlegung direkt vors Konzert mehr Menschen zugänglich machen. Im Übrigen sei das ohnehin der übliche Ablauf bei städtischen Kulturvorstellungen.
Arthur Horváth weist den Vorwurf zurück, dass etwas „unsauber“ gelaufen sei. Es habe vernünftige Gespräche mit den Dramaturgen gegeben, in denen sie klar dargestellt hätten, dass die Einführung aus den oben genannten Gründen demnächst vor dem Konzert stattfinden soll. Und als Joeres gesagt habe, er stehe dafür nicht zur Verfügung, habe man das akzeptiert und das Programm ohne die Klassiksonntage gestaltet. Eine offizielle Verabschiedung auf der Bühne im Mai, so Horváth, habe der Dirigent abgelehnt.
„Das Orchester besteht weiterhin“, sagt Joeres über die Westdeutsche Sinfonia. Aber damit sei ein wesentlicher Baustein des Konzertjahres gecancelt worden. Die Musikerinnen und Musiker werden laut Joeres also weiterhin Konzerte geben, allerdings nicht im Rahmen des Klassiksonntags in Leverkusen.
Das sprichwörtliche Tischtuch zwischen der WSL scheint zerschnitten, zumindest von Joeres’ Seite aus. Arthur Horváth lässt allerdings eine Hintertür für ein mögliches Abschiedskonzert in Leverkusen offen.

