Abo

150 aus 150Rosemarie Trockel schafft feministische Kunst

2 min
ARCHIV - 14.06.2012, Nordrhein-Westfalen, Leverkusen: Rosemarie Trockel, Künstlerin, aufgenommen in einer Ausstellung im Schloss Morsbroich. Am Sonntag 13. November 2022 wird die 1952 in Schwerte geborene Wahl-Kölnerin 70 Jahre alt. (zu dpa: «Die Frau, die die Männer abhängte - Rosemarie Trockel») Foto: Oliver Berg/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Künstlerin Rosemarie Trockel bei einer Ausstellung. (Archivfoto)

Die Künstlerin beschränkt sich nicht nur auf eine Kunstform. Bekannt ist sie vor allem für Strickbilder und Herdplatten.

Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 54. Teil der Serie geht es um die Künstlerin Rosemarie Trockel.

Bedeutung

Rosemarie Trockel hat die moderne Kunst entscheidend geprägt. Ihre Jugend verbrachte sie in Leverkusen-Opladen. Nach einem Lehramtsstudium studierte sie von 1974 bis 1978 Kunst und Design an den Kölner Werkschulen. In dieser Zeit entstanden erste Super-8-Filme. Auf einer Reise durch die USA lernte sie feministische Künstlerinnen kennen. Trockel widmete sich fortan auch in ihren Werken dem Feminismus. Sie klagt nicht offen an, sondern setzt auf subtile Ironie, die sich den Betrachtenden erst allmählich erschließt.

Die äußerst vielfältige Künstlerin schafft Gemälde, Zeichnungen, Plastiken, Skulpturen, Objekte, Videoarbeiten und Installationen, um zum Nachdenken anzuregen. Das Werk „Shutter“ sieht auf den ersten Blick aus wie eine Wand aus Ziegelsteinen, zeigt aber bei näherem Hinsehen Fleisch in Form glasierter Keramik – eine Kritik am weltweiten Fleischkonsum. Trockels berühmte Strickbilder und Herdplatten interpretieren Tätigkeiten, die traditionell mit Frauen in Verbindung gebracht werden. Die Strickbilder sind nicht von Hand gefertigt, sondern maschinell hergestellt. Die Herdplatten erhitzen sich und zeigen so die Verwundbarkeit beim Kochen.

Der Durchbruch gelang ihr in den USA 1988 mit einer Ausstellung im Museum of Modern Art in New York. 1997 war sie zur documenta X in Kassel eingeladen, wo sie ein Haus für Schweine und Menschen baute. Zwei Jahre später gestaltete sie als erste Künstlerin den deutschen Pavillon für die Biennale in Venedig. Nicht alle, aber viele Werke Trockels erzielen auf dem Kunstmarkt Spitzenpreise von bis zu fünf Millionen Dollar. Jahrelang lag sie im weltweiten Kunstkompass unter den Top 4.


Rosemarie Trockel

Geboren: 13. November 1952 in Schwerte


Wirken in Köln

Trockels erste Einzelausstellung fand 1983 in Köln statt. 2005 widmete ihr das Museum Ludwig eine Ausstellung unter dem Titel „Menopause“.

Bemerkenswert

Die Künstlerin meidet die Öffentlichkeit und gibt keine Interviews. 2016 beschädigte ein Brand ihr Haus im Hahnwald, das sie 2024 verkaufte. Seit einigen Jahren lebt sie in Potsdam.

Spuren in der Stadt

Trockel erhielt 2004 den Wolfgang-Hahn-Preis der Gesellschaft der Freunde für Modern Kunst am Museum Ludwig. Dieses besitzt eines ihrer Herdplattenwerke.


Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.