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„like a warrior“ im Museum MorsbroichCihan Çakmak lotet künstlerisch Ambivalenzen aus

4 min
„like a warrior“ heißt die Ausstellung von Cihan Çakmak.

„like a warrior“ heißt die Ausstellung von Cihan Çakmak.

Cihan Çakmak stellt vom 8. Juli bis zum 8. November im Museum Morsbroich in Leverkusen aus.

Es ist ein bisschen, wie Museumskuratorin Thekla Zell sagt, als falle man auf den Körper drauf. Und sie hat recht. Auf einer großflächigen Fotografie im ersten Ausstellungsraum auf der ersten Etage von Schloss Morsbroich ist ein im Gras liegender Körper abgebildet. Es ist sehr wahrscheinlich eine Frau, der Kopf ist im Ausschnitt nicht zu sehen. Die Frau liegt auf der Seite, mit dem Rücken zum Betrachter gewandt. Ihre Hände hat sie nach hinten gerichtet. Die riesige Fläche saugt den Betrachter förmlich in die Ausstellung hinein.

Ein Tattoo auf einem Arm verrät, dass die Künstlerin Cihan Çakmak selbst Modell für diese Arbeit ist. Das ist typisch für die 1993 geborene und in Berlin und Lissabon lebende Künstlerin. Selbstporträts durchziehen die Ausstellung „like a warrior“, die ab sofort und bis zum 8. November im Museum Morsbroich zu sehen ist.

Cihan Çakmak hat Fotografie in Dortmund, Lissabon und Leipzig studiert und ist unter anderem Trägerin des Paula-Mendersohn-Becker-Nachwuchspreises (2020) und des Rössling-Preises für Fotografie (2021). Ihre Werke wurden unter anderem schon in der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, der Arendt Collection Luxembourg, der staatlichen Kunstsammlung Dresden und dem Museum Kunstpalast in Düsseldorf gezeigt. In Morsbroich waren ihre Fotografien schon zweimal Teil von Sammelausstellungen. Jetzt also ihre erste eigene Ausstellung in Leverkusen: Hier stellt sie aber nicht nur Fotografien aus, zu sehen sind auch Zeichnungen sowie Video und Soundinstallationen.

„Wunde“ heißt dieses Werk von Cihan Çakmak.

„Wunde“ heißt dieses Werk von Cihan Çakmak.

Auch wenn die Künstlerin in ihrer Fotografien selbst sowohl vor als auch hinter der Kamera steht, geht es nicht selten um die Person Cihan Çakmak. Es geht eher darum, was der Betrachter oder die Betrachterin auf die abgebildete Frau projiiziert. Auf den Ausdruck von Verletzlichkeit, von Leid und Melancholie, die sich in manchen Mimiken abzuzeichnen scheinen. Um Schutz und Solidarität, aber auch um Widerstandsfähigkeit, Wut und Stärke. Sie beschäftigt sich mit Identität, mit Herkunft, mit Traumata, die sich möglicherweise über Generationen halten. Auch mit feministischer Selbstbehauptung.

Das setzt die Künstlerin auf verschiedenen Ebenen um. Am augenscheinlichsten durch ihre Motive. Wenn sie selbst auf den Auslöser drücke, habe sie nur zehn Sekunden, um in die richtige Pose zu kommen. Um den Ausdruck und die Position für die vorher erdachte Bildinszenierung zu finden. Aber manchmal, so berichtet die Künstlerin über ihre Arbeit, wolle der Körper in den Sekunden dann gar nicht so, wie sich das gedacht habe. „Dann muss ich in letzter Sekunde loslassen“, aber das sei manchmal das, was ihre Werke dann interessant mache.

Cihan Çakmak versucht in ihren Werken immer wieder, Muster zu durchbrechen, Stereotypen den Spiegel vorzuhalten. Gerade die Frau – oder der Frauenkörper – sei immer ein Feld für Projektion. Und mit möglicherweise projiizierten Rollen spielt sie. Zum Beispiel in der Titelfotografie, sie kniet auf ihrem Bett, leicht nach vorne gebeugt. Die Arme nach hinten. Als würde sie gezogen.

Träume spielen eine große Rolle

Aber der Schein trügt auch, denn sie bindet Elemente der Selbstbestimmung ein. Der Blick ist kämpferisch, sie trägt einen geflochtenen Zopf, wie ihn kurdische Frauen als Zeichen von Freiheit und Solidarität trügen, sagt sie. Cihan Çakmaks Eltern sind Kurden. Elemente dieser Kultur finden immer wieder Platz in ihrer Arbeit.

In einem Raum hängen 16 mit Buntstiften gezeichnete Selbstporträts. Keines ist wie das andere. Manchmal hat die Künstlerin sie verfremdet, nicht immer ist zu erkennen, dass es Cihan Çakmak ist. Aber das spielt auch für den Betrachter keine große Rolle, denn es geht um mehr als um sie. Auch hier hat Cihan Çakmak Rollen in die Zeichnungen einfließen lassen, es gibt ein Selbstporträt, in dem sie sich als Abbild einer Mutter gezeichnet hat, einmal als Vater. Geschlecht ist egal, Zeit auch. Das Zeichnen sei für sie intuitiver als das Arbeiten an inszenierten Fotos. Auf den Rückseiten stehen Notizen, die bekommen die Betrachter aber nicht zu sehen.

Cihan Çakmak beschäftigt sich nach eigenen Angaben viel mit Psychologie. Besonders das Träumen ist für sie zentral. In einer Soundinstallation kann man sich knapp siebeneinhalb Minuten Träume von Cihan Çakmak anhören. Auch Spiegel finden sich in ihrer Arbeit immer wieder.

Auf die Frage, ob sie eine Rebellin sei, habe Cihan Çakmak mal gesagt: „Aber nicht für Landesgrenzen, sondern für Werte“, sagt die Kuratorin Thekla Zell. Die will die Künstlerin offensiv zeigen. Das ist manchmal intim und persönlich, mal undeutlich und auf viele Arten lesbar. Aber immer authentisch. Cihan Çakmak drückt das so aus: „Es geht um das Eigentlich. Um das, was wirklich da ist.“