Die Stadt musste an der Kastanienallee drei Bäume fällen.
VerwaltungsdilemmaIn Leverkusen müssen Bäume müssen nachgepflanzt werden – aber es ist verboten

Fällung einer Kastanie auf der Kastanienallee Opladen. Ein Deich ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen.
Copyright: Ralf Krieger
Die Kastanienallee, auf der auch demnächst wieder die Opladener Bierbörse stattfinden wird, war am Dienstag Thema im Natur- und Landschaftsbeirat. Man habe wieder drei Kastanien fällen müssen, sagte ein Mitarbeiter von der Unteren Naturschutzbehörde. Das sei wegen der Verkehrssicherung notwendig, die Bäume seien geschwächt oder gar tot gewesen.
Seit über einem Jahrzehnt werden die Kastanien der Allee an der Wupper nicht nur von der Miniermotte befallen, viel schlimmer ist eine Krankheit der einen Baum nach dem anderen dahinrafft. Verursacht wird die Krankheit durch ein Bakterium: Pseudomonas syringae pv. aesculi zersetzt das Gewebe der Bäume. Sie sterben ab. Anfangs pflanzte das Grünflächenamt noch Kastanien nach, aber schon bald zeigte sich, dass die jungen Bäumchen noch viel schneller absterben als die alten.
Stadt Leverkusen: Illegale Baumpflanzungen auf dem Deich?
Weil gegen die Krankheit nichts zu machen ist, hat man sich schon vor Jahren dazu entschieden, das alte Naturdenkmal Kastanienallee mit jedem Baum, der ersetzt werden muss, in eine Lindenallee zu verwandeln. Das ist eine gute Investition, dachten sich vermutlich viele Spender, denn Winterlinden können bis zu 1000 Jahre alt werden. Viele Spender rekrutierte Werner Nolden, der auch unter den Alleebäumen jährlich die Bierbörse veranstaltet. Inzwischen gibt es einige Linden, von denen nicht alle, aber manche prächtig gedeihen.
Am 27. Mai legten Mitarbeiter des Grünflächenamts die kranken Bäume um. Jetzt gibt es ein Problem mit der Nachpflanzung. Die Stadt befindet sich in einem rechtlichen Dilemma, hat man in der Verwaltung festgestellt: Da es sich bei der Kastanienallee um ein Naturdenkmal und um eine Allee handele, sei man zur Nachpflanzung der fehlenden Bäume verpflichtet. Andererseits gelten Bereiche der Kastanienallee noch immer als Deich, auch wenn die Allee gar nicht nach einem Deich aussieht. Und auf Deichen ist es eigentlich streng verboten, dass Bäume stehen. Eigentlich – denn in Leverkusen stehen auf vielen Deichen an Wupper und Dhünn Bäume. Gleichzeitig hat letztlich der Wupperverband festgestellt, dass der Deich an der Schusterinsel, also an der Kastanienallee, gar keine Funktion mehr habe und demnächst geschlitzt werden soll, also geöffnet.
Man kann also nachpflanzen, könnte man meinen. Davon rät der Mitarbeiter aber ab. Solange der Verwaltungsakt der Entwidmung des Deichs nicht abgeschlossen ist, könnte es sein, dass die Bezirksregierung die Fällung der voreilig neu gepflanzten Linden anordnen könnte. Er empfiehlt, abzuwarten.
In dem Zusammenhang stellte sich im Beirat eine andere Frage, nämlich der nach womöglich illegalen Baumpflanzungen: Wie es dann sein könne, dass in den vergangenen Jahren schon ein paar Linden nachgepflanzt werden konnten, womöglich sogar mit Billigung des Grünflächenamts? Hans-Martin Kochanek wusste, dass sogar in diesem Winter zwei Bäume gesetzt worden seien. Die Frage blieb offen.
Wegen der Finanzmisere verzichtet die Stadt Leverkusen zurzeit auf Nachpflanzungen von Bäumen, die zum Beispiel an Straßen gefällt werden. Nachpflanzungen seien eine freiwillige kommunale Aufgabe, so die Erklärung.
