Die Lage im Sankt-Remigius-Krankenhaus am vergangenen Samstag war offenbar dramatischer, als das bisher bekannt war, auch wenn man das in der Klinikleitung gelassener sieht.
Hitze im Opladener KrankenhausWar das Remigius zu schwach besetzt?

Die Notfall-Ambulanz des Opladener Remigius-Krankenhauses war überlastet, deshalb unterstützte die Feuerwehr.
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19 Todesfälle hat es am Wochenende stadtweit gegeben, aktuell wird noch geprüft, inwiefern diese mit der Hitze in Verbindung gebracht werden können. Wie hoch diese Zahl ist, wird erst deutlich, wenn man sie statistisch einordnet: Normalerweise sterben im Juni täglich stadtweit etwa fünf Personen. 12 der 19 Verstorbenen sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft Köln im Sankt-Remigius-Krankenhaus in Opladen zu Tode gekommen. Im Remigius entwickelten sich am Samstag Probleme zu einer schwierigen Situation, in die die Stadt Leverkusen eingreifen musste.
In der Notfall-Ambulanz fielen Probleme auf
Nach Insider-Aussagen soll die betroffene Station unter dem Dach des Gebäudes extrem schwach besetzt gewesen sein. Andere sprechen davon, dass es womöglich auch hitzebedingt zu Krankmeldungen beim Personal gekommen sein soll. Unbestätigten Informationen zufolge sollen am Hitzetag lediglich ein Arzt und drei Pflegekräfte zu viele Patienten versorgt haben. Ob die gerüchteweise zu hörende Zahl von 80 Patienten realistisch ist, ließ sich nicht verifizieren.
Aufgefallen war zunächst, dass es in der Zentralen Notfall-Ambulanz (ZNA) nicht läuft. Die ZNA fahren Rettungswagen der Feuerwehr und andere Rettungsdienste an, weshalb an dieser Station eine gewisse Transparenz herrscht: Wenn es dort nicht läuft, bekommt die städtische Feuerwehr das mit. Bei der Stadt entschied man sich, dass die Feuerwehr in der Notaufnahme helfen sollte. Dabei fiel offenbar erst auf, dass es insbesondere in der oberen Etage des Krankenhauses extrem heiß war.
Am Samstag richtete die Stadt bei der Feuerwehr einen Krisenstab unter Führung des Dezernenten Alexander Lünenbach ein. Im Krankenhaus soll die Ansicht vertreten worden sein, dass man die Lage im Griff habe. Das sollen Verantwortliche der Stadt und Feuerwehr anders gesehen haben. Aus dem Krisenstab heraus soll es zu nachdrücklichen Ansprachen an das Krankenhaus gekommen sein, etwas an der Personalsituation zu ändern. Patienten wurden aus den von der Sonne aufgeheizten Zimmern in kühlere Etagen verlegt, wo Betten frei waren.
Eine Rolle spielt vermutlich auch das Alter des Gebäudes: Im gesamten Krankenhaus soll es kaum auszuhalten sein, wenn es im Sommer heiß ist, sagt eine ehemalige Mitarbeiterin.
Im städtischen Klinikum soll es an dem heißen Wochenende in keinem einzigen Fall durch die Hitze zu einer ähnlichen Situation gekommen sein wie im Remigius. Dort sei man auf die herannahende Hitzewelle vorbereitet gewesen, habe ausreichend Personal bereitgehalten und habe reagieren können, so ein Mitglied des Feuerwehr-Krisenstabs, mit dem wir unter der Bedingung der Anonymität sprechen konnten.
Das Remigius-Krankenhaus gehört zur Münsteraner Alexianer GmbH. Daniela Kreuzberg, die Geschäftsführerin des Remigius, nahm sich kurz Zeit für ein Gespräch. Sie sagt, sie sei selbst am Samstag im Krankenhaus anwesend gewesen. In der dritten Ebene, unter dem Flachdach, sei es heiß gewesen, viele Patienten habe man in kühlere Bereiche verlegt, aber nicht alle. Frau Kreuzberg: „Wir haben triagiert.“ Das heißt etwa, dass Patienten ohne Kreislaufprobleme auf der Station bleiben konnten. Und: „Wir hatten insgesamt keine außergewöhnlichen Ausreißer, was Todesfälle angeht.“
Zur Anzahl der eingesetzten Pflegekräfte auf der Station sagt sie: „Wir haben die gesetzlich vorgeschriebenen Personal-Untergrenzen immer eingehalten.“
Die Staatsanwaltschaft Köln beschäftigt sich mit den Todesfällen vom Wochenende. Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer sagte, man katalogisiere jetzt, auf welcher Etage des Remigius-Krankenhauses sich die 12 Todesfälle ereignet hätten.
