Der Gesundheitstag wurde in weiten Teilen abgesagt, dafür war der Andrang beim Klinikum Leverkusen besonders groß.
““GesundheitGroßer Andrang an begehbarem Darm in Leverkusen

Das Beratungsteam des Klinikums neben dem Darmmodell
Copyright: Jessy Schmidt
Ungewöhnlicher Anblick in der Rathaus-Galerie: Auf der Aktionsfläche thronte am Samstag ein bräunliches, menschenhohes Modell eines Darms. Die mysteriöse Konstruktion zog viele Besucher an – immer wieder bildeten sich kleine Schlangen von Menschen, die darauf warteten, durch die Röhre zu gehen.
Das Darmzentrum des Klinikums nutzte das Modell, um über Darmerkrankungen und Darmgesundheit aufzuklären. Der Stand war ein Überbleibsel des wegen der Hitze weitgehend abgesagten Gesundheitstages. Dr. Nico Schäfer, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, war mit seiner Kollegin Dr. Jasmina Hahn (Oberärztin und Zentrumskoordinatorin Darmkrebs) und der Ernährungsassistentin Nicole Heising vor Ort.
Ernährung spielt wichtige Rolle
Besucher stellten Fragen zur Ernährung, betrachteten das Darmmodell von innen – auch Kinder zeigten großes Interesse. „Es gibt viele Menschen mit unterschiedlichsten Darmerkrankungen“, erklärte Schäfer. „Die Divertikulitis etwa ist eine Entzündung von kleinen Ausstülpungen in der Darmschleimhaut.“ Deshalb sei es wichtig, Vorsorgeuntersuchungen ab 50 Jahren wahrzunehmen. Statistisch betrachtet träten viele Darmerkrankungen zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr auf.

Darmmodell von innen
Copyright: Jessy Schmidt
Doch jeder kann selbst aktiv werden. „Die Ernährung spielt eine große Rolle“, betont Schäfer. „Frische Lebensmittel statt stark verarbeiteter Industrieprodukte sind optimal – gepökeltes Fleisch sollte man meiden.“ Auch regelmäßiger Stuhlgang sei wichtig, um den Darm von Stoffwechselprodukten und Giftstoffen zu befreien.
Ernährungsassistentin Nicole Heising ergänzt: „Eine vollwertige, ballaststoffreiche Ernährung ist essenziell – Gemüse, Haferflocken, Vollkornprodukte. Fleisch ja, aber in Maßen und eher Geflügel statt Rind. Dazu ausreichend Wasser und Bewegung.“ Wer kann, solle lieber die Treppe statt Rolltreppe oder Fahrstuhl nehmen.
Immer wieder kamen ehemalige Patienten vorbei, bedankten sich für ihre Genesung und berichteten von ihrem aktuellen Befinden. Mit dem großen Andrang hatten die Ärzte nicht gerechnet, wie Dr. Hahn sagte.
Selbsthilfegruppe für Krebspatienten
Auch Christian Becker und Marc Sander von der Selbsthilfegruppe für Menschen mit Krebs im Magen-Darm-Trakt und der Bauchspeicheldrüse waren vor Ort. Die Gruppe trifft sich monatlich im Klinikum und wird ärztlich und ernährungsmedizinisch begleitet.
„Wir sind alle Betroffene“, erklärt Becker, der die Gruppe ehrenamtlich leitet. „Jeder hat eigene Erfahrungen. Wenn man dann hört, dass es anderen ähnlich geht, kann man das eigene Erlebte anders einordnen. Wir unterstützen uns auch in praktischen Fragen – etwa zur Ernährung oder Reha. Das Klinikum unterstützt uns dabei ausgezeichnet.“
Prof. Schäfer betont die Bedeutung solcher Gruppen: „Untereinander kann man ganz anders reden als mit dem Arzt.“ Alle Betroffenen sind herzlich willkommen.
