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Rheindorf und OpladenSchulumzüge: Leverkusen bekommt Druck von außen

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Deichtorstraße Schulweg, Schulbeginn. Foto: Ralf Krieger

Gesamtschüler auf dem Weg zum Standort Deichtorstraße

Der Schulrat für Förderschulen und die Bezirksregierung haben die Stadt Leverkusen eindringlich zum Handeln aufgefordert.

In den Unterlagen zum geplanten Umzug der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule an den gemeinsamen Standort Deichtorstraße und der Förderschule an der Wupper nach Rheindorf (wir berichteten) wird deutlich, dass Druck von mehreren Seiten die Stadt zu diesem Plan bewogen hat.

Bei weiter steigenden Anmeldezahlen ist eine adäquate Beschulung nicht mehr gesichert
Martin Schneider, Schulrat für Haupt- und Förderschulen

Zum einen gibt es eine Erklärung von Martin Schneider, Schulrat für Haupt- und Förderschulen im Rheinisch-Bergischen-Kreis und Leverkusen. Er hatte bereits einmal vor dem Bildungsausschuss seine großen Bedenken zur Platznot an Leverkusener Förderschulen vorgebracht. Seine Mängelliste für die Schule an der Wupper liest sich dramatisch: „Bei weiter steigenden Anmeldezahlen ist eine adäquate Beschulung nicht mehr gesichert.“ Bereits jetzt sei das Gebäude überlastet: Klassenräume seien notdürftig in anderen Räumen, etwa der ehemaligen Bibliothek, oder Containern entstanden. Es gibt keinerlei Differenzierungsräume, Räume für Fachunterricht fehlen, Nebenräume haben teilweise kaum Tageslicht.

Die Enge sei gerade bei der sich verändernden Schülerschaft einer Förderschule ein großes Problem. „Verhaltensauffälligkeiten mit starken Impulsdurchbrüchen, fremd- und selbstgefährdenden Verhaltensweisen nehmen zu, Schülerinnen und Schüler sind stärker ablenkbar und motorisch unruhig“, schreibt Schneider. Dringend benötigte Ausweich- und Ruheräume, oder für sinnvolle Therapieangebote wie Logopädie oder Ergotherapie, fehlen.

Es gibt aktuell finanzielle Möglichkeiten, die mutmaßlich auf Jahre nicht wieder gegeben sein werden
Carlos Sánchez, Bezirksregierung Köln

Eine zweite Stellungnahme kommt von Carlos Sánchez von der Bezirksregierung Köln. Sie betrifft die Käthe-Kollwitz-Gesamtschule. Darin bittet er „inständig und mit Nachdruck um intensive Prüfung der Möglichkeiten für eine mittelfristige Herstellung ‚einer Schule für alle an einem Standort‘“. Durch die Teilnahme der Schule am „Startchancen-Programm“ von Bund und Land NRW gebe es „aktuell finanzielle Möglichkeiten, die mutmaßlich auf Jahre nicht wieder gegeben sein werden.“

Er zählt die Nachteile der Lösung mit zwei Standorten auf: Keine durchgehende Arbeit der SV (Schülervertretung) in allen Klassenstufen, hauptsächlich die Belange der Jüngsten werden kaum gehört. Das „Buddy“-System, in dem ältere Schüler jüngeren helfen, kann nicht praktiziert werden, ebenso wie jahrgangsübergreifende Projekte oder AGs. Dazu kommen die fehlende Identifikation als ganze Schulgemeinschaft und die erschwerte pädagogische Geschlossenheit des Kollegiums und der Lehrerausbildung.

Bedenken der Eltern

Wie groß die „finanziellen Möglichkeiten“ durch das Startchancen-Programm sind, wird nicht erläutert. Eine Zahl kommuniziert die Stadt aber jetzt: Der Umzug der Schule an der Wupper an die Elbestraße soll grob geschätzt um ein Drittel günstiger werden, als die ermittelten Kosten von 72 Millionen Euro für Neubau und Interim der Schule. Der große Vorteil der Lösung liege allerdings in der Geschwindigkeit. Der Umzug der Gesamtschule soll noch in diesem Jahr umgesetzt werden. 

Gerade weil es jetzt so schnell gehen soll, sind einige Bedenken aus der Elternschaft der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule zu hören. Die Hauptbedenken der Eltern gelten den Containern: Wie sollen diese für die Kinder hergerichtet werden und wie lange soll diese Interimslösung dauern? Bislang gibt es keine Aussagen über Bau- und Zeitplan für ein vage angedachtes neues Gebäude. Auch, ob die weiteren Kapazitäten am Standort Deichtorstraße für rund 500 zusätzliche Kinder ausreichend sind, fragen sich Eltern: etwa Fachräume, Schulhof und Mensa. Grundsätzlich stehe man einer Zusammenlegung an einem Standort aber positiv gegenüber, ist zu hören. 

Auch innerhalb der Stadtschulpflegschaft wurden diese Themen von Elternvertretern bereits angebracht, bestätigt die Vorsitzende Silke Ratte: „Wir befinden uns dazu in sehr gutem Austausch mit der Stadt.“ Ein gutes Zeichen könnte auch sein, dass die Bezirksregierung selbst auf die Missstände im Leverkusener Schulwesen hinweist – möglicherweise ein Trumpf, wenn es in Verhandlungen mit derselben Behörde darum geht, Schulbaumaßnahmen im Haushaltssicherungskonzept als Pflichtaufgabe anzuerkennen.

Levi ist vom Plan überrascht

Überraschung über diese Planung besteht bei der Leverkusener Immobiliengesellschaft (Levi), die den Ratsauftrag hat, eine Schulbaugesellschaft zu gründen, die im ersten Schritt drei Schulbauten übernehmen sollte. Darunter der Neubau für die Schule an der Wupper. „Wir sind an diesem Vorgang aktuell nicht beteiligt“, sagt Sprecher Julian Frohloff. Es hätten keine Gespräche mit der Levi dazu stattgefunden. In der Ratsvorlage findet sich der Satz: „Da durch diese Schulentwicklungsmaßnahme ein Projekt bei der Levi entfällt, kann ein anderes, sich noch nicht in der Planung befindliches Projekt an die Levi übertragen werden.“ Auch, was damit gemeint sein könnte, weiß Frohloff nicht: „Wir warten jetzt auch ab, was der Bildungsausschuss dazu beschließt.“

Der tagt am 26. Januar, 17 Uhr,  öffentlich im Verwaltungsgebäude Goetheplatz. Vertreter beider Schulen und der Stadtschulpflegschaft werden anwesend sein, kündigt Silke Ratte an.