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BrustkrebsSelbsthilfegruppe in Leverkusen hilft betroffenen Frauen

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Petra Elpelt und Karin Diefenbach (v.l.) sprechen in einer Selbsthilfegruppe über ihre Krebserkrankung.

Petra Elpelt und Karin Diefenbach (v.l.) sprechen in einer Selbsthilfegruppe über ihre Krebserkrankung.

Eine von acht Frauen erkrankt in ihrem Leben an Brustkrebs.

Seit ihrer Krankheit freut sich Petra Elpelt an den Kleinigkeiten des Lebens. Über die Schneeglöckchen im Frühling, einen Spaziergang in der Sonne, ein nettes Gespräch im Bus. Dabei dachte sie im Herbst 2023 noch: „Jetzt ist dein Leben zu Ende.“ Die ehemalige Lehrerin ist damals gerade ein Jahr in Rente, als sie die Diagnose bekommt: Brustkrebs. Eine besonders aggressive Art.

Elpelt wird operiert und macht eine Chemotherapie. Die Behandlung schwächt sie. Ihr fallen alle Haare aus. „Das war schrecklich für mich“, sagt Elpelt. Sie will sich mit anderen Frauen austauschen und findet im Internet die Frauenselbsthilfe Krebs in Leverkusen. Bei ihrem ersten Besuch dort stellen sich die Teilnehmerinnen der Reihe nach vor. „Manche waren da schon seit 20 Jahren gesund, andere seit zehn Jahren“, sagt die 67-Jährige. „Da wurde mir klar, dass die Krankheit kein Todesurteil sein muss.“ Das gehe vielen Frauen bei ihrem ersten Besuch in der Gruppe so.

Wir möchten nicht, dass die Leute uns mit Samthandschuhen anfassen.Wir sind wie du und ich, also ganz normal.
Karin Diefenbach

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) erkrankt in Deutschland eine von acht Frauen im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. „Jeder kennt jemanden, der es hatte“, sagt Elpelt. Und trotzdem ist der Umgang mit der Krankheit für Außenstehende oft schwierig. Das weiß auch Karin Diefenbach, die die Selbsthilfegruppe gemeinsam mit Petra Elpelt mit zwei anderen Frauen leitet. „Die meisten sagen erstmal nur ‚Oh‘. Das ist so die klassische Reaktion.“

Diefenbach ist 59 Jahre alt und in ihrem Leben schon dreimal an Brustkrebs erkrankt. Mit 35, 45 und 57. Bei einem Gentest an der Uniklinik Köln kam heraus, dass sie ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs hat. Mittlerweile wurden ihr beide Brüste entfernt. „Ich bin mit meinen Erkrankungen immer offen umgegangen“, sagt Diefenbach, die als Bürokauffrau in Köln arbeitet. „Ich habe gesagt: ‚Ich habe das jetzt und das ist okay.‘ Oder auch: ‚Es ist nicht okay und mir geht es gerade nicht gut.‘“ Es sei wichtig, offen darüber zu sprechen. „Wir möchten nicht, dass die Leute uns mit Samthandschuhen anfassen“, sagt Diefenbach. „Wir sind wie du und ich, also ganz normal.“

Ein offener Umgang mit der Erkrankung hilft Betroffenen

Das war auch Petra Elpelt wichtig. Als ihr die Haare durch die Chemo ausfallen, trägt sie oft eine Mütze. Das fällt auf in der Nachbarschaft. „Ich bin auf die Leute zugegangen und habe gesagt: ‚Du wunderst dich bestimmt, warum ich eine Mütze trage. Ich habe Krebs und mache eine Chemotherapie‘“, sagt Elpelt. „Die haben dann erstmal gestaunt.“ Doch je offener Elpelt damit umgeht, desto mehr fragen die Menschen nach. Wie sie mit den Nebenwirkungen klarkommt, zum Beispiel. Oder was die Krankheit mit ihr macht. Manche erzählen auch von ihrer eigenen Krebserkrankung. „Man hat plötzlich viele Verbündete“, sagt Diefenbach.

Trotzdem haben beide Frauen Verständnis dafür, wenn jemand nicht weiß, wie er mit ihrer Krankheit umgehen soll. „Das ist mir letztens selbst passiert“, sagt Elpelt. In der Apotheke sieht sie eine Frau mit Perücke, ohne Augenbrauen, ohne Wimpern. „Bestimmt eine Betroffene“, denkt sie. Doch die Apotheke ist voll und Elpelt weiß nicht, was sie zu der Frau sagen soll. „Da habe ich gemerkt: Das geht anderen bestimmt auch so.“

Wie verhält man sich Erkrankten gegenüber in so einer Situation? Diefenbach empfiehlt, die Person direkt zu fragen, wenn man sich kennt. „Es muss ja nicht direkt ‚Haben sie Krebs?‘ sein.“ Es reiche, sich zu erkundigen, wie es geht. Oder mit einer Beobachtung zu starten: „Mir ist aufgefallen, dass du keine Haare mehr hast. Ist alles in Ordnung?“ Das sei ein gutes Gesprächsangebot.

Selbsthilfegruppe sorgt für Lebensfreude - trotz Krebs

Für Betroffene ist die Selbsthilfegruppe in Leverkusen besonders wertvoll, da sind sich die beiden Frauen einig. „Während meiner Erkrankung habe ich dort viele gute Tipps bekommen“, sagt Petra Elpelt. Welche Reha-Klinik gut ist, zum Beispiel. Oder wo es mehr Unterstützung gibt. Die Frauen machen auch Ausflüge oder Workshops an der VHS Leverkusen zusammen. Man treffe sich nämlich auch, „um der Lebensfreude trotz Krebs Raum zu geben“, heißt es auf der Website der Gruppe. Die gehört dem Bundesverband Frauenselbsthilfe Krebs an, der in diesem Jahr 50 Jahre alt wird. Die Gruppe in Leverkusen ist eine der ältesten in ganz Deutschland.

Wie geht es den beiden Frauen heute? Karin Diefenbach hatte vor drei Jahren ihre letzte OP und Chemotherapie. Seitdem ist sie tumorfrei. Als gesund gelten die Patientinnen erst, wenn sie fünf Jahre keinen Rückfall hatten „Die Angst geht natürlich nie ganz weg“, sagt sie. Vor allem, wenn sie hört, dass andere wieder neu betroffen sind. „Aber man darf sein Leben nicht davon bestimmen lassen.“ Nach drei Krebserkrankungen arbeitet sie nur noch zu 75 Prozent, hat eine Vier-Tage-Woche. „Das ist super, ich will es nie wieder anders machen.“

Und Elpelt? Sie ist seit einem Jahr tumorfrei. Die Haare auf dem Kopf sind wieder nachgewachsen. Sie hat, wie viele erkrankte Frauen, eine Psychotherapie gemacht. „Da habe ich gelernt, meine Bedürfnisse wahrzunehmen – vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben.“ Sie versucht, mehr darauf zu hören. „Ich frage mich jetzt immer: Wie möchtest du die Zeit bis zu deinem Tod verbringen? Ist es gut so, wie es jetzt ist? Oder möchtest du etwas anderes?“


Die Frauenselbsthilfe Krebs Leverkusen trifft sich jeden 3. Montag im Monat von 18 bis 19.30 Uhr in der „ATS-Begegnungsstätte“ im Wohnpark Bürgerbusch, Theodor-Gierath-Str. 4, 51381 Leverkusen.

https://www.frauenselbsthilfe.de/gruppen/leverkusen.html