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BildungEin Koffer reist für Vielfalt und Begegnung auch durch Leverkusen

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Bei einer Vorführung sollen durch das Tragen und anschließende Ablegen einer Maske der Wunsch nach Authentizität und der Schmerz durch Ausgrenzung thematisiert werden.

Bei einer Vorführung sollen durch das Tragen und anschließende Ablegen einer Maske der Wunsch nach Authentizität und der Schmerz durch Ausgrenzung thematisiert werden.

Ein Kunstprojekt im Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Leverkusen verbindet Performance, digitale Interviews und Schülerperspektiven.

Zwei Frauen und ein Mann knien maskiert auf dem Boden des Zentrums für schulpraktische Lehrerausbildung. Zwei tragen rosa gepunktete Masken, eine Person eine silbern schimmernde. Neben ihnen steht ein alter Koffer. Die Szene bildet den künstlerischen Auftakt des Projekts „Kosmos der Vielfalt – Ein Koffer voller Stimmen“. Den ersten Zugriff auf den Inhalt des Koffers hat Anke Holgersson, Leiterin des Bildungsbüros der Stadt Leverkusen. Sie öffnet ihn und scannt den darin enthaltenen QR-Code mit dem Smartphone. Damit wird der digitale Teil des Projekts auf einer Leinwand sichtbar.

Im Koffer befindet sich ein QR-Code, der zu kurzen Videoclips von Schülerinnen und Schülern verschiedener Schulen führt. Darin beantworten sie Fragen wie: „Warst du schon einmal voreingenommen?“ oder „Was bedeutet Vielfalt für dich?“. Die Beiträge sollen persönliche Perspektiven sichtbar machen und den Blick auf gesellschaftliche Themen wie Identität, Ausgrenzung und Zusammenleben öffnen.

Die Idee dahinter: Der Koffer soll auf Reisen gehen und immer neue Stimmen sammeln. So entsteht Schritt für Schritt ein digitales „Archiv der Perspektiven“, das Erfahrungen und Sichtweisen unterschiedlicher Menschen bündelt. Ziel ist es, Begegnung zu fördern und den Dialog über Vielfalt zu stärken.

Für uns ist wichtig, dass ohne Vielfalt keine Demokratie herrscht.
Livia Kraneburg vom Berufskolleg Kartäuserwall

„Für uns ist wichtig, dass ohne Vielfalt keine Demokratie herrscht. Es ist ein agiles Projekt. Der Koffer geht in die Region Leverkusen, in die Region Köln, aber auch ins Bergische Land“, sagt Livia Kraneburg vom Berufskolleg Kartäuserwall. „Es ist in Ordnung, wenn die Beiträge nicht perfekt sind“, betont Christine Islamov. Die Fragen seien lediglich ein „Korsett“, das Orientierung gebe, ergänzt Johannes Weber.

Anke Holgersson, Christine Islamov, Johannes Weber, Livia Kraneburg, Heike Hornbruch wollen, dass Vielfalt als Bereicherung wahrgenommen wird.

Anke Holgersson, Christine Islamov, Johannes Weber, Livia Kraneburg, Heike Hornbruch wollen, dass Vielfalt als Bereicherung wahrgenommen wird.

Auch die Auftaktperformance sei bewusst gewählt worden. Die Masken und die künstlerische Darstellung dienten dazu, unterschiedliche Assoziationen zum Thema Vielfalt sichtbar zu machen. „Wir stülpen das, was in den Köpfen ist, nach außen“, sagt Livia Kraneburg. Gleichzeitig zeige sich: Trotz aller Unterschiede teilen viele Jugendliche ähnliche Wünsche: ehrlich, echt und authentisch sein zu können.

Johannes Weber erklärt, dass bewusst auf zu provokante Fragen verzichtet wurde. Stattdessen habe man Fragen gewählt, die echten Austausch ermöglichen. „Gut, um miteinander ins Gespräch zu kommen.“ Die Videos könnten zudem einen Wiedererkennungseffekt erzeugen: „Man erkennt sich vielleicht selbst in den Beiträgen“, ergänzt Livia Kraneburg.

Projekt soll weiter wachsen

Sobald der Koffer auf Reisen geht, soll es auch eine Website geben. Das Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Leverkusen bildet die organisatorische Basis. Perspektivisch könnte das Konzept auch in die Ausbildung von Lehramtsstudierenden integriert werden.

Für Heike Hornbruch steht ein Ziel im Mittelpunkt: „Vielfalt von Anfang an mitdenken.“ Der Koffer solle möglichst viele Menschen erreichen. „Wer diesen Koffer mit uns auf den Weg bringen möchte, ist bei uns herzlich willkommen.“