„Die Walpurgisnacht“Faszinierende Waldgeister erobern Leverkusener Bühne

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Eine bunte Projektion als Bühnenbild der „Walpurgisnacht“ im Erholungshaus

Bei der Walpurgisnacht wurde ein Bühnenbild live gemalt.

Wie beim Finale des „Start-Festivals“ im Erholungshaus für die ganze Familie ein Bühnenbild live gemalt wurde.

Wundersame Dinge geschahen am Sonntag in Goethes Ballade von der Walpurgisnacht, als das Bühnenbild, mithilfe von starken Projektionen, auf durchsichtigen Leinwänden in Echtzeit entstand. Das Künstlerkollektiv „Kopffarben“ hatte unter der Leitung von Marc Schwämmlein zum Finale des „Start-Festivals“ Familien ins Erholungshaus eingeladen.

„Welch entsetzliches Getöse“, rief das lyrische Ich aus, doch bezog sich das keineswegs auf die meisterhaft inszenierte Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy. Die Kinder im Publikum spähten gebannt durch die Reihen, ihre Augen weit geöffnet vor Faszination. Wie durch Zauberhand verwandelte sich die Szenerie: Zauberbäume und Waldbewohner erschienen auf der die gesamte Bühne bedeckenden Projektionsfläche, gemalt in leuchtenden Farben, die sich vor den Augen des Publikums formten und veränderten. Durch Julia Schäfers Malerei und Johannes Schmidts Animation erwacht so die Musik nochmal ganz anders zum Leben – „Kopffarben“ hatte es geschafft, Goethes Worte in ein visuelles und akustisches Feuerwerk zu verwandeln.

Leverkusen: Reise in den Zauberwald 

Einer der Darsteller sagte, als sich der Vorhang öffnete: „Was für ein Sturm!“ Dahinter wirbelten auf einer durchsichtigen Projektionsfläche live animierte 3D-Projektionen herum. Erst waren es schemenhafte Lichter, dann sah es aus wie ein Schneesturm. Später entstanden Bäume, Tiere lebten auf – die 3D-Projektionen zogen das Publikum fast halluzinogen in ihren Bann.

Die Reise begann: Ziel war es, die Mitte des Waldes zu erreichen. Um dorthin zu gelangen, war ein großes Maifeuer vonnöten. Ein leises Flüstern und aufgeregtes Kichern der Kinder durchzog das Erholungshaus, als sie merkten, Teil dieser mystischen Reise zu sein.

Schwarz-Weiß-Bühnenbild bei der „Walpurgisnacht“ im Erholungshaus

Auch in Schwarz-Weiß entstanden beeindruckende Bilder im Erholungshaus.

Die Bayer-Philharmoniker unter der Leitung von Bar Avni lieferten eine mitreißende musikalische Untermalung, die die dramatische Spannung der Aufführung perfekt unterstützte. Sie schafften es, Mendelssohn-Bartholdys gewitzte Kantate mit frischer Energie zu füllen.

Dann merkten die Darsteller, dass die Kinder im Publikum auch mitmussten: „Um tief in den Wald zu gelangen und nicht mehr im langweiligen Menschenkörper gefangen zu sein, müsst ihr Kinder zu Druiden werden.“ Kinder antworteten im Chor auf die Frage, ob sie tief in den Wald wollten: „Ja!“

Da sie jedoch keine Druiden waren, hätten sie dort eigentlich nichts zu suchen. Einer der Darsteller schickte sie schon aus dem heiligen Wald heraus, doch dann kam die Idee: Man könnte die Kinder mit einem Ritual zu Druiden machen. Die Begeisterung war greifbar, als die Kinder aufgefordert wurden, durch Trampeln, Uhugeräusche und Singen das Tor zur Mitte des Waldes zu öffnen.

Zum Schluss ein Rausch von Farben im Erholungshaus

Mit verschiedenen interaktiven Aufgaben öffnete sich ein Tor. Das Ensemble „Taugenichts“, mit Valerie Wilhelm und Marc Schwämmlein als Gesangsduo, führte die Familien mit kraftvollen einfühlsamen Stimmen durch die Balladen. Ihre Interpretation verlieh den alten Versen eine neue Tiefe und Emotionalität: „Kommt!“ Die Walpurgisnacht als ein heidnischer Ritus symbolisierte den Triumph der Natur und der Magie über die Dunkelheit. „Ich mache das Licht ja schon wieder an“, so Schäfer.

Das Finale war dann ein Rausch der Klänge und Farben. Die Projektionen wirbelten in einem kaleidoskopischen Tanz über die Bühne – so wurden alle Teil dieses Rituals, das zwischen Traum und Wirklichkeit schwebte. Die Grenzen zwischen Bühne und Realität schienen sich dabei immer weiter aufzulösen, man war überwältigt von der visuellen und auditiven Pracht.

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