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EhrenamtFreiwilligenzentrum Lupe in Leverkusen wird 30 Jahre alt

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Monika Berger-Lohr und Waltraud Liesenklas (v.l.) beraten seit 30 Jahren im Freiwilligenzentrum Lupe.

Monika Berger-Lohr und Waltraud Liesenklas (v.l.) beraten seit 30 Jahren im Freiwilligenzentrum Lupe.

Seit 30 Jahren finden vermittelt das Freiwilligenzentrum Lupe Interessierte ins Ehrenamt. 

Eigentlich sollte bei dem Projekt „Lupe“ nur eine Broschüre über das Ehrenamt in Leverkusen entstehen. Das ist im März 30 Jahre her. Genauso alt ist die Initiative, die aus dem Projekt hervorging. Bis heute vermittelt das Freiwilligenzentrum Lupe Interessierte in ehrenamtliche Tätigkeiten. Monika Berger-Lohr und Waltraud Liesenklas von der Lupe sitzen im Büro im alten Bürgermeisteramt in Schlebusch und blicken auf die letzten drei Jahrzehnte zurück.

„Ich erinnere mich noch genau an den Aufruf für das Projekt“, sagt Berger-Lohr. Die 76-Jährige hat ihn auf einem Zettel notiert. Gesucht wurden Menschen über 50, die Familien- und Berufspläne abgeschlossen haben, aber noch „neugierig auf das Leben“ seien und sich ehrenamtlich engagieren wollen. Das sei für sie genau das Richtige gewesen, sagt Berger-Lohr, die früher als medizinisch-technische Assistentin gearbeitet hat. „Die Kinder waren aus dem Haus und ich wollte mich einbringen.“ Ähnlich ging es auch Waltraud Liesenklas, heute 91. Die gelernte Apothekerin suchte nach ihrer Pensionierung eine neue Aufgabe.

Roswitha Kneip, die Initiatorin des Projekts, hat uns viel unterstützt.
Monika Berger-Lohr, Lupe

Mit sieben anderen Freiwilligen sammeln sie sämtliche Organisationen, die im Jahr 1996 Ehrenamtliche suchen. 70 Organisationen und 160 Tätigkeiten stehen am Ende in der Broschüre. Wie recherchiert man dafür – so ganz ohne Google? „Telefonbücher“, sagt Berger-Lohr und schmunzelt. Liesenklas fügt hinzu: „Roswitha Kneip, die Initiatorin des Projekts, hat uns viel unterstützt.“

Im Mai 1997 liegt die kostenlose Broschüre mit dem Titel „Lupe“ dann an allen öffentlichen Stellen der Stadt aus. Eigentlich wäre danach Schluss gewesen. Doch es finden sich Organisationen, die die Vermittlung von Ehrenamtlichen finanziell weiter unterstützen wollen. So entsteht das Freiwilligenzentrum Lupe, das heute von der Caritas, der Awo, der Diakonie, der Stadt Leverkusen, dem Deutschen Roten Kreuz und dem katholischen Bildungsforum getragen wird.

Das Ehrenamt muss zur Person passen

Was sich in den 30 Jahren am meisten verändert hat? Berger-Lohr sagt: „Es ist alles digitaler geworden.“ Zu Beginn habe es keine Computer gegeben. „Und als wir dann welche hatten, konnte keiner von uns damit umgehen.“ Liesenklas fügt hinzu: „Und dann gab es plötzlich das Internet und ich habe gedacht: Was soll der Quatsch?“

Am Ende bewährt sich die damals neue Technologie aber doch. Nicht zuletzt durch eine digitale Datenbank, die das Team der Lupe bis heute pflegt. Mittlerweile stehen dort 370 Anlaufstellen darin. Besonders beliebt bei den Ehrenamtlichen: die Seniorenhilfe. Viele wollen aber auch Kinder- und Jugendliche unterstützen. „Relativ neu ist auch die Arbeit mit und für Geflüchteten“, sagt Liesenklas, die selbst ehrenamtlich ein Flüchtlingscafé leitet.

Bei der Vermittlung ist es wichtig, ein Ehrenamt zu finden, das zu den Fähigkeiten der Person passt. Nach 30 Jahren in der Beratung haben beide ein Gespür dafür entwickelt – und sie wissen auch, wann jemand sich nicht für ein Ehrenamt eignet. „Wenn die Leute unzuverlässig sind, zum Beispiel“, sagt Liesenklas. „Wir merken recht schnell, ob es jemand ernst meint.“

Auch Freiwilligenprojekte für Schüler

Meistens sind die Vermittlungen aber erfolgreich. Manchmal sogar für ein ganzes Leben. Die Lupe organisiert nämlich auch Freiwilligen-Projekte für Schülerinnen und Schüler. Eine Teilnehmerin hat über so ein Projekt ihren Traumberuf gefunden, sagt Berger-Lohr. Die damals 16-Jährige hatte eine Familie mit Drillingen betreut. „Jahre später hat sie uns geschrieben, dass sie deswegen Kindergärtnerin geworden ist.“

Sowas macht die Arbeit bei der Lupe besonders, da sind sich Liesenklas und Berger-Lohr einig. Was ist ihr Lieblingsmoment aus den letzten 30 Jahren? „Als wir mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik ausgezeichnet wurden“, sagt Berger-Lohr. „Das war schon toll.“ Was sie sich für die nächsten 30 Jahre wünscht? „Dass es immer weiter geht!“

Das 30-jährige Bestehen feiert die Lupe am Dienstag, 17. März, um 17.30 Uhr im Pfarrsaal von St. Andreas in Schlebusch, Bergische Landstraße 8. Eingeladen sind alle Ehrenamtler, die durch die Lupe vermittelt wurden, die Träger der Initiative, ehemalige Mitglieder des Lupe-Teams und Führungskräfte von sozialen Einrichtungen, mit denen die Lupe zusammenarbeitet.