Die stadtbekannte Großfamilie liebte es auch zu Hause protzig.
Geldwäsche-ProzessGoldener Himmel und Herz-Badewanne in Leverkusen

Viel zu tun hatte die Polizei bei der Razzia am 14. März 2018 in der Von-Ketteler-Straße 46 (hinten), dem Domizil von Michael G. aus der stadtbekannten Großfamilie.
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Eine Badewanne in Herzform, hochglanzverkleidet, macht sich noch besser, wenn darüber ein vergoldeter Himmel funkelt. Dazu passen goldene Fischchen mit Swarovski-Kristallen als Deko. Über Geschmacksfragen hat ein Möbeltischler aus Löhne mit Michael G. sicherlich nicht debattiert. Sondern gemacht, was sich der Auftraggeber so vorstellte.
Irgendwie passte das ja auch. Gegenüber dem Handwerker trat Michael G. als Michael Goldmann auf. Und bestellte noch einen Wohnzimmerschrank mit einer Säule rechts und links, ein paar Nachtschränkchen und einen großen, prachtvollen Esszimmertisch. Aufträge mit einem reichlich fünfstelligen Volumen; Vertragspartner „war immer Herr Goldmann“, sagt der Möbeltischler aus Löhne. Und: „Das Geld haben wir immer bekommen.“ In der Regel bar.
Die Prachtausstattung wurde in das Eckhaus an der Von-Ketteler-Straße geliefert. Das Haus, das Michael G. und weitere Mitglieder der großen Familie als Wohnsitz gewählt hatten. Und das ein Bergisch Gladbacher Bauunternehmer kurz zuvor erworben hatte. Er sitzt, wie einer der Söhne von Michael G., auf der Anklagebank.
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Für die Angeklagten geht es um Millionen
Geht es nach der Staatsanwaltschaft, wird die Immobilie genauso eingezogen wie Eigentumswohnungen in Wiesdorf und diverse Wohn- und Geschäftshäuser in Köln und der näheren Umgebung sowie zwei Luxusautos, die trotz ihres Alters sechsstellige Beträge wert sind. Die Angeklagten – das sind in diesem Verfahren der Bauunternehmer und einer der Söhne von Michael G. – wehren sich nach Kräften gegen diesen empfindlichen, weil millionenschweren Verlust. Und das schon zum zweiten Mal: Der Geldwäsche-Prozess vor der 9. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts ist ein Revisionsverfahren. Im ersten Prozess Ende 2019 war Michael G. zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Sein Sohn wegen seines damals jugendlichen Alters zu 100 Sozialstunden und der Bergisch Gladbacher Unternehmer zu 13 Monaten Gefängnis. Letztere waren durch die lange Untersuchungshaft mehr als abgegolten.
Wegen der vom Bundesgerichtshof verfügten Revision müssen große Teile des Prozesses von 2019 wieder aufgearbeitet werden. Die Vorsitzende der 9. Großen Strafkammer, Alexandra Maschwitz, hat große Lesekonvolute verteilt. Trotzdem müssen noch eine Menge Zeugen gehört werden, was das Verfahren wiederum in die Länge zieht.
Gold auch an den Küchenschränken
Und rund zehn Jahre nach der Tatzeit sind viele Erinnerungen verblasst: Während der Möbeltischler aus Löhne wegen seiner Fotos noch relativ genau weiß, was damals war, offenbart ein Schreiner aus Solingen am Dienstag Gedächtnislücken. Der heute 71-Jährige hat ein paar Türen nach Bürrig geliefert und beim Einsetzen von Fenstern geholfen. Mit Gold hatte aber auch er etwas zu tun. Und zwar deshalb, weil in seiner Nachbarschaft ein Galvaniseur arbeitet. Der sollte Türknöpfe von Küchenschränken vergolden, die Michael G. zu schäbig waren. Um den Preis – rund 900 Euro – habe es dann Streit gegeben, das weiß der Schreiner noch. Ein Grund mehr, auf Abstand zu gehen.
Den umgebauten Schlecker-Markt und die darüber liegende Wohnung hat er trotzdem noch ganz gut vor Augen. Er hebt die aufwendigen Stuckarbeiten in dem von außen eher schmucklosen Bau hervor: „ein Traum“. Eine Architektin aus Sülz ist am Dienstag anderer Meinung: Der offenbar von Michael G. bezahlte Umbau des früheren Supermarkts sei „sehr großzügig und auf den ersten Blick sehr hochwertig“ ausgefallen. „Mein Geschmack war das aber nicht.“
Warum das für das Gericht wichtig ist? Es will Geldwäsche in großem Umfang nachweisen. Und je teurer die Ausstattung des Clan-Domizils, desto leichter fällt das.
