Unter der Stelze, neben der Bay-Arena, verabreden sich immer wieder Raser. Filmen kann man sie nicht, nur behindern.
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Einen Hindernisparcours kann man nur aus einem Teil der Fläche unter der Stelze machen. Die VIP-Parkplätze von Bayer 04 sind aus Sicht der Stadtverwaltung tabu.
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An die illegale Rennstrecke unter der Stelze kann man keine Kameras stellen, um die Übeltäter identifizieren zu können. Zu diesem Schluss sind die Juristen im Rathaus gekommen. Weder für die Stadtverwaltung noch für die Polizei gäben die entsprechenden Gesetze so etwas her, heißt es: Der Bereich gegenüber der Bay-Arena wird von viel zu vielen Passanten benutzt, die dann auch alle gefilmt würden. Das sei wegen des Datenschutzes unverhältnismäßig.
Bleibt, unter der Autobahn einen Hindernisparcours einzurichten, der die meist spätabendlichen Beschleunigungsorgien, über die sich Anwohner seit Langem beschweren, verhindert. Auch darüber haben sich die Fachleute im Rathaus Gedanken gemacht und Vorschläge entwickelt, mit denen sich am Montagnachmittag der Finanzausschuss beschäftigte. Allerdings sind noch zu viele Fragen offen, weshalb CDU-Fraktionschef Tim Feister erst später entscheiden will – auf der Grundlage womöglich neuer Erkenntnisse. Denn natürlich kosten alle Einbauten in die Straße Geld – und es gibt aus Sicht auch der SPD wenig Gewissheit, dass man wirklich etwas bewirkt, so Fraktionschef Dirk Loeb.
Conchita Laurenz aus der Stadtverwaltung gab ihm Recht: „Die einzige Möglichkeit, wie wir der Poser-Szene Herr werden, ist, den Parkplatz zu sperren. Und das dürfen wir nicht."
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Bei dieser Menge sollte es unmöglich sein, zwischen den einzelnen Elementen derart zu beschleunigen, dass Rennen unter der Stelze gefahren werden können.
Die teuersten Einbauten sind Bremsschwellen – auch, weil man davon ziemlich viele braucht, um Rasern den Spaß zu verderben. 44 Stück müssten es schon sein, 22 pro Fahrtrichtung. „Bei dieser Menge sollte es unmöglich sein, zwischen den einzelnen Elementen derart zu beschleunigen, dass Rennen unter der Stelze gefahren werden können“, glaubt man im Rathaus. Allein für das Material müssten gut 41.000 Euro ausgegeben werden, dazu kommen geschätzt 20.000 Euro für den Einbau, weil die Technischen Betriebe Leverkusen (TBL) den Job nicht selbst machen können, sondern ein Bauunternehmen beauftragen müssen. Mit weiteren 3000 Euro sind die Schilder veranschlagt: Auf dem kurzen Stück sollen zehn Verkehrszeichen 112 – „Unebene Fahrbahn“ – aufgestellt werden. Macht gut 65.000 Euro.
Zwei Nachteile hätten die Schwellen auch: Radler werden gefährdet, und Motorradfahrschüler können dort nicht mehr üben.
Viel mehr wiegt aber dieser Einwand: Die Raser könnten einfach auf die Parkplätze nebenan ausweichen. Im Rathaus glaubt man, dass dort „keinerlei Hindernisse angebracht werden können. Sämtliche Parkflächen werden an Spieltagen von Bayer 04 Leverkusen als Stellplatznachweis für die Bay-Arena benötigt.“
Sperrpfosten sind eine Alternative
Die nächste Idee: Sperrpfosten, mit denen die beiden Renn-Fahrbahnen geteilt werden. 16 Stück bräuchte man. Herausnehmbare kosten Stand jetzt 14.450 Euro, versenkbare 22.400. Dazu kommen Markierungen für Radler sowie Schilder – und natürlich Personalkosten, weil die Poller vor jedem Fußballspiel abgeräumt oder versenkt werden müssen. Geld, das nicht Bayer 04 bezahlen muss, sondern die Stadt Leverkusen.
Ein anderes Problem: die Schlösser in den Pfosten. Nimmt man einfache Dreikantschlösser, läuft man Gefahr, dass jeder die Hindernisse abräumen kann: Die entsprechenden Schlüssel bekommt man überall einfach so.
Und: Je nach Anordnung könnten Autofahrer die Pfosten als Slalomstangen benutzen. Dann wäre nichts gewonnen. Die Poserszene schließlich vertreibt man weder mit Bremsschwellen noch mit Sperrpfosten.
Schließlich: Für mehr Licht unter der Stelze müssen 25 Leuchten umgeklemmt werden. Die werden derzeit von Bayer 04 geschaltet, sollen aber von der Stadt übernommen werden, beziehungsweise von der Energieversorgung Leverkusen, die den Licht-Job in der Stadt erledigt.

