Eine deutliche Mehrheit will das bestmögliche Auswahlverfahren für den schwierigen Dezernentenposten.
BeschlussPersonalberater hilft bei der Suche nach einem neuen Kämmerer in Leverkusen

Kommt ein Nachfolger für Michael Molitor schon im August? Nach den Beschlüssen des Stadtrats vom Montag ist das nicht mehr sehr wahrscheinlich.
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Die Stadt Leverkusen bekommt einen neuen Kämmerer, aber ob der Mann oder die Frau tatsächlich am 1. August im Rathaus antreten wird, ist seit Montagnachmittag unwahrscheinlicher geworden. Denn nahezu der gesamte Stadtrat sprach sich zum einen dafür aus, dass die Ausschreibungsfrist von drei auf vier Wochen verlängert wird. Wichtiger ist aber noch, dass sich die Überzeugung durchsetzte, dass für die Besetzung der überaus anspruchsvollen Stelle ein Personalberater gebraucht wird.
Im Rathaus-Ressort Personal und Organisation hatte man einen Headhunter für verzichtbar gehalten. Auf diese Weise wären nicht nur geschätzt 40.000 bis 60.000 Euro an Beraterhonorar gespart worden. Eine Personalsuche mit Bordmitteln wäre auch dem überaus eng getakteten Zeitplan zugutegekommen. „Wir hätten das Know-how“, unterstrich Hans-Gerd Wendling, der den Bereich Personal und Organisation in der Stadtverwaltung leitet.
Der Oberbürgermeister wehrt sich
Dass bei der Suche nach einem Ersatz für den auf eigenen Wunsch mittlerweile abgewählten Michael Molitor schon Zeit vergeudet wurde, konnte aus Sicht von Benedikt Rees auch jetzt nicht unerwähnt bleiben. Der Einzelkämpfer von der Klimaliste machte Oberbürgermeister Stefan Hebbel dafür verantwortlich. Der Christdemokrat wollte das so nicht stehen lassen. Hebbel berichtete, dass es von der Bezirksregierung durchaus Signale gegeben habe, dass man die von ihm angestrebte Ausnahmeregelung akzeptieren könne. Sein Plan: die Stelle jetzt ein Jahr lang nicht zu besetzen und Marc Adomat, der neben Schulen und Sport auch das Kulturressort betreut, weiterhin die Verantwortung über die Kämmerei zu überlassen. Andere Teile des ehemaligen Molitor-Ressorts sollten an den OB gehen.
Aus formalen Gründen klappte das dann doch nicht. Mit der Konsequenz, dass es jetzt einen straffen Plan gibt, nach dem eine der höchst verschuldeten Städte Deutschlands schnell einen Dezernenten bekommt, der sich ausschließlich um die maroden Finanzen kümmert und einen Plan macht, wie man aus der fast aussichtslos erscheinenden Misere wieder herauskommt. Dafür sind zehn Jahre Zeit.
Ein guter Kämmerer ist von zentraler Bedeutung für uns
Am Montag eröffnete Peter Viertel von der Bürgerliste den Reigen derer, die eine Stellenbesetzung ohne externen Berater für unklug halten. „Ein guter Kämmerer ist von zentraler Bedeutung für uns.“ Deshalb sollte die Personalauswahl mit maximaler Sorgfalt erfolgen. Zustimmung kam danach von der CDU-Fraktion, der SPD und allen anderen politischen Kräften mit Ausnahme der Grünen und der AfD.
Für einen Akt der Sorgfalt hält es SPD-Fraktionschef Dirk Löb auch, die Ausschreibungsfrist ein bisschen zu verlängern. Vier statt drei Wochen wären sicher gut. Auch das fand eine Mehrheit.
Bei den Grünen sorgt offenbar für Unwohlsein, dass der Zeitplan für die Stellenbesetzung nun schon in Gefahr ist, bevor das Verfahren überhaupt anläuft. Für Fraktionschefin Claudia Wiese steht fest, dass eine Person von außerhalb „Leverkusen guttun würde“. AfD-Mann Andreas Keith hält eine externe Beratung aus einem anderen Grund für unnötig: Er ist ziemlich sicher, dass die aus seiner Sicht etablierten Parteien die anspruchsvolle und hoch dotierte Stelle in Leverkusen längst „in ihren Kanälen“ bekannt gemacht haben. Ein Personalberater, das insinuierte Keith damit, würde dem Besetzungsverfahren einen neutralen Anstrich geben, den es nicht verdient.
Ab 1. April, auch das ist Teil des Beschlusses, ist Marc Adomat nunmehr offiziell Interimskämmerer der Stadt Leverkusen. Die Ressorts Recht und Vergabestelle sowie Ordnung und Straßenverkehr werden vorübergehend dem Dezernat von Oberbürgermeister Stefan Hebbel zugeschlagen. Mit einem engen Zeitplan soll versucht werden, einen neuen Kämmerer oder eine neue Kämmerin schon im Mai vom Stadtrat wählen zu lassen. Dann wäre ein Amtsantritt zum 1. August wohl machbar.
Klimaliste für Abwahl von Deppe
Kosten sparen: Auch dieser Aspekt stand hinter dem Plan, die Stelle des Finanzdezernenten noch ein Jahr in der Verwaltungsspitze aufzuteilen. Das spießte am Montag im Stadtrat Benedikt Rees nochmals auf: „Wir haben noch eine Dezernentin, die wir abwählen können.“ Gemünzt ist das auf Andrea Deppe, die wegen der Rettungsdienstaffäre suspendierte Baudezernentin.
Rees gab sich verständnislos, dass Deppe noch immer offiziell im Amt ist, obwohl sie seit dem vorigen Spätsommer ihren Tätigkeiten in der Stadtverwaltung nicht mehr nachkommt. Dass es noch immer keinen Vorstoß gibt, Deppe abzuwählen, liege einzig an den Christdemokraten, so der Vertreter der Klimaliste. „Liebe CDU, stimmen Sie einem Antrag auf Abwahl der Baudezernentin zu“, so sein Appell. Wohl wissend, dass es da in der größten Ratsfraktion ein Problem gibt: Der Schlebuscher Ratsherr Frank Schönberger ist der Lebensgefährte von Andrea Deppe.


