Mit 72 Teilnehmenden wurde ein Rekord erreicht – viele Themen von Toiletten bis zur öffentlichen Sicherheit.
Fünfte AuflageDas hat der Leverkusener Jugendstadtrat beschlossen

Haben verschiedene Ansichten: Jeremy Uerding (v. l.), Till Schimmelfennig und Lilly Jimenez im Jugendstadtrat.
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Die größte Fraktion ist gleichzeitig die umstrittenste. „Wir konnten uns mit den Liberalen und den Ökologischen schnell einigen, aber die Konservativen waren einfach immer dagegen“, klagt Lilly Jimenez (Sekundarschule Leverkusen), die selbst der sozialen Fraktion angehört. „Irgendwann sagte mal eine von denen selbst: Warum sind wir denn immer so negativ?“, stimmt Jeremy Uerding von der Schule an der Wupper seiner Fraktionskollegin zu. „Wir sind halt kritische Denker und hinterfragen Dinge“, rechtfertigt sich Till Schimmelfennig (Sekundarschule) für seine konservative Fraktion. Insgesamt hatten sich rund 30 Jugendliche den Konservativen angeschlossen, 20 den Sozialen und je zehn den Liberalen und den Ökologischen.
72 Teilnehmende in Leverkusen
Also alles ein bisschen wie in der großen Politik beim Jugendstadtrat, der am Donnerstag zum fünften Mal seit seiner Premiere 2022 im Ratssaal zusammenkam. Durch den aufgeblähten Stadtrat hat auch das Jugendpendant eine Rekordgröße erreicht: 72 Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren haben an dem dreitägigen Planspiel teilgenommen, das sie die Abläufe der Kommunalpolitik nacherleben lässt. Die Beschlüsse der Teilnehmenden werden an die echten politischen Gremien übergeben und dort beraten. 2025 gab es eine internationale Sonderausgabe mit Jugendlichen aus den Leverkusener Partnerstädten Oulu und Racibórz.

Viel Zustimmung gab es für die meisten Anträge im Jugendstadtrat
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Deutlich zügiger als eine echte Ratssitzung läuft dagegen die abschließende Sitzung des Jugendstadtrates unter Leitung von Oberbürgermeister Stefan Hebbel ab. Zumeist wird nur der Antrag verlesen und dann abgestimmt, eine Diskussion gibt es nicht mehr, die habe zuvor in den Fachausschüssen stattgefunden, sagt Simon Frädrich, der als Beauftragter für Jugendbeteiligung das Projekt organisiert.

Der Oberbürgermeister moderiert, die Jugendlichen stimmen ab.
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Die Anträge kommen aus vielen verschiedenen Bereichen. Im ersten Tagesordnungspunkt geht es um den Erhalt der Stadtteilbibliothek in Schlebusch. Interessanter Aspekt: Die Befürworter glauben, dass sich das durch die Kulturstiftung des Bundes finanzieren lassen könnte. Allgemein gab es den Auftrag an die Jugendlichen, bei ihren Anträgen immer die Finanzsituation der Stadt mit zu bedenken und nach Fördermöglichkeiten Ausschau zu halten. Dennoch fiel die Abstimmung in diesem Punkt knapp negativ aus: 30 Jugendliche sprachen sich für den Erhalt aus, 32 dagegen. Oberbürgermeister Hebbel, der auch eine Stimme hatte, enthielt sich.
In anderen Anträgen greifen die Jugendlichen bereits gefasste Beschlüsse der Politik auf: So hatte der Stadtrat 2022 beschlossen, die Ausgabe von kostenfreien Menstruationsprodukten an Schulen zu testen. Gerade für junge Mädchen sei das eine unkomplizierte und würdevolle Lösung bei unerwartet auftretender Periode, argumentieren jetzt die Antragsteller. Die Mehrheit der Jugendlichen stimmt dafür, nur Oberbürgermeister Stefan Hebbel ist dagegen – vielleicht, weil er sich daran erinnert, dass die Testphase zu vielen verstopften Toiletten geführt hatte.

Manuel Zabinski, Emilia Otten und Tara Selmani haben sich der sozialen Fraktion angeschlossen.
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Toiletten sind überhaupt ein Allzeitrenner im Jugendstadtrat. Den desolaten Zustand vieler Schultoiletten hatten die Jugendlichen bereits mit Nachdruck auf die Agenda der Stadt gebracht, in diesem Jahr fordern sie auch bei öffentlichen Toiletten im Stadtgebiet ein optimiertes Reinigungskonzept. Mehr Kontrolle wünschen sie sich auch an den Bahnhöfen und Haltestellen der Stadt: „Belästigung, Diebstähle und Vandalismus führen zu einem subjektiven Unsicherheitsgefühl und sind für viele ein Grund, den ÖPNV zu meiden“, begründen die Antragsteller.
Trotz – oder vielleicht auch gerade wegen – der Reibereien zwischen den Fraktionen sind sich alle einig, dass der Jugendstadtrat eine gute Erfahrung ist. „Ich habe viel darüber gelernt, wie Politik abläuft“, sagt Emilia Otten (Marienschule), die wie Manuel Zabinski (Käthe-Kollwitz-Gesamtschule) zum ersten Mal dabei ist: „Ich interessiere mich grundsätzlich für Politik und fand das direkt spannend, als ich davon gehört habe.“
Jeremy Uerding würde am liebsten direkt hauptberuflich in die Politik einsteigen: „Das hat mir so einen Spaß gemacht und mich richtig mitgerissen.“ Die anwesenden Stadtratsmitglieder hören das gerne – jugendlicher Nachwuchs ist überall gefragt.


