Der tödliche Unfall von Angelina Ranjan am 30. Januar bewegte und beschäftigte die Stadt das ganze Jahr – im Dezember kam es zur Gerichtsverhandlung.
Rückblick 2025Trauer um die elfjährige Angelina – Jahr begann mit einem schweren Unfall

Am Unfallort von Angelina Ranjan wird der Verstorbenen gedacht.
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Es heißt zwar, dass alle Menschenleben gleichwertig sind, aber wenn ein Kind im Straßenverkehr getötet wird, wie Angelina Ranjan am 30. Januar 2025, bewegt das die Menschen natürlich besonders. Die Elfjährige war am Zebrastreifen am Berliner Platz von einem Kleintransporter überfahren worden, sie war sofort tot. Die letzten Minuten ihres Lebens verbrachte sie zu Fuß zu ihrer Schule auf dem Weg zum Landrat-Lucas-Gymnasium.
Dem Unfallfahrer, ein 25-jähriger Mann aus Opladen, war nicht wirklich eine Straftat nachzuweisen. Er ist ortskundig, hatte sich die Sicht auf die Straße aber mit zwei Handyhalterungen und einem Tablet verstellt, sodass er das Mädchen bei der Ausfahrt aus dem Kreisverkehr auf die Bonner Straße nicht sehen konnte, wird im Prozess klar. Der Unfallsachverständige Alexander Wiek sagte dazu: „Wenn die Einbauten nicht gewesen wären und in die Richtung des Kindes geschaut worden wäre, wäre der Unfall vermeidbar gewesen.“
Bäume wachsen und blühen, sie sterben nicht
Der Opladener wurde am 12. Dezember verwarnt unter Vorbehalt einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 90 Euro. Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Angelinas Mutter wirkt frei von Bitterkeit. Sie sagt im WDR-Fernsehen, sie habe dem jungen Mann vom Herzen verziehen. Sie denke, dass es eine große Strafe für ihn sei, was passiert sei. Für eine Zierkirsche, die die Stadt am Tag vor der Gerichtsverhandlung am Unfallort am Berliner Platz auf einer Grünfläche gepflanzt hat, sei sie dankbar, sagte Mutter Merin Ranjan: „Bäume wachsen und blühen, sie sterben nicht.“
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Die kleine Gedenkstätte, die zwischenzeitlich sogar überdacht war, wird dort nach wie vor mit Kerzen bestückt. Einen Tag nach dem Unfall verlautbarte die Stadtverwaltung, der Berliner Platz werde „entschärft“. Gelbe Blinklichter sollen an den Ausfahrten warnen. Um Tempo 30 kämpfen Anwohner gelegentlich erbittert und oft ohne Erfolg, unter dem Eindruck der getöteten Schülerin Angelina ging das rund um den Berliner Platz vergleichsweise schnell.

Berliner Kissen wurden am Opladener Platz wieder abgebaut.
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Womöglich hat der Unfall auch etwas im Straßenverkehrsamt bewirkt, das sich in den vergangenen Jahren auffallend meist gegen die Einführung von Tempo-30-Abschnitten ausgesprochen hatte. Aber 2025 wird amtlicherseits überraschend und schnell für den Ortskern Lützenkirchen eine Temporeduktion empfohlen, für die sich Ortskundige seit Jahren eingesetzt hatten. Das Thema Schulwege und die Sicherheit kommt bald nach dem Unfall ganz allgemein aufs Tapet. Neben dem Berliner Platz schaut sich die Stadtverwaltung 2025 insgesamt elf Unfallschwerpunkte noch einmal genau an oder sie nimmt es sich vor: Oft sind es Kreisverkehre, mit denen manche Autofahrer immer noch nicht klarkommen, obwohl sie in Leverkusen seit Jahrzehnten zum Straßenbild gehören, aber auch Stellen, an denen Radwege und Straßen kreuzen, wie die Kreuzung Hardenbergstraße und Am Neuenhof.
Die Prozesse zur Entschärfung in der Verwaltung laufen oft eher langsam. Manchmal passiert gar nichts, manchmal bekommt man es einfach aber auch nicht mit, wenn etwa Büsche an der Straße entfernt werden. Berliner Kissen für den Berliner Platz. Auch am Unfall-Kreisverkehr am Berliner Platz in Opladen werden die Büsche geschnitten, um die Sicht zu verbessern. Bei den anderen Maßnahmen geht es darum, dass langsamer gefahren wird: In der Kreisfahrbahn wird die Mittellinie vom Asphalt abgehobelt, wie das auch in den Richtlinien für zweispurige Kreisverkehre geraten wird.
Das soll dazu beitragen, dass Autofahrer besser aufpassen müssen und langsamer fahren. Und im Sommer gibt es auch Berliner Kissen für den Berliner Platz. Das sind Unebenheiten, die die Autos bremsen sollen, die beim Ausfahren aus dem Kreisel oft viel zu sportlich Gas geben. Die meisten Befestigungen der Kissen allerdings halten nicht lange. Tausende schwere Autos täglich ramponieren die Schrauben. Mitarbeiter der Technischen Betriebe demontieren am 1. Oktober einige der künstlichen Straßenhubbel aus Gummi. Man will jetzt auch für die anderen eine Lösung erarbeiten, die hält. Immerhin: Das Berliner Kissen an der Kreiselausfahrt, an der am 30. Januar Angelina Ranjan überfahren wurde, scheint zu halten.

