Ein zu kleiner Abwasserkanal, eine ungünstige Topografie und jahrelanges Warten auf Besserung: Hinter der Zukunft des beliebten Versammlungsortes stehen Fragezeichen.
StarkregenEigentümer der Stadthalle Bergisch Neukirchen erwägt Schließung

Samet Dzeladini, Eigentümer der Stadthalle Bergisch Neukirchen, weist auf einen der Kanaldeckel, die bei starkem Regen vom Wasser hochgedrückt werden.
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Wenn es heftig regnet, steht Samet Dzeladini mit seinem Team in der Stadthalle Bergisch Neukirchen mit großen Gummi-Abziehern bereit, auch nachts. Denn bei kräftigen Regengüssen ist jedes Mal zu befürchten, dass der Mischwasserkanal unter dem Fußweg direkt neben der Stadthalle überquillt. Und durch die ungünstige Topografie an der Längsseite der Halle – sie liegt etwa einen halben bis einen Meter niedriger als der Fußweg und der Parkplatz – ergießt sich die Regenflut dann über die Zuwege zu Haupteingang und Notausgang in das Foyer, die Stadthalle und das Restaurant in der Stadthalle.
Dreimal sei das 2025 der Fall gewesen, so Dzeladini. In den Jahren zuvor seit 2017 musste er die Halle jeweils einmal pro Jahr von Regenfluten säubern. Er betrieb die Stadthalle von 2004 an zunächst als Pächter, bevor er sie 2010 der Stadt abkaufte. Dzeladini erzählt: „Im Juni 2025 hatten wir für die Abschlussfeier der Sekundarschule. „Wir hatten für 180 Gäste eingedeckt in der Stadthalle – und dann stand der Saal unter Wasser. 30 Minuten starker Regen genügten.“ Im Heizungskeller habe er bis zu den Knien im Wasser gestanden.

Zum Eingang zur Stadthalle Bergisch Neukirchen führen ein paar Treppenstufen herunter.
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Im Sommer vergangenen Jahres habe er den Saal dann renoviert. Als die Arbeiten fertig waren, kam drei Tage später erneut ein Wolkenbruch – und wieder schwappte das Wasser in die Stadthalle. Auf der Suche nach einer Lösung für das Problem hat der 53-jährige Eigentümer der Stadthalle bereits 2017 oder 2018 Kontakt zu den Technischen Betrieben Leverkusen (TBL) aufgenommen. Inzwischen habe es mehrfach Gespräche gegeben. Doch: „Ich habe das Gefühl, dass die nichts machen.“ Dzeladini ist inzwischen soweit, dass er über eine Schließung der Stadthalle nachdenkt: „Wenn das dieses Jahr nochmal passiert, mache ich den Saal zu.“
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Das erhöht den Druck auf Verwaltung und Politik eine Lösung für die unkontrolliert abfließenden Regenmengen in Bergisch Neukirchen zu finden. Denn in der Stadthalle feiern in der Session einige Opladener Karnevalsvereine ihre Sitzungen. Seit der Hochwasserkatastrophe von 2021 weichen zudem die Leichlinger für die Proklamation ihrer Tollitäten und auch für Sitzungen nach Bergisch Neukirchen aus. Hinzu Fußballvereine, der Gemeinnützige Bauverein Opladen, der Haus- und Grundeigentümerverein und das Kabarett-Ensemble Weibs-Bilder: Sie alle müssten sich für Mitgliederversammlungen und Aufführungen ohne die Stadthalle nach einem anderen Saal umsehen.

Einen Teil des Linoleums in der Stadthalle hat Samet Dzeladini erneuern müssen.
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Jüngst stand das Thema zwar erneut auf der Tagesordnung der Bezirksvertretung II im Opladener Verwaltungsgebäude. Die Fraktion von Opladen Plus hatte ihren bereits im Juni 2025 wortgleich vorgelegten Antrag zur „Hochwassersituation“ rund um die Stadthalle Bergisch Neukirchen erneut eingebracht. Doch der Erkenntnisgewinn der Sitzung war gering. Gregor Wilbertz, bei den TBL zuständig für das Thema Stadtentwässerung, konnte lediglich berichten, dass der Kanal entlang der Stadthalle im Herbst gesäubert worden sei.
Wilbertz führte weiter aus, es sei sinnlos, den Kanal unter dem Gehweg einfach nur gegen einen größeren auszutauschen, denn: „Auch der Kanal in der Wuppertalstraße ist in seiner Kapazität begrenzt. Das Ganze ist eine sehr komplexe Situation.“ Es sei unklar, welche Anlieger alle an diesen Kanal angeschlossen seien.
In Frage kommen das hinter der Stadthalle liegende Schwimmbad, aber auch die Kita Wuppertalstraße, die GGS Bergisch Neukirchen und die Turnhalle, in der der Neukirchener Turnverein beheimatet ist. Eines aber wusste Wilbertz: „Der Kanal ist nicht öffentlich und wird nicht von den TBL unterhalten.“ Die Verwaltung will nun ein Tiefbauingenieurbüro beauftragen, um die Frage zu klären, welche Anlieger den Kanal nutzen.
Im Nachgang zur Sitzung heißt von der Stadt, dass die technischen Unterlagen zum Kanal in EDV der Stadt hinterlegt seien. Weiter heißt es: „Auf Grund der bisher bestehenden Funktionalität der Gesamtsituation wurde die gemeinschaftliche Nutzung und die Regelung des Betriebes nicht hinterfragt.“ Diese Aussage steht allerdings im Widerspruch zu den Erfahrungen, die Dzeladini mit dem überfließenden Kanal seit Jahren macht.
Immerhin denkbar scheint, dass der Kanal im Zusammenhang mit dem Bau des Schwimmbades Bergisch Neukirchen 1973 in Richtung Wuppertalstraße gelegt wurde. Dann wäre der Sportpark Leverkusen mit im Spiel. Das wiederum könnte bedeuten, dass sich an der Kanalsituation vor den Türen der Stadthalle nichts ändert, bis das Hallenbad Bergisch Neukirchen neu gebaut wird. Dieses Vorhaben verkündete der Sportpark im Juni 2025.
Von seiten der Stadt heißt es auf Anfrage dieser Zeitung weiter, dass das Problem dem Fachbereich Gebäudewirtschaft bekannt sei. TBL und Gebäudewirtschaft hätten ein Sanierungskonzept erarbeitet. Desweiteren verweist die Stadt auf die noch ausstehende Beauftragung eines Fachplaners – womit das in der Bezirksvertretung erwähnte Tiefbau-Ingenieurbüro gemeint sein dürfte – „um die notwendigen Arbeiten ganzheitlich zu planen und umsetzungsreif zu entwickeln.“
Zur Frage, wem der problematische Kanal gehört, bleibt die Stadtverwaltung in ihrer Antwort im Ungefähren: „Hier handelt es sich um eine historische Kanalsituation aus der Zeit, als die gesamte Liegenschaft noch als eine Einheit betrieben wurde. Auf Grund der historische Kanalsituation und der damit verbundenen gemeinschaftlichen privatrechtlichen Nutzung sind alle Nutzer zuständig.“ Offen bleibt mit dieser Antwort, was genau mit „die gesamte Liegenschaft“ gemeint ist. Offen bleibt auch, wieso von „privatrechtlicher Nutzung“ die Rede ist. Fast alle möglichen Nutzer des Kanals sind öffentlich-rechtliche Einrichtungen: die Schule, die Kindertagesstätte, das Schwimmbad.
Dzeladini jedenfalls fühlt sich in diesem Punkt nicht von der Stadt angesprochen. Er betont, dass er nichts mit dem regelmäßig überlaufenden Kanal zu tun habe. „Die Stadthalle und das Restaurant sind nicht daran angeschlossen. Sie entwässern direkt in den Kanal in der Wuppertalstraße.“ Doch das ändert nichts daran, dass er ein drängendes Abwasserproblem hat. Und die Stadt auch.


