Bei Starkregen steht die Stadthalle Bergisch Neukirchen regelmäßig unter Wasser. Das Problem ist seit Jahren bekannt. Eine Lösung nicht in Sicht.
KommentarWas macht die Stadt ohne Stadthalle in Bergisch Neukirchen?


Zum Eingang zur Stadthalle Bergisch Neukirchen führen ein paar Treppenstufen herunter.
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Samet Dzeladini ist nicht zu beneiden. Vor seiner Haustür in Bergisch Neukirchen verläuft ein Kanal, der ihm nicht gehört und den er auch nicht nutzt. Die schmutzigen Regen- und Abwasserfluten aus dem Kanal ergießen sich allerdings regelmäßig in seine vier Wände. Immer dann wenn Starkregen über der Wuppertalstraße niederprasselt, steigt die Gefahr, dass das erneut passiert. Und heftige Regengüsse treten im Zuge der Klimakrise immer häufiger auf.
Nun ist Samet Dzeladinis Haus nicht irgendein Privatgebäude in Bergisch Neukirchen. Es ist die Stadthalle, die gute Stube des Stadtteils, 120 Jahre alt, Heimstatt unzähliger Karnevalssitzungen, Prinzenproklamationen, Mitgliederversammlungen verschiedenster Vereine. Und diese Halle könnte schon in diesem Sommer Geschichte sein. Aus, vorbei, geschlossen. Wenn Dzeladini als Eigentümer im Sommer nach der nächsten Überflutung der Stadthalle das vom Aufwischen des Dreckwassers nasse Handtuch wirft, weil er endgültig die Nase voll hat und, wie angekündigt, die Stadthalle zumacht.
Dem Gastronomen wäre da kein Vorwurf zu machen. Die Stadtverwaltung und die Technischen Betriebe Leverkusen, deren Vertreter sich neulich in der Opladener Bezirksvertretung zur Sache geäußert haben, tun allerdings gut daran, endlich konkrete Antworten auf Fragen zu geben, die seit Jahren wegen der Überflutungen der Stadthalle im Raum stehen. Die hörbare Ungeduld, mit der Vertreter von Opladen Plus in der Sitzung darauf reagierten, dass diese Antworten nach wie vor nicht vorliegen, ist absolut berechtigt. Und es ist das Verdienst dieser Gruppierung, in der Sache hartnäckig am Ball zu bleiben.
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Denn rund acht Jahre, nachdem Samet Dzeladini die Technischen Betriebe erstmals auf sein Überflutungsproblem aufmerksam gemacht hat, ist offenbar weiterhin völlig unklar, wer für das überforderte Kanalrohr überhaupt zuständig ist.
Es entbehrt nicht einer gewissen Peinlichkeit, dass die Stadt hier von einer „Funktionalität der Gesamtsituation“ spricht und bisher daher keinen Bedarf sah, tätig zu werden. Was an einem regelmäßig überquellenden Kanalrohr funktional sein soll, wird wohl das Geheimnis der Verwaltung bleiben.
In der Sitzung erklärte eine Vertreterin der Stadtverwaltung allen Ernstes zur Sache, die vermutlich an den überlasteten Kanal angschlossenen Sportstätten, also das Schwimmbad, die Turnhalle und vielleicht auch der Fußballplatz, die dort ansässige Schule und Kita müssten Regenwasser vermehrt auf ihrem Gelände versickern. Gute Idee! Sie kommt nur ein bisschen spät. Und wem gehören Schule, Schwimmbad und Kita noch mal gleich?
Bergisch Neukirchen könnte so zu einem Baustein des Schwammstadt-Plans für Leverkusen werden. Samet Dzeladini und den Karnevalisten, Sportvereinen und Institutionen, die die Halle nutzen, hilft das alles nichts. Sie brauchen eine Lösung – bis zum nächsten Starkregen.


