Das Lise-Meitner-Gymnasium macht den Vorreiter bei der Entdeckung Künstlicher Intelligenz. Die Ergebnisse beeindrucken.
„Creation Lab“Schüler entdecken in Leverkusen, was an KI Segen ist – und was Fluch

Lion Antonow, Ilias Tiet und Mert Tarhan haben mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz das Spiel „Just a Bug“ entwickelt.
Copyright: Thomas Käding
Siebenmal 60 Minuten. Mehr Zeit war nicht. Aber das, was die Siebtklässler der Lise-Meitner-Schule in diesen 420 Minuten erschaffen haben, stützt auf jeden Fall diese These: Künstliche Intelligenz spart Zeit. Entstanden sind drei Spiele – davon ein klassisches Brettspiel – und ein Podcast.
Das Wiesdorfer Gymnasium hat als erstes in der Stadt das „lev_creation_lab“ bespielt. Darin geht es darum, mit KI kreativ zu sein. Was schon mal ein anderer Ansatz ist im Umgang mit der revolutionären Technologie. ChatGPT, Gemini und Co. werden ja vielfach vor allem als Wissensspeicher angesehen.
Dass die großen Sprachmodelle auch Werkzeuge für Kreativität sein können, haben Lion Antonow, Ilias Tiet und Mert Tarhan schnell gemerkt und genutzt: Für ihr Spiel „Just a Bug“ haben sie ChatGPT genau gesagt, welche Charaktere sie haben wollen. Sie lassen – ganz klassisch – „gut“ gegen „böse“ kämpfen. Entstanden ist aber kein Ballerspiel, sondern eines, das den Umweltschutzgedanken in sich trägt. Das spektakuläre Intro haben die drei Lise-Meitner-Schüler von Gemini Flow machen lassen. Einen ähnlichen Ansatz findet man in dem Spiel „Humans vs. Robots“.
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Ein klassisches Brettspiel
Das Brettspiel „Code Red“ erinnert in seiner Konzeption an die Pandemie. Und zeigt nebenbei, wie präsent Lockdown und Homeschooling immer noch sind für Siebtklässler. Das fand die Jury bei der Präsentation am Dienstagabend bei Covestro ein bisschen spannender als die beiden anderen Spiele und setzte „Code Red“ auf den zweiten Platz. Am besten schnitt ein anderes Format ab: „Der Große Filter“ ist ein Podcast mit KI-generierten Stimmen.
Das alles zeigt einerseits: KI bietet große Möglichkeiten. Andererseits hat die erste Gruppe im „lev_creation_lab“ die Risiken erkannt und menschliche Kreativität dagegen gesetzt. Und darauf komme es an, sagte Harry Voges: „Wir sind die stärkste KI. Wir haben Emotionen und Gedanken“, unterstrich der Chef des Softwarehauses AGU in Bürrig. Das ist ein typischer „Hidden Champion“: Weltmarktführer bei Pharma-Software.
So zu tun, dass die KI nur Gutes kann, ist mit Sicherheit ein Fehler
Dahinter stehen 15 Jahre Entwicklung. „Wir haben Quellcode mit mehreren Millionen Zeichen“, und den muss AGU wie einen Schatz hüten und darf ihn auf keinen Fall einer KI zur Verfügung stellen. ChatGPT ein paar Code-Schnipsel generieren zu lassen, um Zeit zu sparen, das ist völlig ausgeschlossen für das Leverkusener Unternehmen. Würde man diesen bequemen Weg gehen in Bürrig, müsste Voges mit „Ja“ antworten auf die Frage eines Schülers: „Ersetzt KI Ihre Arbeit?“
Für den Unternehmer Voges sieht es deshalb so aus: „So zu tun, dass die KI nur Gutes kann, ist mit Sicherheit ein Fehler.“

Vier Schülerinnen und Schüler – fünf Fragen: Florian Frankenau, Athisakthy Dederichs, Harry Voges, Andrea Schmitz und Stefan Hebbel (von links) mussten antworten.
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In der Schüler-Fragerunde, an der neben dem Unternehmer Voges die Lehrerin Athisakthy Dederichs, die Software-Expertin Andrea Schmitz, Oberbürgermeister Stefan Hebbel und Florian Frankenau vom Gastgeber Covestro teilnahmen, wurde ein differenziertes Bild gezeichnet. Frankenau verwies auf die großen Chancen, die Künstliche Intelligenz biete. Freilich ist die auch bei Covestro nicht öffentlich: „Wir haben sozusagen unser eigenes ChatGPT gebaut“, berichtete der Gastgeber. Mit dem Modell wird in Dormagen eine Produktionsanlage autonom gesteuert.
Auch wenn es in der Forschung um die Analyse großer Datenmengen geht, verspricht KI einiges. Covestros Vorstandschef Markus Steilemann zeigt sich in dieser Sache regelmäßig angefixt und treibt die Entwicklung im Konzern energisch voran. Zu den Segnungen gehört nach Aussage von Florian Frankenau auch das autonome Fahren. Nächsten Monat werde im Süddeutschen ein autonom fahrender Bus auf die Teststrecke geschickt. Der soll eines Tages schneller unterwegs sein als die Testmodelle im benachbarten Monheim.
Leverkusens OB sieht „ganz klar die Chancen“
Das wäre womöglich dann auch etwas für Leverkusen, glaubt der Oberbürgermeister. Stefan Hebbel sieht „ganz klar die Chancen“, die KI für das Abarbeiten immer gleicher Prozesse bietet, wie sie in der Stadtverwaltung durchaus vorkommen. Voraussetzung sei natürlich, „die Fragen gut zu definieren“. Dann könne Künstliche Intelligenz auch dem absehbaren Personalmangel abhelfen.
Andrea Schmitz vom Beratungshaus Sankt Oberholz würde zumindest dem selbstfahrenden Auto nur bedingt über den Weg trauen. Aus ihrer Sicht ist KI ein Werkzeug für den Menschen. Dass sie eines Tages „die Welt erobern“ wird, glaubt auch Lise-Lehrerin Dederichs nicht. Die Modelle müssten schließlich von den Menschen mit Trainingsdaten gefüttert werden. „Es liegt also an uns.“ Und wenigstens im Lehrplan werde die Künstliche Intelligenz nicht die Oberhand gewinnen, so Dederichs: „Das Fach KI wird es nicht geben.“

