Räuber oder Friedensstifter? Zwei junge Angeklagte versuchen, ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
ProzessSchüler im Leverkusener Stadtpark geschlagen und gedemütigt

An der Dampfbahn im Wiesdorfer Stadtpark sollen mehrere Jugendliche einen Bekannten attackiert haben.
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Was war da los an jenem Samstagabend Mitte September 2024? Kamen da drei junge Leute in den Wiesdorfer Stadtpark, um eine Schlägerei zu schlichten? Oder waren sie vielmehr Täter? Davon geht die Staatsanwaltschaft aus, die insgesamt sogar fünf junge Leute wegen Raub und Körperverletzung angeklagt hat. Drei von ihnen kamen am Donnerstag ins Opladener Amtsgericht, wobei der mutmaßliche Haupttäter von der Polizei vorgeführt werden musste: Voriges Mal hatte er die Ladung missachtet. Das kam bei der Justiz besonders schlecht an, weil der junge Mann einer weiteren Tat bezichtigt wird und sogar als Intensivtäter gilt. Beide Male ging es um Mobiltelefone und Gewalt.
Karim G. und sein Kumpel Mesut M. (alle Namen geändert) hatten – wie auch ihr Mitangeklagter Sebastian C. – eine ziemlich andere Version der Geschichte auf Lager als die Staatsanwaltschaft, die sich auf die Aussage des Opfers stützt: Es sei überhaupt nicht so gewesen, dass man sich am 14. September 2024 gegen 18.30 Uhr an der Dampfbahn im Stadtpark verabredet habe, um die Herausgabe eines Handys zu erzwingen, das am Abend davor in Opladen weggekommen war.
Die Schlägerei war schon im Gange
„Wir saßen auf einer Bank und haben Quatsch gemacht. Dann haben wir Lärm gehört und sind dahin“, sagte Karim G. aus. Er und sein Kumpel Mesut hätten zwei Streithähne auseinandergehalten. Einer von beiden habe da schon über dem Auge geblutet. Das sei wohl derjenige gewesen, dem der andere vorwarf, sein Handy geklaut zu haben. Alle hätten sich irgendwie gekannt, und es sei schwierig gewesen, eine Eskalation der Gewalt zu vermeiden. Deshalb sei er auch recht robust zur Sache gegangen, räumte Karim ein.
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Sein Kumpel Mesut stellte das sehr ähnlich dar. Man habe mit der ganzen Angelegenheit eigentlich nichts zu tun gehabt, und recht schnell sei man auch von dannen gezogen.
Sebastian C. konnte noch etwas zum Hintergrund des blutigen Streits beitragen: Danach habe es am Abend zuvor schon Stress in Opladen gegeben. Sein Bruder sei darin verwickelt gewesen und der Kumpel, der dann einen Tag später verletzt wurde. Der Andere sei weggelaufen und habe dabei sein Handy verloren. Das habe der Kumpel dann an sich genommen und am Silbersee weggeworfen. Sein Bruder habe mit der Sache nichts zu tun, und deshalb sei er auch in den Stadtpark gegangen, um die Sache zu klären, sagte der junge Burscheider.
Was hat der Bruder getan?
Auch das passte nicht zur Schilderung des 17 Jahre alten Vincent: Nicht er habe das Mobiltelefon an sich genommen, sondern der Bruder von Sebastian, der ebenfalls angeklagt ist, jetzt aber in Ostdeutschland weiterverfolgt wird, weil er nach Bitterfeld gezogen ist. Karim und Mesut seien im Stadtpark nicht als schlichter aufgetreten, sondern hätten ihn ebenfalls bedroht und geschlagen. Seine Verletzung über dem linken Auge stamme allerdings von dem Bekannten, der am Abend zuvor das Handy verloren hatte.
Weil er sich keiner schuld bewusst war, sei er überhaupt in den Stadtpark gekommen, sagte das Opfer. Dass er dort von mehreren Leuten in die Mangel genommen wurde, habe ihn völlig überrascht.
Eine Demütigung auf Video
Es blieb allerdings nicht bei Schlägen; es kam eine Demütigung dazu: Er musste seine Hose herunterziehen und sich auf eine Weinflasche setzen, die einer der Angreifer mitgebracht hatte. Karim und Mesut hätten das gefilmt. Er habe aber nur so getan, sagte Vincent. Zwei Tage später bestätigte sich das bei einer Untersuchung im Klinikum. Verletzt war Vincent nur am Auge.
Er hat mir zwei Klatschen gegeben, dann ist er weggegangen.
Während Karim G. am 14. September nur dabei war, geht ein Raub zwei Monate vorher auf ihn allein zurück. Das räumte er am Donnerstag auch ein.
Am 11. Juli 2024 rief er am Calevornia einen 15-Jährigen herbei: Er müsse sich mal kurz dessen iPhone leihen. Als das Opfer das noch keine drei Monate alte Gerät wiederhaben wollte, sei dies geschehen: „Er hat mir zwei Klatschen gegeben, dann ist er weggegangen“, so der 15-Jährige. „Weil ich klein war und Angst hatte, habe ich das so gelassen.“ Die beiden Ohrfeigen brachten dem Jungen einen Riss im Trommelfell ein. Bis heute habe er Hörstörungen, berichtete der Steinbücheler. Das am Calevornia erbeutete iPhone habe er in Köln weiterverkauft, erklärte Karim G. – 350 Euro habe er für das ziemlich neue Gerät bekommen.
Wie das alles rechtlich zu beurteilen wird, dürfte sich im März herausstellen. Dann will Richter Torsten Heymann ein letztes Mal in der Sache verhandeln.

