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Leerstand drohtStadt Leverkusen sucht nach Lösung für Erholungshaus

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Das Erholungshaus von Bayer wird Stand jetzt ab 2027 leer stehen.

Das Erholungshaus von Bayer wird Stand jetzt ab 2027 leer stehen.

Bayer Kultur wird sich aus dem Konzerthaus in der Wiesdorfer Kolonie zurückziehen, über eine mögliche Übernahme durch die Stadt wird diskutiert.

Die Zukunft des Erholungshauses beschäftigt weiterhin Leverkusen. Ende des vergangenen Jahres gab es dazu ein Gespräch zwischen Oberbürgermeister Stefan Hebbel und Thomas Helfrich, dem damaligen Bayer-Kultur-Chef, kurz bevor der das Unternehmen Ende 2025 verließ. Das ist insofern besonders, als der Kontakt zwischen Stadt und Bayer Kultur diesbezüglich monatelang mehr oder weniger brach gelegen hatte.

Das Erholungshaus an der Nobelstraße wurde 1908 eröffnet, es steht in Teilen unter Denkmalschutz. Bayer Kultur veranstaltet dort viele Konzerte, zum Beispiel im Rahmen des eigenen Start-Festivals, auch viele Konzerte der Leverkusener Jazztage finden inzwischen im Erholungshaus statt. Dazu ist es Probenort für mehrere Leverkusener Ensembles, unter anderem für die Bayer Philharmoniker oder das Junge Musical. Allerdings, so hatte Helfrich gesagt, bedeute der Auszug nicht, dass Bayer Kultur dort keine Konzerte mehr veranstalten würde. Nur eben dann als Mieterin und nicht als Betreiberin des Hauses.

Ende dieses Jahres wird Bayer Kultur, deren Büros sich ebenfalls in den Räumen befinden, dort aber ausziehen. Die Konzernabteilung stellt ihr Förderprinzip um. Man wolle kein Konzerthaus mehr betreiben, hatte Thomas Helfrich den Auszug begründet. Stattdessen setze man mehr auf zentriertere Künstlerförderung, zum Beispiel durch die Start-Akademie. In Leverkusen sehen viele das als fortschreitenden Rückzug der Kulturförderung durch die Bayer AG.

Leverkusen: Stillstand seit fast einem Jahr

Die Diskussion über das Erholungshaus und einen Auszug von Bayer daraus gibt es schon seit einigen Jahren, jetzt wird sie aber akut. Bayer Kultur hat der Stadt das Haus zur Übernahme für einen symbolischen Euro angeboten. Wegen der Haushaltslage konnte die Stadt das aber nicht annehmen, weil man sich den Betrieb nicht leisten könne. Und mit dem Forum betreibt die Stadt Leverkusen schon einen Konzertsaal.

Vor etwa einem Jahr, so hatte es Thomas Helfrich dem „Leverkusener Anzeiger“ berichtet, habe es einen Austausch zum Thema mit dem damaligen Oberbürgermeister Uwe Richrath gegeben. Eine Vorlage, die dem Kulturausschuss im März 2025 vorgelegt werden sollte, wurde erarbeitet. Dann passierte laut Helfrich allerdings nichts mehr. Als er nachhörte, habe Richrath ihm mitgeteilt, dass aus der Idee der Übernahme durch die Stadt nichts wird, weil man kein Geld habe.

Das war im Grunde der Stand bis Ende 2025. Im September hatte noch jemand eine Petition zum Erhalt des Hauses initiiert, die bisher knapp 2000 Unterzeichner hat. „Ich wünsche mir von Herzen, dass auch in naher Zukunft diese Tradition weitergeführt wird. Das Erholungshaus sollte ein lebendiges Zentrum für Kultur, Kunst und Gemeinschaft bleiben. Es ist nicht nur ein Gebäude, sondern ein Ort des Zusammentreffens und des Austauschs“, wird dort Christine Güldenmeister als Initiatorin zitiert.

In kulturinteressierten Kreisen wird der drohende Leerstand vielfach kritisch gesehen. Es ist zu hören, dass einige Menschen darüber nachdenken, eine Stiftung zu gründen, um den Betrieb des Erholungshauses fortzuführen. 

Dass das machbar ist, erscheint angesichts der Summe, die die Stadt für den Betrieb des Konzerthauses nennt, aber mehr als fragwürdig. 750.000 Euro, so die Stadt, müsse man im Jahr für den Betrieb zahlen, dazu kämen Sanierungskosten. „Für die Stadt ist nach wie vor nicht darstellbar, das Erholungshaus zu übernehmen“, heißt es in der Stellungnahme. Es werde aber weiter nach Alternativen gesucht. Für Februar, so der neue Bayer-Kultur-Chef Christoph Böhmke gegenüber dem „Leverkusener Anzeiger“, sei ein weiteres Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern der Bayer AG und der Stadt geplant.