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Überspannung in LeverkusenVersicherung zahlt oft gar nichts

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Harald Zander steht in seinem Bad mit dem defekten Durchlauferhitzer, dessen Elektronik am 11. Januar 2026 bei der mehrminütigen Überspannung abgeraucht war.

Harald Zander steht in seinem Bad mit dem defekten Durchlauferhitzer, dessen Elektronik am 11. Januar 2026 bei der mehrminütigen Überspannung abgeraucht war.

Der Versicherer gibt an, dass Geschädigte laut Gesetz 500 Euro Selbstbeteiligung tragen müssen.

Die minutenlange Überspannung im östlichen Leverkusener Stromnetz am 11. Januar, bei dem viele Elektrogeräte durchgebrannt sind, könnte jetzt für die Stromkunden doch teuer werden. Inzwischen sind bei geschädigten Kunden Briefe eines Büros „Gielisch Claims Management“ eingegangen. Den Stromkunden wird darin mitgeteilt, dass sie laut Paragraf elf des Produkthaftungsgesetzes wegen der darin enthaltenen Selbstbeteiligungsregel auf 500 Euro Schaden sitzen bleiben; die müssen sie selbst zahlen.

Bei Leser Harald Zander aus Schlebusch war am betreffenden Sonntagvormittag mit der Spannungsspitze der Durchlauferhitzer durchgebrannt. „Das hat so laut geknallt, ich habe gedacht, meine Frau wäre irgendwo runtergefallen, das war zum Glück nicht so“, sagt Zander. Zanders Elektriker des Vertrauens kam am nächsten Montag vorbei und diagnostizierte, dass das zehn Jahre alte Heißwassergerät irreparabel sei. Einen passenden neuen Durchlauferhitzer hatte er zufällig auch schon dabei und installierte ihn: Die Kosten von 651 Euro meldete Zander, wie von seinem Energieversorger EVL vorgegeben, im Internet auf dem Schadensformular der Firma Westnetz GmbH. Westnetz betreibt das übergeordnete Stromnetz, aus dem sich städtischen Versorger bedienen. An der Übergabestelle Umspannanlage Lützenkirchen, betrieben von Westnetz, war es zu einem defekt in einem Gerät gekommen, deshalb sieht sich die EVL als Stadtnetzbetreiber nicht in der Pflicht.

Netz-Überspannung: Leverkusener bekommen oft gar nichts

Bei 500 Euro Selbstbeteiligung bekäme Zander für sein defektes Heizgerät eigentlich noch 151 Euro zurück, allerdings gibt es die zweite Klausel im Brief, die besagt, dass die Versicherung nur den Zeitwert des Durchlauferhitzers ersetzen wird, und der funktionierte zwar wie ein neuer, ist aber zehn Jahre alt. Zander trifft nicht die geringste Schuld an dem Defekt. Der 80-Jährige sagt mit Ergebenheit in der Stimme: „So geht man mit kleinen Leuten um.“

Auch Leser Hans-Jürgen Knoll aus der Waldsiedlung ist betroffen. Er beklagt den Verlust von mehreren Lampen-Trafos und Halogenlampen. Schaden: 180 Euro. Das ist weit innerhalb der Selbstbeteiligung: „In meinem Fall ist das also komplett mein Bier. Pech gehabt.“

Die Firma hat jetzt eine Lücke gefunden - und schon bist Du der Doofe.
Hans-Jürgen Knoll, Betroffener

In der Wohnung einer Nachbarsfamilie seien drei Warmwassergeräte durchgebrannt: 1100 Euro Schaden. Knoll: „Mir selbst geht es nicht schlecht, aber bei der Familie wird das schon auffallen. Die Firma hat jetzt eine Lücke gefunden - und schon bist Du der Doofe“, sagt Knoll, „die sahnen ab und wenn es mal andersherum geht, kommt nichts. Ich selbst habe ja keine andere Wahl, ich brauche Strom“.

Ein Mitarbeiter der Firma „Gielisch Claims Management“, die für die Haftpflichtversicherung der Westnetz die Abwicklung der Leverkusener Schäden übernommen hat, erklärt, dass etwa 1000 Schäden gemeldet worden seien. Der Haftpflichtversicherer der Westnetz sei die HDI Global SE, die habe die Grundlagen für die Schadensregulierung unter Berücksichtigung des Paragrafen elf vorgegeben, sagte er.

Das ist ein Industrieversicherer, der sich nicht selbst mit den kleinen Fällen beschäftigt, weshalb er die Kölner Firma „Gielisch Claims Management“ eingeschaltet hat. In dem Anschreiben, das an die Geschädigten herausgegangen ist, heißt es: „Die Störung trat ohne arbeitstechnische Einwirkung der Westnetz GmbH oder eines Dritten ein und war nicht vorhersehbar oder zu verhindern.“ Mit anderen Worten: höhere Gewalt.

Das müssen die geschädigten Kunden jetzt erst mal glauben, vor allem, ob wirklich nichts vorhersehbar war. Über den genauen Schaden im Umspannwerk und ob jemand Unabhängiges etwa geprüft hat, um auszuschließen, dass ein Wartungsfehler vorgelegen hat, wurde von Westnetz bisher nicht mitgeteilt.