Hitdorf und Wiesdorf haben schon von einer großen Städtebauförderung profitiert, jetzt ist Manfort an der Reihe.
Leverkusens vernachlässigter StadtteilManfort wird Sanierungsgebiet

Gustav-Heinemann-Straße, Borkumstraße, Stixchesstraße, Manfort: Hier ist oft viel Autoverkehr. Foto: Ralf Krieger
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Das würden wohl viele unterschreiben: Man kann es dem Stadtteil Manfort ansehen, dass dort bisher im Vergleich zu anderen Stadtteilen nur wenig für eine gute Entwicklung getan wurde. Jetzt soll auch noch die Nachbarschaftsinitiative Glim „Gemeinsam leben in Manfort“ wegen der Haushaltskrise aufgegeben werden. Für Hitdorf und Wiesdorf hat die Verwaltung indes bereits viel Fördergeld verbaut, nun soll der Stadtteil der Leverkusener Mitte, Manfort, auch mal an der Reihe sein.

Manfort: Das Misch-Gewerbegebiet an der Syltstraße mit Metro, Kierdorf, Bauhaus soll Sanierungsgebiet werden. Die Syltstraße, die direkt an der Autobahn-Lärmschutzmauer verläuft, soll um einige Meter verlegt werden – zu den heutigen Parkplätzen von Metro, Bauhaus und Aldi hin.
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Der begonnene Prozess heißt „Zukunft Manfort“ und das Ziel ist es, Fördermittel vom Land zu erhalten und diese sinnvoll einzusetzen, um damit etwas für die Zukunft des Stadtteils zu bewirken. Am Anfang geht es um eins der schwierigen Gebiete aus städtebaulicher Sicht: das Manforter Gewerbegebiet zwischen Auto- und Eisenbahn, in dem Metro, Bauhaus und ehemals Kierdorf und Eumuco angesiedelt sind und waren. Das Gebiet soll als „Sanierungsgebiet“ ausgewiesen werden.
Ist ein Quartier als Sanierungsgebiet festgelegt, gibt es für die Verwaltung mehr Möglichkeiten, Dinge zu verändern, an die sich auch die Nachbarn halten müssen. Die Stadt kann dann etwa Grundstücksverkäufe verhindern und hat Vorkaufsrechte sowie Gestaltungsmöglichkeiten, kann in Einzelfällen sogar Abbrüche anordnen und Mietpreise bremsen. Aber das alles kostet auch Geld, weshalb die Stadt Leverkusen auf Förderung angewiesen ist.
Der Stadtteil wird gründlich untersucht
Um Ideen und Geld zu generieren, soll ein „Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK)“ eingeleitet werden, wie es das schon etwa in Wiesdorf und in Burscheid gibt.
Grundlage dafür wiederum ist eine vorbereitende Untersuchung des Stadtteils, mit der die Stadt und das Planungsbüro Dr. Jansen GmbH am Dienstag, 14. Juli begonnen haben. Aufgabe ist es, das Gebiet genau zu analysieren und zu prüfen, wo Missstände liegen und wo es Veränderungsbedarf gibt.
Untersucht werden die wenigen Grün- und Freiflächen, alle Aspekte des Verkehrs, des Wohnens und des Wohnumfelds. Klimagerechte Stadtentwicklung sowie soziale, demografische, wirtschaftliche und kulturelle Strukturen müssen ebenso betrachtet werden.
Straßen, Gebäude, Grünflächen, Spiel- und Parkplätze und andere Dinge im Stadtbild werden fotografiert und schriftlich dokumentiert, um den Bestand zu analysieren. Der Bauzustand der Gebäude steht im Vordergrund. Die laufende Voruntersuchung betrifft zunächst das kommende Sanierungsgebiet, das 19 Hektar große Gebiet zwischen der A3, der Kieler Straße, der Bahntrasse Köln-Wuppertal und der Pfeilshofstraße im Süden.
Nachbarschaftsinitiative „Glim“ soll bestehen bleiben
Die Manforter sollen auch ihre Meinung sagen dürfen über digitale und analoge Beteiligungsformate. Den Auftakt bildet im Spätsommer eine Online-Beteiligung. Außerdem sind in diesem Jahr Stadtteilspaziergänge mit vertiefenden Interviews angedacht, zu denen die Verwaltung unterschiedliche Zielgruppen einladen will. Es soll andere Online-Beteiligungsformate mit einem besonderen Fokus auf Jugendliche geben, schreibt die Stadtverwaltung.
Nach Abschluss der Dokumentation und Bestandsaufnahme werden die Ergebnisse gemeinsam mit den Erkenntnissen aus den Beteiligungsverfahren ausgewertet. Dann wird beschrieben, wo Handlungsbedarf besteht und welche städtebaulichen Änderungen für die zukünftige Entwicklung von Manfort in Betracht kommen. Was dann tatsächlich verändert wird, steht wieder auf einem anderen Blatt. Das Ziel der Voruntersuchung ist, dass das Sanierungsgebiet mit den weitreichenden Eingriffsmöglichkeiten rechtssicher festgelegt werden soll.
Wer tiefer einsteigen will: Ab Paragraf 142 im Baugesetzbuch sind die Regelungen nachzulesen.
Bei einer großen Änderung in Manfort wird man aber kaum noch Mitspracherechte haben: Die Autobahn GmbH plant, die Syltstraße zugunsten der geplanten Autobahnerweiterung auf 490 Metern Länge um einige Meter in Richtung Metro und Bauhaus zu verlegen. Diese Verlegung soll laut Ausschreibung der Autobahn GmbH ins Planfeststellungsverfahren aufgenommen werden.
Kürzlich geriet die einzige Manforter Stadtteilinitiative „Gemeinsam Leben in Manfort“, kurz „Glim“ in den Strudel des Haushaltssicherungskonzepts der Stadt Leverkusen; sie soll ab 2027 die städtischen Zuschüsse verlieren. Diese Initiative soll in das ISEK Manfort aufgenommen werden. Die Hoffnung ist, dass sie dank des zu erwartenden Fördergelds weiterläuft.
