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Siedlung an der AutobahnNicht alle Leverkusener wollen neue Linden vorm Haus

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Anwohner im ratherkämp und Lingenfeld sollen neue Straßenbäume bekommen. Bild: Ralf Krieger

An dieser Stelle stand eine Linde: Anwohner im Ratherkämp und Lingenfeld sollen neue Straßenbäume bekommen.

Die Siedlung am Ratherkämp soll wieder grüner werden.

Eine Stadt, in der man auch in Zukunft noch leben kann und will, braucht viel Grün, besonders gesunde Bäume, die Schatten spenden, Feinstaub binden, die Umgebung kühlen und bestenfalls noch Insekten Lebensraum und Nahrung bieten. Auf den ersten Blick wirkt in den Straßen in der kleinen Siedlung an der Autobahn alles richtig: Auf den Straße Lingenfeld und Rätherkamp gibt es wenig Verkehr und am Rand stehen große Linden.

Auf den zweiten Blick sieht man aber, dass die Bäume viel zu kleine Baumscheiben haben und sie zugunsten der Straßenbreite vor etwa 70 Jahren so eng an die Gartenzäune gepflanzt wurden, dass Fußgängern auf den Fußwegen kaum Platz bleibt, jedenfalls wenn sie mit Rollatoren oder Kinderwagen unterwegs sind. Und offensichtlich haben einige der Linden zu wenig Platz unter der Erde, denn in den vergangenen Jahren sind einige umgefallen.

Lindenallee in der Straße Lingenfeld.

Lindenallee in der Straße Lingenfeld.

Die Stadt Leverkusen hat Fördergeld beantragt und will im kommenden Winter an diesen Stellen acht neue Bäume pflanzen und muss dafür etwas Straßenfläche opfern, damit der Fußweg erhalten bleibt. Es sollen wieder Linden gepflanzt werden, aber eine kleinere Sorte. Die neuen Winterlinden sollen es besser haben: Jede bekommt zwölf Kubikmeter Substrat, das möglichst viel Regenwasser speichern kann.

Bei einem gemeinsamen Termin mit den Nachbarn wurden am Montagnachmittag Details  besprochen. Von den Nachbarn, die gekommen waren, waren aber längst nicht alle begeistert, obwohl doch die Pflanzung ihrer Siedlung zugute kommt.

„Die Kehrmaschine komme dann vermutlich nicht mehr in die Ecken an den Baumscheiben“, so ein Einwand. Eine Frau beklagte, dass Regenrinnen durch die Linden jetzt schon oft gereinigt werden müssten. Es seien ja nicht nur die Blätter, Linden gäben über den Sommer schon Blüten und Samen ab. Sie hatte noch eine andere Vorahnung: „Wer pflegt eigentlich später das Grün in den Baumscheiben?“ Wenn dafür die Stadt zuständig sei, dann doch sicher niemand. Ein Mann befürchtete, dass die Straßen faktisch zu Einbahnstraßen würden, weil dann Baumscheiben den Verkehrsfluss der Autos behindern.

Klimaanlagen sieht man in der Straße Ratherkämp und Lingenfeld einige. Bild: Ralf Krieger

Eine Klimaanlage auf dem Dach in der Straße Ratherkämp.

Grünflächenamtsleiterin Silke Thyssen, die sich sichtlich beherrschen musste, sagte: „Es wird immer heißer, da wird das Laub das kleinste Problem sein. Die Alternative ist eine Straße ohne Bäume, das geht aber nicht, weil wir das Stadtklima großflächiger betrachten müssen.“

Sie bekam Schützenhilfe von Udo Nehren, Professor an der Fakultät für Raumplanung der Technischen Hochschule Köln, der die Leverkusener Pflanzung nahe dem Stadion mit einigen Studentinnen begleitete, um auch abseits der wissenschaftlichen Arbeit etwas zu lernen. Dem Klimawandel müsse man in den Städten auch mit Pflanzen und Wasserflächen begegnen. Bäume oder keine Bäume: Das könne einen Unterschied von zehn Grad Celsius in der Straße machen, sagte er.

In den Straßen, eingekeilt zwischen Autobahn 3 und Bismarckstraße, gibt es offenbar jetzt schon ein Hitzeproblem: Einige Häuser haben Klimaanlagen auf dem Dach. Bei der Begehung der Straße mit den Nachbarn wurde hier und da noch darüber verhandelt, die Baumscheiben etwas zu verschieben, aber letztlich werden alle acht Bäume gepflanzt.

Das weitere Vorgehen: Wenn wieder eine der alten Linden schwächelt, soll sie durch eine Winterlinde ersetzt werden. Alle auf einmal fällen und zu ersetzen, wie das eine Nachbarin bevorzugen würde, verbiete sich, sagte Silke Thyssen, der plötzliche Verlust an Grün sei zu groß.