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Dorfgemeinschaft Pattscheid-Romberg-Linde250 Leverkusener demonstrieren gegen hohe Auflagen

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„Auflagen runter!“ Etwa 250 Menschen waren dem Aufruf der Dorfgemeinschaft Pattscheid-Romberg-Linde (Paroli) gefolgt und demonstrieren gegen zu hohe Auflagen durch die Behörden.

„Auflagen runter!“ Etwa 250 Menschen waren dem Aufruf der Dorfgemeinschaft Pattscheid-Romberg-Linde (Paroli) gefolgt und demonstrieren gegen zu hohe Auflagen durch die Behörden.

Beunruhigende Nachrichten waren am Samstagmittag aus Schlebusch zu hören.

Kurz bevor sich die Demo in Bewegung setzt, steigt Simone Neugebauer auf eine kleine Mauer am Landhotel May-Hof. Das Megafon funktioniert nicht, deshalb ruft die Vorsitzende der Dorfgemeinschaft Pattscheid-Romberg-Linde („Paroli“) ihre Worte laut in die Menge: „Zeigen wir den Verantwortlichen, dass wir uns nicht kleinkriegen lassen.“

Zum ersten Mal nach 73 Jahren zieht an diesem Samstag kein großer Festumzug mit geschmückten Wagen und bunten Fußgruppen durch die Ortschaft. Im vergangenen Jahr hatte es noch knapp gereicht, aber dieses Mal waren die Auflagen, die die Behörden für den Umzug gestellt haben, einfach zu hoch, berichten die Verantwortlichen. Deshalb hatte die Dorfgemeinschaft eine Demo organisiert, um darauf aufmerksam zu machen, dass das Brauchtum vor dem Aus stehe, wenn sich nichts ändert.

Simone Neugebauer, „Paroli“-Vorsitzende, rief auf: „Zeigen wir den Verantwortlichen, dass wir uns nicht kleinkriegen lassen.“

Simone Neugebauer, „Paroli“-Vorsitzende, rief auf: „Zeigen wir den Verantwortlichen, dass wir uns nicht kleinkriegen lassen.“

Und als „Paroli“ rief, kamen sie alle. So entwickelte sich die „Paroli“-Demo im Grunde zu einem Protestzug von rund 250 Ehrenamtlichen aus ganz Leverkusen. 200 Anmeldungen habe man im Vorfeld registriert, sagt „Paroli“-Sprecher Sebastian Folkers. Gekommen seien dann sogar noch ein paar mehr, überschlägt er. Auch Folkers ist kämpferisch. Die Dorfgemeinschaft existiere 2027 75 Jahre, die Ursprünge des Zuges seien sogar noch älter. Und diese Tradition drohe wegzubrechen. „Aber wir werden nicht zulassen, dass das wegfällt.“ Wenn’s sein müsse, würde man im kommenden Jahr eben wieder eine Demo organisieren. Was solle man auch anderes machen.

„Paroli“ kann nach eigenen Angaben nicht mehr erfüllen, was die Stadt für den großen, meist etwa 500 Teilnehmer starken Festzug vorgibt. Für Ordner, Umleitungen, Schilder, Sicherheitsvorkehrungen und alles, was dazugehört. Folkers macht das an einem Beispiel fest: Früher habe man die Umleitungsschilder, die man bei der Stadt miete, auf einen Trecker geladen und aufgestellt. In Eigenregie. Aber es seien inzwischen so viele, dass das nicht mehr machbar sei. Also müsste man eine Firma beauftragen, das günstigste Angebot, das „Paroli“ bekam, lag bei 8500 Euro, sagt Folkers. Das kann selbst die Dorfgemeinschaft, zu der insgesamt rund 700 Mitglieder gehören, nicht stemmen.

Um die Zukunft des Brauchtums sorgen sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Um die Zukunft des Brauchtums sorgen sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Die Vorsitzende sagt in ihrer Ansprache, dass sich kurz vor der Demo die Stadt nach Gesprächen, nach denen sich eigentlich nichts geändert habe, doch noch etwas bewegt habe: Man könne weniger Sperren aufstellen, dann aber auf eigene Verantwortung. Natürlich ist das keine Option. „Wir machen das alles neben unseren Jobs und unserer Familie und wir machen das auch gerne“, sagt Simone Neugebauer. Aber so gehe der Spaß dabei verloren.

Was „Paroli“ auch stört: Es sei keine Stringenz erkennbar, sagt Folkers. Für andere Veranstaltungen seien die Auflagen viel geringer. Aber „Paroli“ hätte alle Seitenstraßen sperren müssen, die Burscheider Straße von Bergisch Neukirchen bis nach Linde. Im vergangenen Jahr habe das schon dazu geführt, dass viel weniger Leute da waren, weil sie einfach nicht zum Fest kamen.

Dass die Dorfgemeinschaft so vehement um ihren Festumzug kämpft, habe auch etwas mit der Zukunft zu tun: Man wolle die Tradition schließlich auch für die nächsten Generationen erhalten. Und die Vorsitzende weiß: „Was einmal weg ist, bleibt auch oft weg.“

Am Landhotel May-Hof an der Burscheider Straße hatten sich die Demonstranten versammelt.

Am Landhotel May-Hof an der Burscheider Straße hatten sich die Demonstranten versammelt.

Damit das nicht passiert, waren unter anderem die Flotten Karotten, die den Karnevalszug in Holzhausen ausrichten, gekommen. Für sie ist die Lage ähnlich, auch wenn man es bisher noch hinbekommen habe. „Alles wird teurer und aufwendiger. Das kann man irgendwann nicht mehr stemmen“, sagt Thilo Krautmacher. Roland Künzel weist ebenfalls darauf hin, wie wichtig es sei, alles am Laufen zu halten, damit die jungen Menschen die Tradition irgendwann übernehmen.

Lilo Schmitz, die Vorsitzende der KG Grün-Weiß Schlebusch, ist mit ihren Vereinsmitgliedern in grünen Shirts gekommen. Kostüme waren ausdrücklich nicht erlaubt. Folkers sagt dazu: „Wir mussten den Unterschied zum Festzug klar herausstellen.“ Die Kosten für die Auflagen für den Karnevalszug am Karnevalssamstag, die die KG Grün-Weiß aufbringen müsse, lägen bei rund 30.000 Euro, sagt Lilo Schmitz. 45.000 bis 50.000 Euro koste der gesamte Zug.

Man sei für den Erhalt des Brauchtums gekommen, sagt sie: „Da halten wir zusammen.“ Aber für Grün-Weiß sieht es offensichtlich ähnlich schlecht aus wie für „Paroli“. Die Wahrscheinlichkeit sei durchaus hoch, dass, wenn sich nichts ändere, im kommenden Jahr auch kein Karnevalszug durch Schlebusch gehe, sondern ebenfalls eine Demo.

Für kommenden Montag, 6. Juli, ist ein Gespräch zwischen Verwaltung und verschiedenen Vereinsvertretern geplant. Oberbürgermeister Stefan Hebbel war zwar nicht zur Demo gekommen, hatte sich aber für einen Besuch auf dem Dorffest am Samstagabend angesagt. Von den Ratsmitgliedern war außer Rüdiger Scholz keines zu sehen.