Seit zehn Jahren gibt es den Plan von Einkaufs- und Wohnbebauung an der Berliner Straße, jetzt geht es rasant voran.
Aldi, Rossmann, BäckereiEinkaufen soll in Fettehenne Anfang 2027 wieder möglich sein

Das alte Fachwerkhaus bleibt, drumherum entsteht ein neues Nahversorgungszentrum.
Copyright: Stefanie Schmidt
Seit gut einem Jahr kann man in Fettehenne rasante Veränderungen beobachten. Im Dreieck Berliner Straße, Charlottenburger Straße und Teltower Straße türmten sich nach dem Abriss der alten Garagen erst gigantische Trümmerberge. Dann waren die aufwändigen Boden- und Stützarbeiten in dem steilen Gelände zu bestaunen, jetzt werden Betongebäude in die Höhe gezogen. Eine Konstante aber hält dem ganzen Trubel stand: das historische Schiefer- und Fachwerkhaus direkt an der Berliner Straße. Von der Straßenseite aus betrachtet, mag mancher Passant Sorge haben, dass das denkmalgeschützte Gebäude bald zusammenbricht. Wer aber die Chance hat, von oben auf das Häuschen zu schauen, sieht ein komplett saniertes Dach und eine strahlende Rückseite.

Bauherr Daniel Rinck auf der Dachterrasse eines der Wohnhäuser.
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„Der Gehweg wird erst noch neu gemacht“, klärt Daniel Rinck. Dann werde auch die Vorderseite hübsch gemacht, natürlich alles in Abstimmung mit dem Denkmalschutz. Das rund 150 Jahre alte Haus gilt als eines der ältesten Gaststättengebäude Leverkusens – und soll künftig auch wieder zu einer werden. Aktuell stehe er mit zwei Gastronomen in Verhandlungen, die den Betrieb übernehmen wollen, sagt Rinck.

Blick von oben Richtung Berliner Straße.
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Wenn alles gut läuft, wird das Nahversorgungszentrum Fettehenne ziemlich genau zehn Jahre nach dem ersten Antrag fertig. Daniel Rinck und seine Contraco Development GmbH haben das Projekt 2024 übernommen. „Wir sind eher durch Zufall nach Leverkusen gekommen“, berichtet der Bauingenieur, der eigentlich im Frankfurter Raum ansässig ist. Über einen gemeinsamen Bekannten kam er mit Eva Frenjo zusammen, die mit der EKJ Grundbesitz das Projekt ursprünglich geplant hatte. Alle Baugenehmigungen und erste Verträge lagen vor, dann aber habe es Probleme mit der Umsetzung gegeben. Rinck habe zunächst zwei Jahre unterstützend begleitet. „2024 haben wir dann die Anteile gekauft und uns entschieden, es selbst zu machen“, sagt der Investor. Etwa 30 Millionen Euro betrage das Investitionsvolumen.

So soll das Nahversorgungszentrum Fettehenne fertig aussehen.
Copyright: EKJ Grundbesitz
Rinck ist voll des Lobes für Leverkusen: Sowohl mit der Stadtverwaltung als auch mit der Nachbarschaft könne er sehr gut zusammenarbeiten. „Das kenne ich aus der Rhein-Main-Region auch ganz anders“, sagt Rinck. „Man merkt, dass es großes Interesse gibt, dass dieses Projekt jetzt wirklich umgesetzt wird.“ Denn das Nahversorgungszentrum wird dringend gebraucht: Die angrenzenden Stadtteile Fettehenne, Mathildenhof und Meckhofen haben einen sehr hohen Anteil an Senioren, viele Jahre ist es her, dass mit Netto der letzte Supermarkt in der Ecke geschlossen hat. Fußläufig kann man hier schon lange nicht mehr einkaufen.

Vor dem Abriss standen hier Hallen und ein Garagenhof.
Copyright: EKJ Grundbesitz
Im März 2027 soll sich das ändern: Aldi Süd und der Drogeriemarkt Rossmann ziehen in die beiden großen Verkaufsflächen ein. Die Bäckerei Voosen erhält eine neue Filiale mit kleinem Außencafé, die in Schlebusch bekannte Apothekerfamilie Klingenberg betreibt die Apotheke, dazu kommt noch ein Lotto-Laden. Für eine Arztpraxis und Büroräume gibt es ebenfalls schon Interessenten. Besonders Aldi sei sehr interessiert an dem Standort gewesen, sagt Rinck: „Die waren sogar bereit, einen 20-Jahres-Vertrag zu unterschreiben, meines Wissens nach einer der letzten Verträge in Deutschland über diese Laufzeit.“

In diese Verkaufsfläche wird voraussichtlich im März 2027 Aldi Süd einziehen.
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Ab 1. Juli will er mit dem Verkauf der Wohnungen starten, die ab Mai 2027 bezugsfertig sein sollen: Geplant sind 32 Wohnungen mit Größen zwischen 63 und 120 Quadratmetern, entweder mit Balkon oder Dachterrasse, in den Erdgeschosswohnungen mit kleinem Gartenanteil. „Wir haben uns bewusst für etwas größere Wohneinheiten entschieden, weil in der Gegend viele größere Familien leben“, sagt Rinck.

Wer gute Augen hat, erkennt den Domblick.
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Gebaut werde nach KfW-55-Standard, ohne fossile Energieträger, dafür mit Luftwärmepumpen und Photovoltaikanlage. 48 Parkplätze für die Bewohner stehen in einer Tiefgarage zur Verfügung, die mit E-Ladesäulen ausgestattet werden können. Weitere 77 Parkplätze werden für Einkaufskunden geschaffen: 24 Außenstellplätze, der Rest in einer weiteren, räumlich getrennten Tiefgarage. Ob das ausreicht und die engen Straßen abseits der Berliner Straße den neuen Verkehrsstrom verkraften, wird die Realität zeigen müssen.
Was heute noch nach einer Betonwüste aussieht, soll aber definitiv nicht so bleiben, verspricht Rinck: Rund um die Häuser werde ein Meter Mutterboden aufgetragen und bepflanzt, auch mit hochwachsenden Bäumen. Der Blick aus den oberen Wohnungen geht ohnehin ins Grüne – und bei jenen, die Richtung Berliner Straße gehen, sogar bis zum Kölner Dom.
