Mit der endgültigen Trennung von der US-Gesellschaft hat das Pharmaunternehmen ein Drittel seines Umsatzes abgegeben. Das zeigt die Bilanz für 2025.
GeschäftsberichtWie es für Biofrontera in Leverkusen weitergeht

Die Hauptverwaltung von Biofrontera in der ehemaligen Wuppermann-Zentrale am Hemmelrather Weg
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„Ein äußerst bedeutendes Jahr“, bilanziert Biofronteras Vorständin Pilar de la Huerta Martínez. Denn 2025 hat das Manforter Pharmaunternehmen sich endgültig von der US-Firma Biofrontera Inc. getrennt. In höchster Not, da lässt der Geschäftsbericht keinen Zweifel: Die von Gründer Hermann Lübbert geleitete Inc. mit Sitz in Woburn/Massachusetts ist in große Schwierigkeiten gekommen. Das liegt unter anderem an einer Klage des Konkurrenten Sun Pharmaceuticals – es geht um Patentverletzungen. Je nachdem, wie der Rechtsstreit ausgeht, drohen Biofrontera Millionenzahlungen, ganz abgesehen von den Prozesskosten, die in den USA ebenfalls sehr hoch ausfallen können.
Die wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten von Biofrontera Inc. „haben deutlich gezeigt, dass unser Unternehmen seine Risiken im US-Markt reduzieren muss“, schreibt de la Huerta, die Chefin der Leverkusener AG. Die Folge: Alle US-bezogenen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten wurden im vorigen Oktober auf die Biofrontera Inc. übertragen. Entscheidend sei „die Übertragung der Risiken, die sich aus den von Sun Pharmaceuticals gegen die Unternehmen eingeleiteten Rechtstreitigkeiten ergeben. Sowohl die Kosten für die rechtliche Verteidigung als auch die mit dem Ausgang dieser Verfahren verbundenen Risiken wurden auf Biofrontera Inc. übertragen“, steht im Geschäftsbericht. Er zeigt die Auflösung einer Rückstellung über rund 2,5 Millionen Euro für mögliche Rechtskosten in dem anstehenden Sun-Prozess.
Lampenproduktion bleibt in Leverkusen
Die Rotlichtlampen, die in den USA immer Teil der Therapie mit dem Hautkrebsmittel Ameluz sind, werden weiterhin in Leverkusen montiert. Die dafür zuständige Biofrontera Discovery ist nun Tochter der amerikanischen Biofrontera Inc.

Die speziellen Rotlichtlampen werden weiterhin in Manfort zusammengebaut.
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Stand jetzt seien nur noch „geringfügige offene Fragen zu klären, die sich auf regulatorische Aspekte beziehen, die außerhalb der Kontrolle der Unternehmen liegen, und die voraussichtlich im ersten Halbjahr 2026 abgeschlossen sein werden“, kommentiert de la Huerta im Geschäftsbericht den derzeitigen Stand. Die Abnabelung war auch aus Sicht des Aufsichtsrats extrem wichtig. Die Risiken in den USA und mögliche Auswirkungen auf Leverkusen gaben dort Anlass „zu ernsthafter Besorgnis“.
Viel Erfolg auf einem kleinen Markt
Nach der Trennung konzentriere man sich in Manfort auf das Wachstum seiner Hautkrebssalbe Ameluz auf den europäischen Märkten und habe, so de la Huerta, „erneut eine herausragende Performance mit einem außergewöhnlichen Wachstum von mehr als 20 Prozent auf dem deutschen Markt, und zwar zum dritten Mal in Folge“. Der Marktanteil liege jetzt bei 73 Prozent. Allerdings ist die photodynamische Therapie von oberflächlichem Hautkrebs nicht sonderlich verbreitet. Nur 6,2 Prozent aller Behandlungen liefen so ab, heißt es in Biofronteras Geschäftsbericht. In Deutschland würden rund 1,7 Millionen Menschen gegen oberflächlichen Hautkrebs behandelt, insgesamt seien 2025 gut 1,2 Millionen Rezepte ausgestellt worden.
In Spanien besetzte Biofrontera wieder mehr als 50 Prozent des Markts. Die führende Position hatte das Unternehmen zwischendurch eingebüßt. Auch in Großbritannien betrage der Marktanteil mehr als 50 Prozent.
Der Umsatz ist im vorigen Jahr um eine auf gut 13 Millionen Euro gewachsen. Das Betriebsergebnis lag mit minus einer Million besser als im Jahr davor, als knapp 1,1 Millionen ausgewiesen wurden. Das Gesamtergebnis beziffert Biofrontera auf minus vier Millionen Euro; ein Jahr davor lag der Verlust rund 400.000 Euro höher.
Das Kosmetikprodukt Belixos hat Biofrontera inzwischen aufgegeben. Die Salbe für die Haut, die über Apotheken vertrieben wurde, wird seit dem Jahreswechsel nicht mehr hergestellt.
Der frühere Finanzvorstand Ludwig Lutter ist endgültig mit seinen Klagen gegen Biofrontera gescheitert. Lutter war Mitte August 2022 abberufen worden; im März 2024 sprach ihm das Landgericht Köln 616.000 Euro zu. Zum Vergleich: Die amtierende Alleinvorständin erzielte voriges Jahr eine Gesamtvergütung von 411.000 Euro. 280.000 als Fixum, 10.000 Euro in Sachleistungen und 121.000 als erfolgsabhängigen Bonus. Der Vertrag der 57-Jährigen wurde Ende Februar bis Ende 2027 verlängert.
Lutter hatte Nachforderungen gestellt, die am 30. Oktober 2025 endgültig vom Oberlandesgericht Köln abgewiesen wurden. Es bleibt also bei 616.000 Euro für den vormaligen Finanzchef.
Zwei Behörden befassen sich nach Unternehmensangaben derzeit mit Biofrontera: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht habe eine Prüfung des Konzernabschlusses für das Geschäftsjahr 2024 angeordnet. Diese könne „zu Feststellungen oder Empfehlungen führen und finanzielle, rechtliche oder reputationsbezogene Auswirkungen auf das Unternehmen haben“, kommentiert der Vorstand. Außerdem werde Biofrontera derzeit vom Finanzamt geprüft. Da sehe es derzeit gut aus: Man gehe nicht davon aus, „dass sich die Finanzlage oder das Geschäftsergebnis des Unternehmens wesentlich verschlechtern werden“.
