Der ADFC-Vorsitzende Kurt Krefft wirbt intensiv für eine bessere Platzaufteilung auf den Straßen. Abschreckende Beispiele gibt es genug.
MobilitätWo parkende Autos das Leben in Leverkusen schwer machen

Die Aufteilung zwischen Autos, Bussen, Radlern, Fußgängern und Parkplätzen an der Rathenaustraße bereitet oft Probleme.
Copyright: ADFC/Kurt Krefft
Es tut sonst niemand. Deshalb setzt sich Kurt Krefft auch dafür ein, dass Fußgänger mehr Platz bekommen. Der Vorsitzende des ADFC in Leverkusen hält es für dringend erforderlich, dass etwas geschieht. Im Visier hat er derzeit die Parkstreifen, die auf vielen Gehwegen an Leverkusener Straßen aufgemalt sind. An sehr vielen Stellen bleibt kaum etwas für Fußgänger übrig: Die Bürgersteige an der Zeppelin- und der Hermann-von-Helmholtz-Straße „können sie mit keinem Rollator, Kinderwagen oder Rollstuhl benutzen. Sie müssen auf die Straße, wo sie von denen weggehupt werden, die mit Erlaubnis der Stadt ihr Auto halbseitig auf dem Bürgersteig abstellen“, ist Kreffts Befund.
Das könne so nicht bleiben. Bei der Aufteilung der Verkehrsflächen würden nicht motorisierte Menschen extrem benachteiligt. Würde man nur winzige fünf der 60 Prozent Verkehrsfläche nicht mehr dem Auto, sondern dem Radverkehr widmen, „bekäme er endlich ordentlich breite Wege. Dann bekommen wir auch mehr Radverkehrsverbindungen zwischen den Leverkusener Stadtteilen. Und: Unsere Kinder könnten dann endlich sicher Radfahren“, so der ADFC-Vorsitzende in einem Brief an den neuen Stadtrat.

Die Hermann-von-Helmholtz-Straße in der Kolonie ist eines der schlechten Beispiele, wo Autos Radfahrern und Fußgängern den Platz rauben.
Copyright: ADFC/Kurt Krefft
Ein solches programmatisches Schreiben ist aus seiner Sicht erforderlich. Das halbseitige Zuparken von Gehwegen ist einer von vielen Punkten, die im Mobilitätskonzept 2030+ angesprochen werden. Es wurde im Juni 2020 verabschiedet. Krefft schließt daraus, dass die neuen Mitglieder des Stadtrats es nicht kennen. Was auch daran liegen dürfte, dass es in der aufgeregten Debatte um das Haushaltsloch zuletzt überhaupt keine Rolle mehr gespielt hat.
Alles zum Thema ADFC
- Mobilität Wo parkende Autos das Leben in Leverkusen schwer machen
- Vorrang für Fahrräder Warum es vor einem Hürther Gymnasium Denkzettel für Elterntaxis gibt
- Unfall in Kerpen 71-jähriger Radfahrer von Auto erfasst und schwer verletzt
- Zusammenstoß in Hürth 54-jährige Radfahrerin bei Unfall schwer verletzt
- Fahrradkontrollen an Schulen Bonner Polizei stellt bei fast jedem zweiten Rad Mängel fest
Aber auch in den finanziell besseren Zeiten vor dem Sommer 2024 ist es mit der Verkehrswende in Leverkusen nicht gerade schnell vorangegangen. Mit Blick auf den allumfassenden Sparzwang beharrt der ADFC-Chef allerdings: „Wir wollen unser Ziel, eine Verkehrswende für alle herbeizuführen, nicht aus den Augen lassen.“

Erlaubt, aber so wird der Gehweg nutzlos: Auch die Zeppelinstraße macht Leverkusens ADFC-Vorsitzenden Kurt Krefft unzufrieden.
Copyright: ADFC/Kurt Krefft
Krefft hält eine Klarstellung für erforderlich. Der ADFC sei nicht „gegen das Auto. Wir sind für eine vernünftige Partnerschaft im Straßenverkehr.“ Die sieht er aber nur, wenn mehr Autofahrer auf das Rad umsteigen. Wer im Auto sitzt, müsse erkennen können, dass das Rad eine Alternative ist. Das gelinge, wenn man als Autofahrer regelmäßig im Stau von Radfahrern überholt wird: „Der Nachbar fährt mit seinem Rad später los und kommt früher an der Arbeitsstelle an.“ Das fördere die Überlegung, doch einmal auf das Rad umzusteigen.
Voraussetzung dafür sei eine bessere und sichere Rad-Infrastruktur. „Dann bekommen wir mehr Menschen auf das Fahrrad. Und die Straßen werden leerer, damit die, die auf das Auto angewiesen sind, endlich stress- und staufrei zu ihren Zielen kommen“, so der ADFC-Vorsitzende.

Die Birkenbergstraße in Opladen hat einen extrem schmalen Gehweg, weil auch dort Autos die Hälfte des Platzes belegen dürfen.
Copyright: ADFC/Kurt Krefft
Im Auge hat Krefft dabei vor allem die Radpendlerwege. Sie müssten „massiv ausgebaut werden“. Das allerdings erfordere Mut. Aber den verantwortlichen in der Leverkusener Stadtverwaltung werde der Rücken gestärkt. Die Verkehrsministerkonferenz fordere, dass jährlich „eine Fahrradmilliarde vom Bund auf die Länder und Kommunen verteilt wird. Dann könnten große Projekte, wie sie für Leverkusen erforderlich sind, nach und nach umgesetzt werden“, sagt der ADFC-Vorsitzende.
Aber auch ohne gigantische Fördersummen lasse sich einiges verändern. „Es gibt eine Menge Straßen, die ohne große Investitionen zu Fahrradstraßen umgewidmet werden können“, weiß Krefft. Im Einzelfall stellt sich das allerdings immer wieder als kompliziert heraus. Weshalb es in Leverkusen mit Fahrradstraßen nicht vorangeht.
Krefft hofft, dass der neue Stadtrat die Mobilitätswende nicht völlig aus den Augen verliert. Deshalb bietet er Gespräche mit den Fraktionen an, auch über das Mobilitätskonzept 2030+. In der Hoffnung, dass der nun bis 2030 gewählte Rat nicht nur auf das „Plus“ im Namen des Verkehrswende-Papiers schaut.

