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Nach der Explosion in LeverkusenNoch keine Entwarnung für das Grundwasser

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Löschschaum und der Pumpenausfall in der Giftmüll-Deponie in Bürrig werfen immer noch viele Fragen auf. 

Leverkusen – Wie gefährlich war es für den Rhein, dass nach der Explosion am Bürriger Sondermüll-Ofen neun Tage lang die Pumpen der Giftmüll-Deponie nicht liefen? Dazu gibt es bisher zwar eine erste Aussage von der Bezirksregierung und dem Umweltamt in der Stadtverwaltung. Die beruhigt, aber sie beruht lediglich auf der ersten Durchsicht eines Gutachtens, das Currenta schon kurz nach der Katastrophe den Behörden vorgelegt hatte.

Danach sei die „Sicherungswirkung“ der Brunnengalerie Ost und West durch den Ausfall der Pumpen lediglich um etwa sechs Prozent verringert worden. Bezugsgröße dieser Angabe ist indes das gesamte Wasserhaushaltsjahr, das am 31. August 2021 endete. Die Wirkung der Brunnen, die verhindern sollen, dass mit Giftstoffen belastetes Wasser von der Deponiesohle in den Rhein gelangt, sei durch den tagelangen Ausfall „nicht gefährdet“, lautet die Zusammenfassung der Experten.

Das Gutachten stammt von der Schweizer Firma Simultec. Das heute sieben Köpfe zählende Unternehmen ist seit Beginn der Sanierung der Altlast Dhünnaue dabei; Bayer gehörte seit der Gründung zu den wichtigsten Kunden, heißt es in der Selbstbeschreibung der kleinen Zürcher Aktiengesellschaft: Gemeinsam mit der damaligen Fachabteilung im Bayer-Konzern habe man das Grundwasser-Sicherungskonzept für die Dhünnaue erarbeitet, immerhin „eine der bedeutendsten Deponiealtlasten Nordrhein-Westfalens“.

Noch ein Auftrag aus dem Bayer-Erbe

Ein weiteres Grundwasserproblem bearbeitet Simultec für einen anderen Nachfolger der Bayer AG: Lanxess. Aus der Lederchemie-Fabrik in Südafrika ist das hochgiftige Chrom VI ins Grundwasser gelangt. Die Schweizer Gutachter haben nach eigenen Angaben zunächst ein dreidimensionales, regionales Grundwassermodell erstellt. Danach seien die Standorte der Brunnen ausgewählt worden, die – wie in der Dhünnaue – das Grundwasser vor weiterer Vergiftung schützen sollen.

In einem zweiten Schritt soll die Altlast saniert werden. Dafür sei das Grundwasser- zu einem Stofftransportmodell erweitert worden. So habe man die derzeitige Verseuchung nachbilden und die Sanierung planen können, heißt es. Danach soll Simultec anhand des Modells den Sanierungserfolg dokumentieren und den weiteren Verlauf der Chrombelastung prognostizieren. (tk)

Zum Auftrag habe auch gehört, „die Wirksamkeit des Schutzkonzepts mittels Grundwasser­Modellsimulationen und Messungen“ nachzuweisen. Hernach sei es „gegenüber den Behörden vertreten und verteidigt“ worden. „Seither unterstützen wir die Auftraggeberin bei der periodischen Überprüfung der Wirksamkeit der Maßnahmen“, so die Schweizer. Der Auftrag sei 1993 erteilt worden. Er laufe bis heute; nur dass seit der Ausgründung Currenta Geschäftspartner von Simultec ist.

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Nach Angaben der Stadtverwaltung erstellt Simultec im Auftrag von Currenta jedes Jahr einen Statusbericht für die Deponie und die Altablagerung Dhünnaue. Dieser werde dann der Bezirksregierung Köln und dem städtischen Fachbereich Umwelt vorgestellt. Kontrolle und Untersuchung des Grundwassers sei Sache von Currenta. Die vom Chempark ermittelten Ergebnisse würden sodann an das Schweizer Ingenieurbüro zur Auswertung weitergegeben, das Gutachten wiederum den Behörden vorgelegt. So wurde auch nach der Havarie vom 27. Juli verfahren.

Currenta erklärt Wasservermehrung

Wie aus 5,25 schließlich rund zwölf Millionen Kubikmeter mit Schadstoffen belastetes Löschwasser wurden, die mit Genehmigung des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz nach und nach in den Rhein flossen, hat Currenta auf Anfrage erläutert: Man habe in den ersten 30 Stunden des Einsatzes das angefallene Lösch- und Havariewasser vollständig in den Tanks des benachbarten Abwasser-Klärwerks aufgefangen. Weil die Tanks nicht leer waren, hätten sich dort „Lösch- und Havarieabwässer mit den übrigen Abwässern gemischt“. Dadurch sei eine wesentlich höhere Flüssigkeitsmenge entstanden, „aber keine höhere Schadstoffbelastung“, unterstrich auf Anfrage Maximilian Laufer, Sprecher beim Chempark-Betreiber. „Die übrigen Abwässer machen den weitaus größeren Teil aus.“

Die gemischten Abwässer seien in verschiedenen Tanks aufgefangen und nur aus einem der kleineren Tanks Abwasser zum weiteren Klärungsprozess in die Kläranlage geleitet worden. „So wurden rund 9500 Kubikmeter gemischte Abwässer in den Klärprozess eingeleitet, von denen nur ein geringer Teil die kontaminierten Lösch- und Havarieabwässer waren.“ Vergleichsweise sei das nicht viel, sagte Laufer: „An einem normalen Tag verarbeitet die Kläranlage rund 90.000 Kubikmeter Abwasser.“ (tk)