Echter Brückenstahl ist im diesjährigen Orden verarbeitet – der eine lange Entstehungsgeschichte hat.
DamensitzungRote Funken Leverkusen feiern mit dem „aufwändigsten Orden aller Zeiten“

Ausgelassene Stimmung bei der Damensitzung der Roten Funken
Copyright: Stefanie Schmidt
Die Klüngelköpp kennen sich aus im Leverkusener Forum. „Ist schon gut, wir kennen den Weg!“, rufen die Männer Literatin Anke Timm noch hinterher. Dann entschwinden sie Richtung Bühne, von wo aus sie mit „Niemols ohne Alaaf“ der ausverkauften Damensitzung der Roten Funken einheizen. „Es läuft alles glatt“, sagt Timm – bezogen auf die erste große Sitzung der Session. Aufregung genug hatten die Roten Funken schon im Vorfeld. Wegen ihres Ordens, den sie nun auch als „aufwändigsten Orden aller Zeiten“ bezeichnen.
Orden mit Stadtgeschichte
Der eigentliche Orden ist eine Stahlscheibe, etwa in der Größe eines 20-Cent-Stückes. Aber es handelt sich nicht um irgendeinen Stahl: Es ist echter Brückenstahl der alten Leverkusener Rheinbrücke. Die Silhouetten der alten und der neuen Brücke zieren die rote Fassung des Ordens, in dessen Mitte die Stahlscheibe magnetisch befestigt ist. Bis dahin allerdings war es ein langer Weg: Die Steigsprosse aus einem Brückenturm bekamen die Funken über Kontakte bis hin zum Oberbürgermeister. Dann wurde es schwierig: Giftige Bleilackierung musste entfernt werden, fünf Schlossereien lehnten das Schneiden ab – zu aufwändig. Schließlich wurden sie per Erodierung in schöne Münzen geschnitten und geprägt.

Brückenstahl in der Mitte, rote Fassung außenrum: Der „aufwändigste Orden aller Zeiten.“
Copyright: Stefanie Schmidt
Das nächste Problem: Die Prägung „RF“ für die Roten Funken war zunächst falschrum aufgebracht. Schließlich waren die Münzen aber fertig zum Versand nach China, wo die Orden hergestellt und zusammengesetzt werden sollten. „Da blieb der Brückenstahl aber im Zoll hängen“, erzählt Timm. Wochenlang – schließlich kamen die fertigen Fassungen in Leverkusen an, aber ohne das Herzstück. Brückenstahl war noch vorhanden, aber die Maschine zum Erodieren kaputt. Als Ersatz wurden 550 Münzen aufwändig von Hand gesägt und entgratet.
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Zur Damensitzung tragen die Roten Funken den fertigen Orden und „ein Stück Stadtgeschichte“ aber stolz vor der Brust. Mittlerweile seien auch die ersten Münzen wieder aus dem chinesischen Zoll zurück nach Leverkusen gekommen, berichtet Timm.
Im Saal ist von Anlaufschwierigkeiten in der noch jungen Session nichts zu spüren. Die Stimmung ist von Beginn an ausgelassen, ausnahmslos alle Frauen sind aufwändig kostümiert. Viele in Gruppenkostümen – auffallend viele Pfauen und Papageien flattern durch das Forum. Die Stimmung hochzuhalten, fällt angesichts der hochkarätigen Besetzung nicht schwer: Bis in den Abend statten unter anderem noch die Räuber, Cat Ballou, die Bläck Fööss und zum Abschluss die Stattgarde Colonia Ahoj den Damen im Forum einen Besuch ab.

