Zwischen Selbstoptimierung, Schönheitsdruck und kulturellen Missverständnissen findet Negah Amiri Humor. Am Freitag steht sie Leverkusen auf der Bühne.
Comedy im ScalaNegah Amiri ist „Schön laut“ in Opladen

„Im Alltag bin ich eigentlich ein viel ruhigerer Mensch“, sagt Negah Amiri.
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„Ich glaube, ich hatte noch nie eine schlechte Show in NRW.“ Negah Amiri bringt ihr Programm „Schön laut“ am Freitagabend in den Scala Club Leverkusen. Sie erlebt das Publikum in der Region als selten vorhersehbar, aber sehr offen. Die Comedienne lebt in Köln und ist regelmäßig im Westen Deutschlands auf der Bühne unterwegs.
Feste Erwartungen an ihre Shows hat sie längst abgelegt. „Man kann nie voraussagen, wie das Publikum drauf sein wird. Es ist immer für eine Überraschung gut“, sagt sie. Diese Unberechenbarkeit sei für sie Teil des Berufs. Jede Stadt bringe eine eigene Dynamik mit sich. Zuletzt habe sie in Rheinberg gespielt – „da war das Publikum unheimlich laut“.
Ein Publikum ohne feste Schubladen
Auch wer die Auftritte von Negah Amiri besucht, lässt sich aus ihrer Sicht längst nicht mehr klar einordnen. „In Aachen habe ich gemerkt, dass auch viele Ü50-Jährige zu meinen Shows kommen“, sagt sie. Besonders schätzt sie die Mischung aus unterschiedlichen Altersgruppen und Hintergründen. „Das ist für eine Comedienne wirklich ein Traumpublikum“, sagt Negah Amiri. „Je gemischter das Publikum, umso besser. Jeder ist willkommen.“
Ich mache gerne Witze über mich selbst
Genau diese Vielfalt spiegelt sich auch in den Themen wider, mit denen Negah Amiri auf der Bühne arbeitet. Ihre Comedy entsteht aus Beobachtungen, die sie im Alltag macht. „Ich mache gerne Witze über mich selbst“, sagt Negah Amiri. Selbstironie sei für sie die Grundlage. Themen wie interkulturelle Beziehungen, Schönheitsdruck oder Selbstoptimierung gehörten für sie dazu, weil sie ihr immer wieder begegnen.
Gerade dort, wo es unangenehm oder schwierig wird, sieht Negah Amiri oft das größte komische Potenzial. „Wenn es scheinbar zu viel ist, dann ist es genau die richtige Richtung“, sagt sie. Genau diese Momente würden sich später häufig als besonders starkes Bühnenmaterial erweisen. Oft seien es kleine Momente, die den Ausgangspunkt bilden. So erinnert sie sich an ein aufwendig gekochtes Fünf-Gänge-Menü für ihren deutschstämmigen Partner und dessen eher nüchterne Reaktion: „Ach, das ist mal was anderes.“ Für sie ein typisches Beispiel dafür, wie kulturelle Unterschiede im Alltag unerwartet komisch werden können.
Zwischen Optimierungsdruck und Reizüberflutung
Auch Themen wie Selbstoptimierung verarbeitet Negah Amiri in ihrem Programm. „Ich habe versucht, jeden Morgen um fünf Uhr aufzustehen, 10.000 Schritte zu gehen oder Pilates zu machen“, erzählt sie. Sogar den Köln Marathon ist sie mitgelaufen. Die Routinen hielten jedoch selten lange an. „Die Begeisterung darüber ist ziemlich schnell wieder verflogen“, sagt sie. Als Ursache sieht Negah Amiri eine zunehmende Reizüberflutung im Alltag. „Wir sehen ständig, was andere machen, und finden unsere eigene Leistung dann gar nicht mehr besonders.“ Durch soziale Medien entstehe schnell der Eindruck, ständig hinterherzuhinken.
Der Titel „Schön laut“ beschreibt vor allem die Bühnenfigur von Negah Amiri. „Im Alltag bin ich eigentlich ein viel ruhigerer Mensch“, sagt sie. Auf der Bühne sei das anders. Dort trete sie deutlich extrovertierter auf. „Die Bühnenperson hat gar nicht so viel mit meiner privaten Person zu tun.“ Diese Trennung sei für sie kein Widerspruch, sondern Teil des Konzepts. Es gehe weniger darum, sich zu verändern, sondern darum, Erlebnisse zu verarbeiten und weiterzugeben. „Ich mag es, Menschen zum Lachen zu bringen“, sagt Negah Amiri. „Im besten Fall können sie abschalten und sich ein Stück besser fühlen.“
Comedy statt Ratgeber
Statt immer mehr zu planen oder zu verbessern, plädiert sie für mehr Leichtigkeit im Alltag. „Mein Tipp sind keine Selbsthilfebücher, sondern mehr Comedyshows“, sagt sie lachend. Gleichzeitig gehe es um eine grundsätzliche Haltung: „Man sollte zufrieden sein mit dem, was man hat.“ Trotz aller Routinen, Trends und Selbstversuche bleibt für sie eines konstant: Jede Bühne ist anders. „Jede Stadt hat ihre eigenen Überraschungen. Ich mache mir nicht zu viele Gedanken – und freue mich einfach darauf.“
Negah Amiri, „Schön laut“: Freitag, 8. Mai, 20 Uhr (Einlass 19 Uhr), Scala Club Leverkusen. Karten: es gibt noch Restkarten für 32 Euro an der Abendkasse.
Der Mai im Scala-Club
„Ein Männerchor, der rockt“, Good Voices Dürscheid (Konzert, 9. Mai), „Gebrauchsgegenstand“, Heinz Rudolf Kunze (Lesung, 10. Mai), „Immer weyder“, Jan Van Weyde (Comedy, 15. Mai), „High-Vijf“, Niklas Siepen (Comedy, 21. Mai), Türkisches Standup, Fatih Çevikkollu, Serhat Dogan, Sertaç Mutlu, Aydin Isik ve Kadir Zeyrek (Comedy, 23. Mai), Anna Mateur (Konzert, Start-Festival, 27. Mai), „Luna Keller & Friends“ (Konzert, 29. Mai), Bob-Marley-Tribute „Marley’s Ghost“ (Konzert, 30. Mai), „Grande Dame“, Nicole Jäger (Comedy, 31. Mai). (nip)
