Die Großfamilie Goman macht immer wieder mit Betrügereien und erschlichener Sozialhilfe von sich reden. Ihr Lebensstil ist pompös, Gerichtsprozesse sind Routine.
Roma-FamilieDer Clan, der nicht nur Leverkusen seit Jahrzehnten in Atem hält

In den Siebzigern lebte die Großfamilie noch in Wohnwagen
Copyright: Holger Schmitt
Nicht jeder, der zum weitverzweigten Goman-Clan gehört, trägt auch diesen Nachnamen. Es ist aber auch nicht jeder kriminell, der Goman heißt. Was vereinzelt zu Problemen führt in Leverkusen. Dort gehören die teuren Autos und die Clan-Mitglieder zum Stadtbild. Aggressives Verhalten gibt es normalerweise nicht, aber es kann schon mal passieren, dass ein Fest aus dem Ruder läuft.
Wie zuletzt in einer Opladener Shisha-Bar: Dort wurde die Entlassung von Michael Goman, dem Clan-Oberhaupt aus der mittleren Generation, aus dem Offenen Vollzug in Euskirchen gefeiert. Die Bilanz: Drei von 150 dort eingesetzten Polizisten wurden verletzt, es gibt 21 Ermittlungsverfahren gegen Familienmitglieder.
Angesiedelt hatten sich die Roma schon vor Jahrzehnten; sie kam ursprünglich aus Osteuropa. Lange wohnte die Familie in Wohnwagen. Sonderlich willkommen war sie nicht, wie Berichte aus den 60er und 70er Jahren zeigen. Nahe der Ortschaft Hummelsheim, also in einer Leverkusener Randlage, hatte der Clan Land von einem Bauern gepachtet. Mitte der 70er ging es auf ein Grundstück an der Schlangenhecke, unweit einer Bahnstrecke.
Prämien von der Stadt für Hausbesitzer
Leverkusens Sozialbehörde verfolgte indes schon recht früh das Ziel, den Clan sesshaft werden zu lassen. Diesen Wunsch hatten Gomans inzwischen selbst geäußert. Aber erst zu Anfang der 80er Jahre konnten erste Teile der Großfamilie in Wohnungen umgesiedelt werden. Es ging nach Wiesdorf, also in die Innenstadt. Dazu bedurfte es erheblicher finanzieller Unterstützung durch die Stadt Leverkusen. Die Rede ist von Zuschüssen zwischen 10.000 und 30.000 Euro für Vermieter, die Mitgliedern der Familie eine Wohnung zur Verfügung stellten.

Die Grabstätte der Familie Goman auf dem Leverkusener Friedhof Reuschenberg
Copyright: Ralf Krieger
Ein größerer Komplex an der Kaiserstraße dort ist bis heute ein Zentrum der Goman-Sippe. Und immer wieder in den Schlagzeilen: Etwa, als dort während der Versammlungsbeschränkungen in der Corona-Pandemie große Zusammenkünfte organisiert wurden. Der Grund: Ein angesehenes Familienmitglied, der als eine Art Friedensrichter fungierte, war an dem Virus verstorben. Später wurde eine pompöse Beerdigung auf dem Friedhof Reuschenberg organisiert, wo die Familie eine pompöse Gruft besitzt – die Polizei hatte mal wieder viel zu tun.

Eine von diversen Razzien bei der stadtbekannten Großfamilie an der Kaiserstraße in Leverkusen, hier im April 2021
Copyright: Ralf Krieger
Das Anwesen unweit des Rheins war häufiger Ziel von Razzien. Seit Jahrzehnten mühen sich die Behörden, alle möglichen Varianten von Betrügereien aufzudecken. Der Clan hat – das haben viele Gerichtsverfahren gezeigt – Varianten des Enkeltricks zur Perfektion gebracht. Die Schäden gehen in die Millionen und haben der Familie ein Leben im Luxus ermöglicht: Porsche, Ferrari, teure Mercedes-Modelle gehören zum Goman-Fuhrpark. „Moro“ Goman, Clanchef der Generation 60 plus, bevorzugt einen Rolls-Royce.
Der tägliche Bedarf kommt aus dem Sozialtopf
Den täglichen Bedarf, auch das hat ein großer Prozess vor dem Kölner Landgericht gezeigt, bestreitet die Familie aus Sozialleistungen. Hilfreich dabei war über viele Jahre, dass Paare nach Roma-Recht verheiratet waren, nicht aber nach deutschem. So schien es, als seien Frauen aus dem Clan alleinerziehend, was ihre Ansprüche beträchtlich erhöhen konnte. Im Zweifelsfall bedeutete das für die Ermittler, dass Ehen erst bewiesen werden mussten, Razzien sich auf Schlaf- und Badezimmer erstreckten.
Wo Betrug ist, ist Geldwäsche nicht weit. Das macht einen von zwei derzeit laufenden Prozessen am Kölner Landgericht überaus spannend für den Clan. In einem Revisionsverfahren werden vor allem Immobiliengeschäfte aus dem vergangenen Jahrzehnt erneut unter die Lupe genommen. Die Staatsanwaltschaft verfolgt das Ziel, Geschäftshäuser und Wohnungen in Köln und der Umgebung einzuziehen. Für den Kauf waren siebenstellige Beträge geflossen; die Gebäude werfen ordentliche Mieten ab. Nebenbei geht es um ein Domizil in Leverkusen, das unter anderem Michael Goman bewohnt. Fast alle waren über einen Immobilienentwickler aus Bergisch Gldabach erworben worden. Die entscheidende Frage ist: Hat er das Geld vom Clan bekommen? Stammt es also aus Betrügereien? Wird das bejaht, können die Renditeobjekte eingezogen werden. Das würde die Familie empfindlich treffen.
Die Geschichte steht exemplarisch für das Vorgehen des Goman-Clans: Man schafft Abhängigkeiten und nutzt sie aus. Der Fall in der JVA Euskirchen passt somit ins Muster. Dort hatte Michael Goman den Rest seiner ursprünglich achtjährigen Haftstrafe verbüßt.
Routinierte Auftritte vor Gericht
Im Umgang mit der Justiz hat der Clan wegen der vielen Verfahren in den vergangenen Jahrzehnten längst eine gewisse Routine. Dazu gehört, dass auch Anwaltsmandate vom Vater auf den Sohn übergegangen sind. Sofern es um Varianten des Enkeltricks geht, wird im Prozess zugegeben, was angeklagt ist. Und um die Richter positiv zu stimmen, werden auch kleinere, manchmal größere Beträge den Opfern übergeben, selbstverständlich in bar. Das sind zwar immer nur Bruchteile des Schadens – aber Gomans dokumentieren so ihren guten Willen. Immer wieder hat das zu Urteilen geführt, die vergleichsweise mild erschienen angesichts der langen Liste an Vorstrafen für viele Mitglieder des Goman-Clans.
Im vorigen Juni durchbrach ein Kölner Richter diese Routine: Stephan Kloke verhängte lange Haftstrafen, die sogar über die Anträge der Staatsanwaltschaft hinausgingen. Die Haus-Anwälte des Clans wirkten genauso irritiert wie ihre Mandanten.

