Seit Jahren klagt die Gesellschaft über den schlechten Zustand des Gebäudes.
SanierungNach acht Jahren sollen Netze am Hochhaus der Kölner Messe verschwinden

Das Messehochhaus der Koelnmesse an der Deutz-Mülheimer-Straße ist mit Netzen verhängt.
Copyright: Alexander Schwaiger
Aus der Ferne ist es kaum sichtbar, aber für die Mitarbeiter der Koelnmesse ist die Netzoptik längst ein gewohnter Anblick: Seit acht Jahren ist die Fassade des Messehochhauses an der Deutz-Mülheimer Straße mit Netzen gesichert. Der Grund: Teile der Fassade drohen sich zu lockern.
Mindestens ebensolange hat die Messe mit dem Besitzer der Immobilie über eine Instandsetzung des Hauses verhandelt. Denn für die Gesellschaft war die Verhüllung alles andere als eine gute Visitenkarte. Mit Beginn dieser Woche soll die Front nun saniert werden. Die Arbeiten an dem denkmalgeschützten Haus dürften bis 2027 dauern.
Arbeiten sollen beginnen
Besitzer des Gebäudes ist die Immobiliengesellschaft Aroundtown. Sie teilt auf Anfrage unserer Redaktion zu den Arbeiten mit: „Die vorbereitenden Maßnahmen laufen.“ In den nächsten Tagen solle ein Kran aufgebaut werden, um zunächst Material auf das Dach zu heben.
Die Fassadenelemente sollen Schritt für Schritt ersetzt werden, ohne die Optik des Hauses zu verändern. „Das Erscheinungsbild des Gebäudes bleibt gemäß den denkmalrechtlichen Vorgaben unverändert“, teilt Aroundtown mit, „die Maßnahmen sind mit den zuständigen Denkmalschutzbehörden abgestimmt; sämtliche erforderliche Genehmigungen wurden erteilt.“ Man stehe in Austausch mit dem Amt für Denkmalschutz der Stadt.

Mit Netzen ist die Front verhängt.
Copyright: Alexander Schwaiger
Das Messehochhaus stammt aus den 60er Jahren und war früher das Verwaltungsgebäude der Klöckner-Humboldt-Deutz AG (KHD). Gebaut haben es die Architekten HPP Hentrich, Petschnigg & Partner aus Düsseldorf.
Aus den oberen der 15 Etagen haben Mitarbeiter und Besucher einen Blick über die ganze Stadt und bis ins Bergische Land. Das Haus steht seit 1992 unter Denkmalschutz. Es gilt als repräsentativ für die Nachkriegsmoderne und Unternehmensarchitektur der Zeit. Bereits in den 90er- und den 2005er-Jahren ist das Gebäude saniert worden.
Auszugspläne gibt es schon lange
Die Messe hat in den vergangenen Jahren als Pächter viel Ärger mit der Immobilie gehabt und will nun eine neue Zentrale bauen. Bereits vor sieben Jahren teilte die Geschäftsführung mit: „Es ist nicht vorstellbar, wie wir mit unserem gewachsenem Mitarbeiterstamm und bei den hier herrschenden technischen Mängeln in diesem Haus bleiben können.“
Auch die Stadt Köln soll mit Nachdruck auf die Einhaltung des Denkmalschutzes gepocht haben. Die Verwaltung will sich nicht dazu äußern und spricht von einem „laufenden juristischen Verfahren“. Eine Stadtsprecherin teilt mit: „Das Amt für Denkmalschutz und Denkmalpflege der Stadt Köln stehen bezüglich einer umfassenden Sanierungsplanung mit dem Eigentümer in Kontakt.“
Neue Zentrale bis 2033
Bereits 2020 hat die Messe Pläne für einen Messe-Campus an der Deutz-Mülheimer-Straße vorgelegt – und nach der Corona-Krise wieder verworfen. Und die Anforderungen an Büroimmobilien haben sich verändert: Arbeiten im Home-office ist heute selbstverständlich, es braucht weniger Büroplätze.
In diesem Jahr teilte die Koelnmesse mit, sie wolle auf dem Gelände, am Standort der Halle 3, bis zum Jahr 2032 eine neue Zentrale bauen und 2033 beziehen. Der Neubau soll zentrale Funktionen wie Kongresseinheiten, ein Food-Center, Logistik für Dienstleister und eine Großküche vorsehen, aber auch die Verwaltung beherbergen. Auf den oberen Etagen sind 450 Arbeitsplätze für die Beschäftigten geplant.
Der Bau soll 193 Millionen Euro kosten, die Messe will die Summe aus eigener Kraft finanzieren. Der Aufsichtsrat der Messe hat die Planungen bereits abgesegnet. Im Herbst 2027 soll der Abriss der alten Halle 3 beginnen.
Die angekündigte Sanierung des Hochhauses wird an dem langfristigen Auszug der Beschäftigten nichts ändern, betont die Gesellschaft. Vor allem, weil die Messe sich langfristig Mietzahlungen in Millionenhöhe spart. Der Mietvertrag läuft bis 2033. Wie das Haus anschließend genutzt wird, ist noch offen. Eine Änderung gibt es vor der Tür: In dem flachen Quaderbau, der ebenfalls als Denkmal geschützt ist, entsteht bis Herbst eine Boulder-Halle.
