Abo

Science-Fiction-Lesung in LeverkusenKunstaktion thematisiert „Monsanto Files“

2 min
20220828_MW_ Public Fictions 02

Lesung im sonst leeren Obergeschoss des früheren Einkaufszentrums City C.

Leverkusen – Dass sich eine Gruppe von rund 50 Menschen unterschiedlichen Alters an einem Sonntagnachmittag bei schönstem Wetter freiwillig (!) zu einem gemeinsamen Spaziergang durch die ausgestorbene Wiesdorfer City C aufmacht, das ist an sich schon ein Ereignis. Dazu gab es aber auch einen Anlass, denn es wurde etwas geboten, was es an dieser Stelle nur selten gibt: Kultur.

Im Rahmen der viertägigen Kunstaktion „Public Fictions“, angestoßen von Anna Dietz und Johanna Teerhechte, kuratiert von Lisa Klosterkötter, gab es zum Abschluss eine Lesung eines Textes von Nora Hansen, vorgetragen von der Schauspielerin Fiona Metcher. Und wie alle Beiträge der Vier-Tage-Aktion hatte auch dieser einen ausgeprägten Leverkusen-Bezug, nicht nur durch die ganz besondere Kulisse zwischen Stahlbeton und Taubendreck.

Der Monsanto-Deal

Es war eine Art Science-Fiction-Geschichte mit realem Bezug zur örtlichen Wirtschaft, der – neckischer Weise in Englisch verfasst und vorgetragen und im Stil einer Medikamenten-Verpackungsbeilage auch in gedruckter Form vorgelegt – an drei auserwählt hässlichen Stellen im Stadtzentrum vorgetragen wurden. Worum es im Text ging: Um die „Monsanto Files“.

20220828_MW_ Public Fictions 04

Fiona Metscher las den englischsprachigen Text von Nora Hansen über die Monsanto Files vor.

Eine Geschichte um ein ambitioniertes Unternehmen namens Bayer, das mit dem Kauf des amerikanischen Saatgutherstellers Monsanto zum unanfechtbaren Branchenführer werden will. Das Vorhaben endet ebenso enttäuschend wie eine damit verflochtene Liebesgeschichte, aus der nichts werden will.

An zwei Stellen in der City C und auf dem gegenwärtigen Brachlandstreifen zwischen Ganser-Brauerei und Chempark mühte sich Vorleserin Metcher, die englische Fiktion verständlich vorzutragen. Die überaus aufmerksame Zuhörerschaft lauschte hingebungsvoll.

Zuletzt zogen die so vereinten Spaziergängerinnen und Spaziergänger weiter zu einer Ausstellung mit Bildern der Autorin Nora Hansen im Zentralantiquariat an der Lichstraße und weiteren Ausstellungsräumen an der Breidenbachstraße, ehe die Veranstaltung mit einem Umtrunk auf einem Platz in der Kolonie Anna endete.

20220828_MW_ Public Fictions 01

Zahlreiche Interessierte zogen mit der wandernden Lesung am Sonntag durch die ansonsten ausgestorbene City C.

Dass der für sie zumeist unvertraute Ort Leverkusen sich als spannender und inspirierender Austragungsort der Gemeinschaftsaktion der überwiegend aus Düsseldorf und Köln kommenden Ausstellenden erwiesen hat, sei eine schöne Erfahrung gewesen, bestätigte Kuratorin Lisa Klosterkötter zum Abschluss.

Das könnte Sie auch interessieren:

Solch experimentelle und öffentliche Ausstellungsformate - wie hier in Leverkusen praktiziert - hätten sich wiederholt als sehr kommunikativ erwiesen und machten den Beteiligten viel Spaß. „Länger als vier Tage wäre natürlich auch schön gewesen“, merkte sie an. Doch mit der Nutzung leerstehender Ladenlokale und einer gleichzeitigen Verfügbarkeit sei das eben nicht einfach. Unterm Strich sei „Public Fictions“ eine gelungene Aktion gewesen.