Sprayen ist längst nicht alles

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Wenn Kindern Spraydosen gereicht, sie Messer schmieden oder auf kreative Weise zur Nachhaltigkeit ermutigt werden, ist in Leverkusen wieder Zeit für „Nachtfrequenz“, die landesweite Nacht der Jugendkultur. Seit ein paar Jahren bietet „Crossculture V“ am Quartiersplatz in der Neuen Bahnstadt Opladen im Rahmen Jugendkulturprogramms zahlreiche Stände für Klein und Groß an, die zeigen, dass Kunst und Kultur nicht nur im Museum zu finden sind.

Besonders beliebt ist dabei der Spray-Stand. Die 14-jährige Sunny greift am Samstag bewusst erst zur orangenen, dann zur blauen Dose. Ein Entenkopf mit Cap, gekreuzten Augen und herausgestreckter Zunge ziert ihre Leinwand. Stolz präsentiert sie die „Fuck-Ente“. „Unser Leben ist scheiße, aber wir machen was draus. Wir haben Spaß und sind füreinander da“, erklärt die Jugendliche das Symbol ihrer Clique. Wenn die Farben getrocknet sind, soll das Kunstwerk die Tür des Lofts ihres Freundeskreises zieren.

Auch andere Kinder reizt die Farbe. Manchen fällt es zunächst schwer, den Sprühstrahl zu kontrollieren. Manchmal geht es über den Rand, oder Farbnasen laufen am Bild herab. Das mindert den Spaß nicht. Vertieft in ihre Kunst, bemerken die Nachwuchssprayer den Regen kaum.

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Neue Farbe für die Fassade.

Neue Farbe für die Fassade.

Andere hüpfen unters Zelt, wo sie zumindest Caps besprühen können. Wer sich ein Motiv überlegt und als Schablone ausgeschnitten hat, lernt von Künstler Markus Schmittmann-Salkovic, wie man eine Airbrush-Pistole kontrolliert. Nach einem kurzen Test auf Papier geht es an die Caps. Der Anfänger glaube meist, dass viel mehr Farbe nötig sei, so Schmittmann-Salkovic. Er hat dafür schon ein gutes Gefühl entwickelt und weiß, wann er die Kleinen bremsen muss.

Am Nachbarstand gibt es hingegen kein Zuviel. Die Mosaike aus zerbrochenen Fliesenresten übertreffen einander in Farben und Formen. Selbst die kleinsten Ritzen werden noch mit bunten Stücken verziert. Während Herzen besonders beliebt sind, schafft es auch ein Regenbogen-Elefant in die Sammlung.

Direkt gegenüber steht das gelbe Mobil der Kölner Werkstatt Modekollektiv. Am lang ausgefahrenen Tisch konnten Holzklötze bemalt werden. Wer älter als sechs Jahre ist, kann zudem lernen, wie man aus Stoffresten mit einer Nähmaschine in Windeseile eine kleine Tasche herstellt. Alternativ darf ein fertiger Stoffbeutel mit Siebdruck verziert werden. Die Motive hatten Lilia Weirich und ihre Kollegen zuvor hergestellt.

Erst muss ein Motiv her, dann geht es an die Farbe.

Erst muss ein Motiv her, dann geht es an die Farbe.

Der Dom mit Herz

Wer dort mitmacht, hat eine reiche Auswahl vom konsumkritischen Schaf-Comic bis zum Dom mit Herz. Dass die Beutel unter fairen Bedingungen hergestellt wurden, liegt Weirich besonders am Herzen. Wo eine gute Botschaft draufstehe, solle auch eine drinstecken. Um Kinder in diesem Denken zu bekräftigen, sei das Modekollektiv nicht nur bei der Nacht der Jugend, sondern auch bei Veranstaltungen wie Fridays for Future dabei.

Trotz schlechten Wetters ist das alternative und kostenfreie Jugend-Kulturprogramm am Samstag für viele Besucher ein Erfolg. Die Schlebuscherin Ilona Spalek zeigt sich sehr zufrieden. Sie ist mit ihrer fünf Jahre alten Julia und dem doppelt so alten Maximilian zum Opladener Quartiersplatz gekommen, weil ihr Sohn von dem Spray-Angebot gehört hat. So sei die Familie und ein Freund des Sohns zum ersten Mal in die Neue Bahnstadt gekommen. Dass ihre Tochter nicht zu kurz kommen und hinterher viel mehr ausprobieren sollte als der ins Sprayen vertiefte Bruder, hat sie nicht erwartet: „Wir haben hier den ganzen Tag verbracht, mussten nirgendwo lange warten und haben immer noch nicht alles ausprobieren können. Das Angebot ist wirklich klasse!“

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