Abo

Nach der FlutkatastropheKein Streit zwischen Ministerium und Wetterdienst

3 min
Neuer Inhalt (1)

Eine Straße in Bad Münstereifel am 17. Juli (links) und vier Wochen später

Köln/Düsseldorf – Das nordrhein-westfälische Umweltministerium, der Deutsche Wetterdienst (DWD) und das Landesamt für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz (LANUV) sind in einem Gespräch über die Hochwasser-Katastrophe im Juli zu einem Konsens in der Bewertung gekommen: „Rückblickend war es sowohl meteorologisch als auch hydrologisch ein außergewöhnliches Ereignis, das es in dieser Form in Nordrhein-Westfalen so noch nicht gegeben hat. Dass die Auswirkungen der vom DWD vorhergesagten flächendeckenden enormen Niederschläge dann lokal derart extrem ausfallen würden, war im Vorfeld der Hochwasser-Ereignisse nicht vorherzusehen“, erklärten die drei Behörden in einer gemeinsamen Mitteilung.

Flut Geschäft Bad Münstereifel

In Bad Münstereifel werfen Helfer Kleidungsstücke aus den Geschäften.

Und nein, das Treffen sei kein „Friedensgipfel“ gewesen, sagte auf Nachfrage ein Sprecher des NRW-Umweltministeriums – es habe zuvor ja gar keinen Streit gegeben. Streit vielleicht nicht, aber eine institutionelle Verstimmung war schwer zu überhören, nachdem das Ministerium in einem Bericht für den Landtag die Prognosen und Warnungen des DWD als in einem relevanten Punkt „nicht präzise“ bezeichnet hatte. Die Wetter-Experten hatten sich daraufhin gewehrt mit der Veröffentlichung einer ganzen Reihe von Prognosen im Vorfeld der furchtbaren Ereignisse.

Neuer Inhalt

Zwei Brüder vor ihrem von der Flut zerstörten Elternhaus in Altenahr: ein bewegendes Bild des Leids.

Nach dem Treffen sagte nun DWD-Präsident Gerhard Adrian, man habe frühzeitig vor anhaltenden, gewittrig und mit Starkregen durchsetzten Niederschlagsereignissen gewarnt: „Die Schwierigkeit bei so einer Wetterlage ist die punktuelle Vorhersage, wo genau sich Gewitter- und Starkniederschlagsereignisse einstellen und ob sie gegebenenfalls mehrfach denselben Ort, dasselbe Gebiet treffen.“

Das könnte Sie auch interessieren:

Aus dieser Art Unschärfe hatten sich die zaghaften Interpretationen der zuständigen Behörden erheben. LANUV-Präsident Thomas Delschen sagte dazu am Mittwoch: „Wir überführen die meteorologischen Warnungen des DWD in Zusammenschau mit der Entwicklung an den Pegeln in eine hydrologische Bewertung. Aufgrund dessen war der Eintritt von Hochwasser zwar absehbar, dass dies jedoch flächendeckend ein derart historisches Ausmaß annehmen würde, haben wir aus den Daten und bisherigen Erfahrungen nicht herausgelesen.“

Auch Franz-Josef Molé, Leiter der Vorhersage- und Beratungszentrale des DWD, hatte zuvor im WDR-Interview eingeräumt: „Natürlich haben alle auf eine Katastrophe hingewiesen im Form von Sonderwarnungen. Aber dass die Auswirkungen so extrem werden würden, davon hatten wir wirklich keine Vorstellungen.“

Zerstörung Blessem Flut

In Erftstadt-Blessem wurden beim Hochwasser ganze Straßenzüge zerstört.

Neben der Klärung eventueller Differenzen, ging es bei dem Treffen aber dann vor allem darum, „die Methodik weiter optimieren, um mit noch zielgenaueren Vorhersagen zu helfen, die Folgen derartiger Extremereignisse abzumildern“, wie DWD-Chef Adrian betonte.

Präzisere und schnellere Vorhersagen

Aktuell arbeitet der Deutsche Wetterdienst unter anderem an einem Projekt namens SINFONY (engl. Langname: Seamless Integrated Forecasting System) zur verbesserten Vorhersage von Sturzfluten. In diesem Projekt werden Radarmessungen und Simulation der Modelle zusammengeführt – Ziel ist eine sogenannte Kürzestfristvorhersage (null bis 12 Stunden) von Wetterereignissen mit Schadenspotenzial und Auftretenswahrscheinlichkeit.

Auch beim LANUV gibt es bereits einen Testbetrieb für ein Tool, das verbessere Prognosen an Bächen und Flüssen ermöglichen soll. Ganz aktuell hat das Umweltministerium zudem ein neues Modellprojekt mit der Technischen Hochschule Aachen in Stolberg gestartet, das unter anderem auch die Bodenfeuchte mitberücksichtigt.

Derartige Modelle werden künftig die zuständigen Stellen unterstützen, die Vorhersagen von Pegelständen und Überflutungsrisiken weiter zu verbessern. Damit diese Tools schnell praxisreif werden, ist eine enge – und dissensfreie – Zusammenarbeit von Behörden und Forschung erforderlich.