Lust auf Pistazie-Kardamom-Happen? Oder handgemachte Trüffel? Bei Julia Moser aus Bergneustadt ist in Sachen Schokolade fast alles möglich.
Süß!Die Bergneustädterin Julia Moser ist eine der weltweit ersten Schokoladen-Sommelières

Julia Moser in ihrer Schokoladenmanufaktur: Sie hat vier Jahre in Argentinien gelebt und dort für die deutschstämmige Community Schwarzwälder-Kirsch-Torten gebacken.
Copyright: Monika Siegfried-Hagenow
„Nie käme ich auf die Idee, abends vor dem Fernseher eine ganze Tafel Schokolade zu essen!“ Julia Moser schüttelt sich. Dabei ist der süße Stoff doch ihr Berufslebenselixier. „Schokolade ist was zum Genießen, in kleinen Portionen, so wie ein guter Wein!“, klärt die Bergneustädterin auf. Deshalb muss sie handgemacht sein, bis zum kleinsten weißen Pünktchen auf dem roten Flügel der Marienkäferpraline. Darauf legt die Besitzerin der Schokoladenmanufaktur Chocolia größten Wert.
Bergneustädterin lädt sogar zum Online-Tasting
Julia Moser ist Schokoladen-Sommelière, eine der ersten weltweit, die diese Weiterbildung absolviert hat. Damit es auch bei ihren Kundinnen und Kunden richtig klappt mit dem Genuss von Kürbiskern-Nougat oder Cafe-Cortado-Pralinen veranstaltet sie Tastings – in ihren Räumen und vor allem auch online. Wie kommt man denn digital auf den Geschmack der orientalisch anmutenden lilafarbenen Pistazie-Kardamom-Happen? Die Sommelière lacht. „Die Teilnehmenden bekommen vorher ein Set zugeschickt zum jeweiligen Thema“, erklärt sie. Etwa zu einer Genussreise auf den Spuren der Geschichte des Kakaos, vom Anbau über die Fermentierung bis in die Pralinenschachtel.
In einer Videokonferenz führt sie dann durch die Stationen, und dabei fließt ganz viel eigenes Erleben ein, ist sie doch mit dem Rucksack selbst gereist, in kleine Anbaugebiete in Afrika, Brasilien, der Dominikanischen Republik, Bolivien, hat auf Spanisch mit den Bauern gefachsimpelt und Bezugsquellen aufgetan. „So kann ich Wissen nicht nur aus Büchern vermitteln, sondern ganz viel aus eigenem Erleben erzählen.“ Und zu jeder Station gibt's was Süßes zum Probieren, aber auch mal so Exotisches wie einen Schluck Kakaosaft.
Schmelz gelingt in Bergneustadt viel besser
Vier Jahre lang hat sie in Argentinien gelebt, hat für die deutschstämmige Community dort Schwarzwälder-Kirsch-Torten gebacken und für die Einheimischen Maisgebäck mit Karamell. „Allerdings hat die Schokolade nicht geschmeckt“, bedauert sie noch heute. „Weil es ständig über 30 Grad warm ist, hat sie einen sehr hohen Schmelzpunkt und ist sehr hart. Da fehlt der zarte Schmelz.“
Der gelingt in Bergneustadt besser. Lange hat die 40-Jährige als Konditormeisterin bei Gießelmann kunstvolle Torten gestaltet – und dabei den Wunsch gehegt, „noch kreativer zu arbeiten und dabei alle Sinne anzusprechen“. So liebt sie besonders das farbige „Schminken“ ihrer Pralinen mit Airbrush und Pinsel, bis sie kleinen Kunstwerken gleichen, die bei ersten kleinen Tastingversuchen schon vor einigen Jahren ihre ersten Bewunderer fanden.
Für die authentische Aromatik muss es echter Zucker sein.
Ausgerechnet die Coronazeit brachte dann den Durchbruch fürs Online-Angebot mit 20 Tastings pro Woche, brachte schließlich den Entschluss, sich auf eigene Beine zu stellen und damit die Suche nach einer Produktionsstätte. Die fand sie in der alten Backstube der früheren Konditorei Knott, wo sie selbst einst ihre Ausbildung gemacht hatte. „Ich hab sogar noch alte Skizzen von meinen Torten gefunden, es war wie eine Zeitreise“, erzählt sie.
Eingezwängt zwischen Taxi, Schneiderei und Massagestudio begann sie zu experimentieren – heute gehören 16 Sorten Pralinen zum Sortiment, dazu Schokoladen, auch vegan oder laktosefrei. „Die Kunden mussten klingeln und nahmen ihre Päckchen an der Hintertür in Empfang, es war ein bisschen konspirativ. Ich durfte ja keinen Publikumsverkehr haben“, erinnert sie sich an die Anfänge.
Neue Räume in der Bergneustädter Innenstadt
Seit einem halben Jahr freut sie sich über neue Räume, die auch Platz genug bieten, Workshops zu veranstalten und für einen Shop. Firmen lassen bei ihr besondere Pralinen mit Logo produzieren, gerade hat sie eine blau-weiße Lufthansa-Praline zum 100-Jährigen Jubiläum gestaltet, und eine große Brennerei hat – pünktlich zur Osterzeit – ihren eigenen Eierlikör angeliefert, damit die Schokoladen-Sommelière besondere Pralinen damit füllt, exklusiv natürlich.
Rund 5000 Pralinen formt sie jede Woche, im Winter auch mal mit Bratapfelaroma, jetzt im Frühjahr experimentiert sie mit frischem Rhabarbergeschmack. Aber immer ganz traditionell. „Wir verwenden wenig Zucker, unsere dunklen Sorten haben 70 Prozent Kakaoanteil, die Milchschokolade immerhin 40 Prozent, aber für die authentische Aromatik muss es echter Zucker sein.“ Dafür reisen manche Kunden von weit her nach Bergneustadt, auf der Suche nach handgemachten französischen Trüffeln fürs Osternest oder der romantischen Private-Tasting-Box für Zwei mit Anleitung per QR-Code.
Zur Homepage von Chocolia geht es hier.


