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BürgerversammlungDas ist über die Windkraft-Pläne der ERG-Gruppe in Bergneustadt bekannt

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Über einem Windpark bei Gotha scheint Sonnenlicht zwischen dunklen Regenwolken hindurch.

Windräder auf dem Bergneustädter Stadtgebiet waren am Mittwochabend Thema einer Bürgerversammlung im Krawinkelsaal. 

Vier Windräder will die italienische ERG-Gruppe in Bergneustadt bauen. Bei einer Bürgerversammlung hatte das Publikum Fragen zu den Details. 

Die Windkraft ist ein Zankapfel, da unterscheidet sich Bergneustadt nicht von anderen Orten. Und auch eine Bürgerversammlung zum Thema ist inzwischen keine Besonderheit mehr. Das Ungewöhnliche an der Zusammenkunft der etwas mehr als 200 Interessierten am Mittwochabend im Krawinkelsaal ist allerdings das noch sehr frühe Stadium, in dem die Windkraftplanung für das Stadtgebiet steckt. „Wir Bergneustädter haben einfach die Erfahrung gemacht, dass es hilfreich ist, wenn die Bürgerschaft frühzeitig über Vorhaben informiert wird, die unsere Stadt maßgeblich prägen werden“, sagt Bürgermeister Matthias Thul bei der Begrüßung, bevor er das Mikrofon an die Vertreter der ERG-Gruppe weiterreicht.

Bergneustadt soll Teil des ERG-Ausbaus in Deutschland sein

Der ehemalige italienische Öl- und Gaskonzern wandelt sich seit 2006 zum europäischen Windkraftplayer und baut aktuell seine Kapazität in Deutschland massiv aus – dazu soll auch Bergneustadt gehören. „Bislang stecken wir aber noch mitten in der Grundstücksakquise“, betont Philipp Scheerer, Leiter Standortsicherung, im Krawinkelsaal – und will sämtliche Daten und Zahlen des Abends deshalb auch als vorläufige Werte verstanden wissen.

Landkarte mit eingezeichneten Windflächen

Vier Windvorrangflächen gibt es in Bergneustadt. Die ERG-Gruppe möchte drei Räder in der Sülemicke nahe dem Laubberg (rechts) bauen und ein weiteres auf einer der drei Flächen am Beulberg.

Stand jetzt liebäugelt die ERG mit dem Bau von vier Windrädern, drei in der Sülemicke nahe dem Laubberg und eines auf dem Beulberg. Theoretisch wäre auf letzterem sogar Platz für drei weitere Anlagen von 250 Metern Höhe, doch bei zweien haben sich die Grundeigentümer noch nicht entschieden und für das dritte – das dann insgesamt siebte im Stadtgebiet – müsste der Stadtrat erst Planungsrecht schaffen, dieser Fall ist zugleich rechtlich eine Besonderheit, weil er der Stadt ein echtes Mitspracherecht verleiht.

Wir Bergneustädter haben einfach die Erfahrung gemacht, dass es hilfreich ist, wenn die Bürgerschaft frühzeitig über Vorhaben informiert wird, die unsere Stadt maßgeblich prägen werden.
Bürgermeister Matthias Thul über den frühen Zeitpunkt der Bürgerversammlung

Weitere Erkenntnis des Abends: Die ERG ist kein Projektierer, der fertige Windräder an Investmentfonds verkauft, sie will die Anlagen später selbst betreiben. „Wir verdienen unser Geld mit der Stromproduktion“, betont Scheerer. Priorität lege die Firma deshalb nicht auf eine „Maximalplanung“, also das möglichst dichte Aneinanderreihen von Windrädern, sondern auf wartungsarme und langlebige Räder. Für den Fall erfolgreich abgeschlossener Pachtverträge könnten im Herbst und Winter die naturschutzfachlichen Untersuchungen durchgeführt werden, Anfang 2027 dann die technischen Gutachten folgen.

Fragen vom Rückbau bis zum Flugbetrieb auf dem Dümpel

Mit einer rechtkräftigen Genehmigung rechnet die ERG aktuell nicht vor Ende 2028, bis sich die Rotoren drehen, dürfte das Jahr 2030 längst angebrochen sein. Die Nachfragen der Bürger drehen sich um mögliche Zufahrtswege, den Rückbau nach 30 Jahren, eine finanzielle Beteiligung der Stadt (kalkuliert wird mit einem sechsstelligen Betrag), aber auch die Auswirkungen auf den Trainingsbetrieb auf dem Hundeplatz Sülemicke und den Flugbetrieb auf dem Dümpel sowie mögliche Hindernisse für den Bau durch Vorkommen des Rotmilans. Philipp Scheerer bleibt oft nur die Versicherung, dass man alle Aspekte gründlich untersuchen werde – da das eigentliche Verfahren aber eben noch nicht angelaufen sei, könne man bislang nur spekulieren.

Fest steht dagegen, dass auch vier Konkurrenten der ERG noch in den Bergneustädter Vorrangzonen unterwegs sind. Mit ihnen könnte es am Ende auch eine Kooperation geben, vermuten die ERG-Vertreter, die die Chancen auf eine Realisierung ihrer Pläne derzeit auf 50:50 schätzen.

Eine Bürgerbewegung mit dem Titel „Gegenwind Bergneustadt“ ist jedenfalls schon in Gründung. Und auch UWG-Fraktionschef Jens-Holger Pütz erklärt in der Versammlung, jeden Widerstand „gegen die Monsterwindräder“ an. Manche applaudieren ihm, andere verdrehen die Augen. Wie gesagt, die Windkraft bleibt ein Zankapfel.