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BürgerversammlungNoch sind viele Fragen zur Windkraft in Engelskirchen offen

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Die Informationsveranstaltung im Aggertalgymnasium.

Bürgermeister Lukas Miebach führte in das Thema ein.

Gut 120 Bürger kamen zu einer Infoveranstaltung der Gemeinde Engelskirchen zur geplanten Windkraftanlage auf dem Heckberg

Mehr als 120 Bürger waren am Donnerstag der Einladung der Gemeinde Engelskirchen zu einer Informationsveranstaltung über die geplanten Windkraftanlagen auf dem Heckberg im Südwesten der Gemeinde gefolgt. Nach seiner Begrüßung blickte Bürgermeister Lukas Miebach auf die bisherige Entwicklung zurück. So hatten auf den Tag genau vor zwei Jahren, am 16. April 2024, die Dürener Gesellschaft Rea und Abo Energy aus Wiesbaden ihre Projekte im Planungs- und Umweltausschuss vorgestellt.

Überdurchschnittlich hohe Windgeschwindigkeiten

Als ersten Schritt für die Umsetzung hat der Ausschuss am 2. Juli 2025 einen einstimmigen Aufstellungsbeschluss für die Änderung des Flächennutzungsplans gefasst, um die Ausweisung zusätzlicher Gebiete für die Windenergienutzung im Südwesten der Gemeinde in die Wege zu leiten. Im letzten Monat hatte er dann die frühzeitige Beteiligung für die Flächennutzungsplanänderung beschlossen. Miebach: „Auf diese Weise wurde ein Kompromiss zwischen dem Bedarf an erneuerbaren Energien und den Bedürfnissen der Bürger gefunden.“

Dieter Gründonner vom rheinland-pfälzischen Planungsbüro GDS erläuterte, dass die Änderung des Flächennutzungsplans notwendig sei, um die bisherige Waldfläche als „Sonderbaufläche für die Windenergie“ auszuweisen. Der Standort sei aufgrund überdurchschnittlich hoher Windgeschwindigkeiten sehr gut geeignet. Seine Kollegin Paula Keller schilderte, dass bei den Planungen sowohl Umwelt-, Natur- und Artenschutzaspekte berücksichtigt würden, ebenso gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse der Bürger. Einen besonderen Vorteil habe der Heckberg durch seine Vorbelastung als Borkenkäfer-Kalamitätsfläche.

Derzeit sind sechs Anlagen geplant

Rea-Projektleiter Hendrik Heyder erklärte, dass derzeit insgesamt sechs Anlagen geplant seien. Sein Kollege Michael Lohmann von Abo Energy ergänzte, dass sowohl die Schallemissionen aufgrund der vorherrschenden Windrichtung als auch der Schattenwurf der rund 250 Meter hohen Anlagen die Wohnbebauung kaum beeinträchtigen werde. Auch der in der Nähe brütende Uhu werde nicht gestört, da seine Flughöhe kaum mehr als 80 Meter betrage, was deutlich unterhalb der Rotorblätter liege.

Die Frage aus dem Publikum, ob es auch mehr als sechs Windräder werden könnten, beantwortete Heyder klar: „Zu viele Anlagen beeinträchtigen sich gegenseitig – in der Theorie ja, in der Praxis nein.“ Sorge machten den Bürgern die Waldwege, die für den Bau der Anlagen mutmaßlich auf zwölf Kilometern Länge ausgebaut werden müssten. Dazu äußerte sich Lohmann: „Die Wege müssen kaum verbreitert werden“. Allerdings existiere noch keine konkrete Planung dazu, da weder die exakten Standorte noch der genaue Anlagentyp feststehen: „Jedenfalls werden die Wege nicht asphaltiert.“

Nach der Infoveranstaltung mit allgemeinen Fragen hatten die Bürger die Gelegenheit, mit Planern und Projektierern ins persönliche Gespräch zu kommen. Im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung können Stellungnahmen zu diesem Projekt bis zum 18. Mai bei der Gemeindeverwaltung eingereicht werden. Lukas Miebach versicherte, dass es zu jeder einzelnen eine Stellungnahme der Verwaltung geben werde: „Aber nach einer Abwägung entscheiden letztlich die politischen Gremien.“


Bergische Bürger für Naturschutz

Bereits im Vorfeld der Veranstaltung hatte Ute Wagner, Vorsitzende des Vereins „Bergische Bürger für Naturschutz“ einen Umweltfrevel im „Areal Südwest“ angeprangert. Sie warnt vor einer Waldzerstörung, bei der – anstatt die bereits genehmigte Fläche am Industriestandort Metabolon zu nutzen – der größte zusammenhängende, bisher unzerschnittene Wald im Naturpark Bergisches Land mit zwölf Naturschutzzonen durch eine kilometerlange Schwerlasttrasse massiv beeinträchtigt wird: „Engelskirchen handelt gegen den Willen der Bevölkerung und opfert unter dem Deckmantel der Klimaneutralität unsere letzte Waldreserve.“

Sie betont, dass die Bergischen Bürger für Naturschutz nicht grundsätzlich Windkraftgegner sind, sondern sich ausschließlich gegen den Standort in diesem Wald wenden. Derzeit gebe es bereits über 3000 Unterschriften gegen diese Pläne: „Die Natur, die sich regenerieren könnte, wird einem ideologischen Irrweg geopfert.“